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Afrika

Stolperstraßen statt Autobahnen

Südafrika steht vor großen wirtschaftlichen Problemen. Strategien, der schwarzen Bevölkerung mehr Möglichkeiten zu eröffnen, brachten nicht den gewünschten Erfolg.

Kinder im Slum (Foto: Frank Räther)

Vielen Südafrikanern haben die Förderprogramme für Schwarze nichts gebracht

Als mit den ersten demokratischen Wahlen 1994 in Südafrika die Apartheid endgültig zu Ende ging, bekam die schwarze Bevölkerungsmehrheit erstmals alle politischen Rechte. Sehr schnell besetzten Schwarze nun Posten in der Regierung und der bislang vor allem von Weißen dominierten Verwaltung. Dies sollte auch in der Wirtschaft erreicht werden. Zwei Strategieschlagworte machten schnell die Runde: "Affirmative Action" und "Black Economic Empowerment". Das erste war die Bevorzugung von Schwarzen bei der Besetzung von Managerposten auch in der Privatwirtschaft, das zweite war die gezielte Erhöhung des schwarzen Besitzes an Unternehmen.

Südafrikas Wirtschaft war fest in weißer Hand

Claas Daun (Foto: Frank Räther)

Der deutsche Unternehmer Claas Daun

Beides war verständlich und logisch. Denn 1994 waren aufgrund der Jahrhunderte langen Benachteiligung 98 Prozent der ungebildeten Arbeitskräfte Schwarze. Im obersten Management hingegen waren es gerade einmal zwei Prozent. Der in Südafrika mit zahlreichen Firmen sehr aktive deutsche Unternehmer Claas Daun sah der neuen Strategie des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) erwartungsvoll entgegen. "Es gibt hervorragende schwarze Mitarbeiter", weiß er aus eigener Erfahrung. "Mitdenkend und kämpfend und machend. Es ist also nicht so, dass man sagen kann, die Schwarzen können es nicht. Das ist falsch." Und so bildete er seine besten Leute aus und betraute sie mit Managementfunktionen. Doch schnell kam die Ernüchterung, erfuhr Claas Daun. "Sobald Sie einen wirklich guten Mann hatten, der leistungsbezogen war, war er auch schon weg, zum doppelten Gehalt vom nächsten abgeworben. Das heißt, Sie haben in die Ausbildung investiert – und er war weg." Denn das Problem war, dass für die vom ANC geforderten Quoten von bis zu 50 Prozent Leitungsfunktionen für Schwarze aufgrund ihrer katastrophal schlechten Bildung während der Apartheidzeit überhaupt nicht die notwendigen Leute da waren. Und so nutzen viele der wenigen Qualifizierten die Knappheit, um sich immer höhere Gehälter zu verschaffen, die bald nicht mehr ihren wirklichen Leistungen entsprechen.

Unzureichende Bildungspolitik

Schulkind an der Tafel (Foto picture alliance)

Schwarze Schüler werden immer noch zu wenig gefördert

Hinzu kommt, dass die Regierung nicht genügend für die Ausbildung tut. Es stiegen zwar die Abiturienten- und Studentenzahlen der jungen schwarzen Generation. Doch zu viele schaffen den Abschluss nicht und zu wenige werden auf die für die Wirtschaft wichtigen Fächer konzentriert, also Betriebswirtschaft, Ingenieurzweige und Buchhaltung. 1996 klagte der damalige Bildungsminister Kader Asmal, dass Südafrika 24.000 weiße Ingenieure habe, aber nur eine Handvoll schwarzer. Wesentlich besser sieht es eineinhalb Jahrzehnte später immer noch nicht aus. Dennoch wurden erfahrene weiße Fachkräfte im Rahmen der Affirmative Action aus ihren Funktionen und Betrieben gedrängt und durch Schwarze ersetzt. Mathews Phosa von der ANC-Führung musste jetzt eingestehen, dass es Beförderungen gab, die nicht in Ordnung waren. "Leute, die nicht das entsprechende Ausbildungsniveau hatten, wurden auf hohe Posten gehievt, die sie nicht ausfüllen konnten, weil sie nicht die Fähigkeiten dafür hatten." Es zählte die Quote, nicht die Leistung. Das Resultat ist dementsprechend.

Bereicherung einiger weniger

Ähnlich sieht es beim sogenannten Black Economic Empowerment aus. Damit der Besitz von Unternehmen nicht länger von Weißen dominiert wird, wurden auch hier für die einzelnen Branchen Quoten vorgegeben. So müssen 15 Prozent aller Bergbauunternehmen – und das ist der im Export dominierende Sektor in Südafrika – schwarzen Aktionären gehören. In fünf Jahren wird das auf 26 Prozent erhöht. Bei den Banken und in den meisten anderen Bereichen sieht es ähnlich aus. Wenn ein Unternehmen nicht diesen prozentualen Anteil vorweisen kann, erhält es keine Regierungsaufträge. Ein paar Hundert schwarze Südafrikaner, meist mit sehr guten Beziehungen zum regierenden ANC, oder selbst in der neuen Administration in hohen Positionen, ergriffen diese Gelegenheit und gründeten Firmen, die zu Teilhabern der großen Konzerne wurden. Geld hatten sie keines. Und so wurden die Anteile auf Kredit erworben und dieser dann mit den künftigen Gewinnen abbezahlt. Solange die Wirtschaft prosperierte und ein jährliches Wachstum von durchschnittlich fünf Prozent aufwies, funktionierte das. Doch da Südafrika inzwischen in die Rezession gerutscht ist, bricht dieses Schema zusammen. Hinzu kommt, dass nichts Neues entsteht, sondern nur umverteilt wird. Erzbischof Desmond Tutu erklärte empört: "Leute können sehr reich werden – nur durch das Leisten ihrer Unterschrift."

Einige der neuen Millionäre sind sehr gute Manager, so wie Cyril Ramaphosa, der einstige Generalsekretär des ANC, oder Patrice Matshepe. Aber der größte Teil der Profiteure des Black Economic Empowerment leistet nicht, was von ihm erwartet wird. Beide Strategien des ANC haben sich bisher als Stolperstraßen erwiesen und nicht als die erhoffte Autobahn in eine schwarz dominierte Wirtschaft.

Autor: Frank Räther

Redaktion: Katrin Ogunsade/chr