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Alltagsdeutsch – Podcast

Stolpersteine

Ob bei der Aussprache, beim Genus, bei der Deklination, der Konjugation oder der Syntax: Die Schwierigkeiten sind für Deutschlernende oft kaum zu überschauen. Nicht umsonst gilt Deutsch als schwere Sprache.

Zitat:

Yoko Tawada, "Von der Muttersprache zur Sprachmutter"

"Es gab damals zwei Figuren in der deutschen Sprache, die mir stark auffielen. Ich wusste nicht genau, was oder wer sie waren, und es war nicht möglich, jemanden danach zu fragen, denn meine deutschen Mitarbeiterinnen schienen sie nicht sehen zu können. Die eine Figur hieß Gott und die andere Es. Sie zeigten sich immer wieder in verschiedenen Sätzen. Gott kam oft aus dem Mund einer Frau, wenn ein Gefühl ohne Kommentar herauskam: "Oh, mein Gott!", "Ach du lieber Gott!", "Gott sei Dank!" "Um Gottes willen!""

Abdul Bangura (Deutschlerner aus Sierra Leone):

"Ja, leicht? Es gibt nichts. Ich denke, es gibt nichts. Deutsch ist total schwierig. Total schwierig. Ich kann das genau so sagen."

Stalin Ruiz (Deutschlerner aus Peru):

"Ja, wie Abdul, mein Kollege, ich lerne erst sechs Monate Deutsch. Und in Deutschland. Das ist vielleicht eine Vorteil und manchmal ist es eine Nachteil: Wenn die Leute mit uns sprechen, und wir haben einige Probleme, sie möchten gerne uns helfen. Aber sie denken, sie könnten auf Englisch besser helfen."

Sidy Kouaté (Deutschlerner aus Senegal):

"Als ich die Leute zum ersten Mal reden gehört habe, hab' ich gedacht, "Oh, wo bin ich denn gelandet?" Das war für mich sehr kompliziert. Alleine die Satzbildung. Das war nicht so einfach. Auch mit der Grammatik. Was die Deklination anbelangt, was sollte man benutzen? Mit welchem Verb zusammen? Und mit welchem Artikel? Das war nicht so einfach, ja."

Sprecher:

Deutsche Sprache, schöne Sprache. Deutsche Sprache, schwere Sprache!

Sprecherin 1:

Gründe, Deutsch zu lernen, gibt es viele. Da hat man ein Stipendium für ein Studienjahr in Deutschland bekommen, oder der Arbeitgeber schickt einen gleich für drei Jahre dorthin. Man macht einen Trip nach Heidelberg und verliert sein Herz an einen deutschen Mann. Vielleicht verliebt man sich auch in die deutsche Literatur und möchte sie im Original lesen. Laut eines Gesetzes muss, wer als Zuwanderer in Deutschland leben möchte, auf jeden Fall die deutsche Sprache lernen. So manchem mag es davor grausen, denn er sieht viele Stolpersteine und Fallen auf einem langen, beschwerlichen Weg vor sich.

Zitat:

Yoko Tawada, "Von der Muttersprache zur Sprachmutter"

"Die zweite Figur, die mir damals stark auffiel, war Es. Man sagte: "Es regnet", "Es geht mir nicht gut", "Es ist kalt." Im Lehrbuch stand, dass dieses Es gar nichts bedeute. Dieses Wort fülle nur die grammatische Lücke. Ohne es würde nämlich das Subjekt des Satzes fehlen, und das ginge auf keinen Fall, denn das Subjekt müsse sein. Ich sah es aber nicht ein, dass ein Satz ein Subjekt haben musste. Außerdem glaubte ich nicht, dass das Wort es eine Bedeutung hatte. In dem Moment, in dem man sagt, dass es regnet, entsteht ein Es, das das Wasser vom Himmel gießt."

Sprecherin 1:

So wie der japanischen Schriftstellerin Yoko Tawada, die in Hamburg lebt, mag es vielen Lernenden gehen. Mit einem Mal tauchen grammatische Phänomene auf, die in der Muttersprache entweder nicht existieren oder anderen Regeln folgen, wie das so genannte Leerstellen-Es.

Sprecher:

Von der Aussprache ganz zu schweigen: Ö, ä, ü, äu. Es gibt noch keine Statistik, die verzeichnet, wie viel Verzweiflung Umlaute weltweit schon ausgelöst haben. Aber auch das ch, also das c-h, nach hellem Vokal weich ausgesprochen und nach dunklem hart, bereitet Probleme. Mal davon abgesehen, dass es auch wie "x" klingen kann.

Sprecherin 2:

Sieben Köche möchten Köstliches in der Küche kochen. Doch wo ist die Gans? Sie suchen und fluchen: "Fuchs, du hast die Gans gestohlen!"

Sprecher:

"Gib sie wieder her!" Das ist doch ein altes Kinderlied. Aber stimmt, der Satz hat fast schon Zungenbrecherqualität. "Kirche" und "Kirsche", ch und sch sind aber auch nicht immer leicht auseinander zu halten. Dann haben wir da noch das "Gäns-chen" und das "Füchs-chen", mit der Endsilbe -chen, die immer eine Verkleinerung anzeigt. Die Gans und der Fuchs bekommen einen Umlaut und behalten ihren Auslaut "s". Wer das nicht weiß, kann leicht in die Falle tappen und sch sprechen.

Sprecherin 1:

Das "Gän-schen"? Klingt auch nicht schlecht.

Sidy Kouaté:

"Vielleicht gibt's so Wörter, die man nicht aussprechen kann. Wenn man das von Muttersprache her das nicht gelernt hat, oder dass man das nicht drauf hat. Es gibt Leute, die haben ein Problem mit diesem st, zum Beispiel stechen. Gibt dann Nationalitäten, die sagen zum Beispiel "estechen", ja. Das sind für mich immer Sachen, wo ich sage, wenn ich das nicht kann, dann versuche ich das zu üben."

Sprecherin 1:

Aber auch das Genus, im Deutschen in dreifacher Ausführung vorhanden – männlich, weiblich, sächlich – sorgt mitunter für beträchtliche Verwirrung, wie Sidy Kouaté bemerkt.

Sidy Kouaté:

"Alleine, wenn ich sage "die Frau", ja, "die Kinder". Dann kommt 'n Ausländer und sagt: "Oh, ich denke "die" ist femininum. Aber "die" ist auch für Plural. Wie soll ich das denn auseinanderhalten? Oder dass man sagt: "Okay, ich habe mit den Kindern gespielt, so". Dass man sagt, oh, Kind, die Kinder, mit den Kindern."

Sprecherin 2:

Also, um das mal klarzustellen: In der Mehrzahl, im Plural, herrscht im Deutschen das Matriarchat. Das Weibliche regiert zumindest den ersten Fall, den Nominativ. In den anderen Fällen werden die Artikel und die Nomen, aber auch die Adjektive und die Pronomen gebeugt, dekliniert.

Sprecher:

Also gut: der Teppich, der Deckel, der Wecker – die Teppiche, die Deckel, die Wecker.

Sprecherin 1:

In der Einzahl, dem Singular, kann man das Genus vieler Hauptwörter aber schon an der Endung erkennen. "-er", "-ich", "-el", "-ismus", "-ling" sind zum Beispiel maskulin. Die Endungen "-heit", "-keit", "-schaft", "-ung", "-ei", "-ie", "-e", "-tät", "-ur", "-ion", um nur die Wichtigsten zu nennen, sind feminin.

Sprecherin 2:

Die Hoffnung, die Übung, die Notwendigkeit. Aber das Engagement.

Sprecherin 1:

Hauptwörter mit den Endungen "-um", "-ment", "-chen", "-ium" und "-lein" sind sächlich, neutrum.

Sprecherin 2:

Ausnahmen sind möglich! Ja, es heißt der Käse, obwohl er eine weibliche Endung hat. Der Gedanke, der Name, der Irrtum.

Sprecherin 1:

Der Reichtum. Auch eine Ausnahme von der Regel. Genau wie die Regel, die ja eine typisch maskuline Endung trägt. Böse Zungen könnten behaupten, wir Deutschen hätten uns das Genus der Nomen nur ausgedacht, um Ausländer beim Erlernen unserer Sprache zu ärgern. Vielleicht ist es ein kleiner Trost: Auch Deutsche sind manchmal ratlos, wenn es um die Wahl des richtigen Genus geht.

Sprecher:

Biere sind immer sächlich. Das Kölsch! Das König! Das weiß ich!

Sprecherin 1:

Genauso wie Medikamente, das Aspirin zum Beispiel, oder auch Waschmittel, das Persil. Autos dagegen sind immer maskulin, der Mercedes, während Zigaretten immer weiblich sind, die Lord, auch wenn der Adlige natürlich der Lord bleibt.

Sprecherin 2:

Es gibt doch auch noch Nomen, die je nach Artikel ihre Bedeutung wechseln. Die Weise, die Melodie, und der Weise, der kluge, alte Mann. Oder der Bauer, der Landwirt, und das Bauer, der Vogelkäfig.

Musik:

Peter Maffay, "Über sieben Brücken musst Du gehen"

"Über sieben Brücken musst du gehen …"

Sprecher:

Alles klar? Echt lange kann aber auch das Nachdenken über die richtige Präposition dauern. Die korrekte Verwendung von um und über bereitet zum Beispiel mitunter Kopfzerbrechen.

Sprecherin 1:

Heißt es nun: "Es entstand ein heftiger Streit um die Wurst" oder "über die Wurst"? Das ist hier die Frage. Wenn wir Anspruch auf einen Besitz erheben, gebrauchen wir die Präposition um, wenn wir geteilter Meinung sind, streiten wir über etwas.

Sprecher:

Also schon wieder lernen. Damit dieser Wirrwarr um die richtigen Präpositionen nicht endlose Diskussionen über ihren Einsatz auslöst.

Stalin Ruiz:

"Es ist so viel, so viele Dinge. Am Anfang hatte ich Probleme mit trennbaren Verben. Ist andere Logik. Ich spreche Spanisch, und das ist total unlogisch für mich. Und wenn ich das übersetzen muss, ist es nicht möglich."

Sprecherin 1:

Verben drücken Handlungen aus, zum Beispiel "reparieren", "anrufen", "singen". Aber auch schlichtes Geschehen, wie "wachsen" oder "fließen", das keine Handlung benötigt. Ebenso Zustände wie "sein", "bleiben" oder "liegen". Im Satz bildet das Verb entweder allein oder mit anderen Wörtern das Prädikat. Verben sind äußerst flexibel. Sie beugen sich der Zeit, dem Aktiv oder Passiv, aber auch Personen und der Ein- oder Mehrzahl. Und dann wäre da noch das so genannte Modus: Indikativ, Konjunktiv und die Befehlsform, der Imperativ. Das Beugen der Verben nennt man Konjugation.

Sprecher:

Und damit es so richtig schön schwierig bleibt, haben wir drei Gruppen: schwache, starke und gemischte Verben. Oder einfacher ausgedrückt, regelmäßige und unregelmäßige. Aber auch dafür gibt es ja wieder Listen: kaufen, kaufte, gekauft. Ein regelmäßiges Verb. Aber Vorsicht: laufen, lief, gelaufen. Was aber wirklich gemein ist: Manche Verben sind trennbar, das heißt, ihre Vorsilbe wandert beim konjugierten Verb ans Ende des Satzes. So sagen wir eben nicht: "Ich anrufe meinen Bruder morgen", sondern wir sagen: "Ich rufe meinen Bruder morgen an".

Sprecherin 1:

"Anrufen", "aufstehen", "mitfahren" sind trennbare Verben. Aber "übersetzen", "versprechen", "erzählen" gehören zu den untrennbaren, das heißt, sie behalten ihre Vorsilbe, auch wenn sie konjugiert werden.

Sprecherin 2:

Ja, ich erzähle dir jetzt mal was. Die trennbaren Verben erkennst du daran, dass sie auf der ersten Silbe betont werden: "Aufpassen" – "Ich passe auf". Die untrennbaren haben immer die zweite Silbe betont: "Überlegen" – "Ich überlege".

Sidy Kouaté:

"Und dann kommt zum Beispiel diese Höflichkeitsform: "Könnten Sie mir vielleicht das Haus zeigen?" Das ist, oh, so spricht kein Mensch! "Könnten Sie mir bitte mal das Haus zeigen." Aber dieses: "Könnten Sie bitte oder könnten Sie mir vielleicht das Haus zeigen?" Da verdrehen die Leute die Augen, erst mal. "Oh, was ist das denn?" Die Leute sind das nicht mehr gewöhnt."

Sprecherin 2:

Man lerne in der Schule die Grammatik, meint Sidy Kouaté und es werde jeden Tag komplizierter. Sprachwissenschaftler haben herausgefunden: Das Lernziel Deutsch kann man schneller erreichen, wenn man Kontakt mit Deutschen pflegt. Er fördert das Niveau der Satzbildung. Förderlich ist allerdings auch eine hohe Qualifikation im Heimatland. Will sagen, wer das Lernen schon Zuhause gelernt hat, tut sich auch mit dem Deutschlernen leichter als jemand, der nicht lange die Schule besucht hat. Sidy Kouaté empfiehlt tägliche Übung, um am Ball zu bleiben. Zeitung lesen, Radio hören, fernsehen.

Fragen zum Text:

Wörter mit der Endung "-schaft" sind in der Regel …

1. maskulin.

2. feminin.

3. neutrum.

Von einem Leerstellen-Es wird gesprochen, wenn in einem Satz das Wort "es"

1. weggelassen werden kann.

2. keine Bedeutung trägt.

3. beliebig verschoben werden kann.

Woran kann man ein trennbares Verb erkennen?

1. Die Betonung liegt auf der ersten Silbe

2. Die Betonung liegt auf der zweiten Silbe

3. Die Betonung liegt sowohl auf der ersten als auch auf der zweiten Silbe.

Arbeitsauftrag

Jeder in der Gruppe überlegt sich ein grammatisches Problem, das ihm/ihr beim Deutschlernen besonders schwierig erscheint. Formulieren Sie hierzu schriftlich eine Aufgabe. Sammeln Sie anschließend alle Aufgaben ein und verteilen Sie diese in der Gruppe neu. Versuchen Sie nun die Aufgabe.

Autorin: Gisela Schinawa

Redaktion: Beatrice Warken

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