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Deutschland

Stoiber kennt den Weg zur Macht

Die CSU hat Edmund Stoiber als Kanzlerkandidaten der Union vorgeschlagen. Innerparteilich könnte er sich durchsetzen, doch ist sein Erfolg gegen Gerhard Schröder nicht sicher. Ein DW-Kommentar von Petra Kohnen.

Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber weiß seine Worte zu wählen. Er ist bereit, "mehr Verantwortung für die Bundesrepublik Deutschland zu übernehmen". Im Klartext bedeutet dies, der Bayer will nicht nur Kandidat, sondern am liebsten Kanzler werden. Das wurde bei der 26. Klausurtagung der CSU-Landesgruppe vom 7. bis. 9. Januar in Wildbad Kreuth mehr als deutlich. Der CSU-Chef will den Wählern zeigen, dass es sich wieder lohnt, die Schwesterparteien CDU und CSU zu wählen. Aus diesem Grund brennt er geradezu darauf, an der Spitze der Union als Kanzlerkandidat gegen Bundeskanzler Gerhard Schröder anzutreten.

Ist der Bayer der richtige Kandidat? Ja, sagt die CSU-Landesgruppe laut und vernehmlich. Sie ist davon überzeugt, dass Stoiber die einzige Option für einen Machtwechsel ist. Die Christsozialen haben den 60jährigen nicht umsonst beim Nürnberger CSU-Parteitag mit großer Mehrheit wiedergewählt und hier in Kreuth um die Zustimmung der Christdemokraten zur Kandidatur Stoibers geworben. Sie setzen auf ihren Ministerpräsidenten, denn der hat "das Zeug", wie sie sagen, "dem Schröder Paroli zu bieten". Das kann er wirklich, der 60jährige Landeschef. Die Wintertagung im verschneiten oberbayerischen Dörfchen Kreuth steht dafür.

Stoiber als Kanzler aller Deutschen

Bei der Vorstellung des ersten Konzepts für ein Wahlprogramm zeigte Stoiber, dass er mehr will als die weiß-blaue Glückseligkeit im eigenen Land. Er trat bereits wie der Kanzlerkandidat der Union auf, der die Deutschen in Nord, West und Ost von einem besseren Kurs für das Land überzeugen will. Und dabei setzt er vor allem auf die "harten Wahlkampfschwerpunkte": Innere Sicherheit, Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik. Bayern, das Land "von Laptop und Lederhose" ist sein Wertepotential, auf das er dabei verweisen kann.

Seit die Union auf den Oppositionsbänken sitzt, war es immer wieder Stoiber, der klar und deutlich Richtungsentscheidungen forderte. Wähler und Wählerinnen scheinen ihm jetzt seine Hartnäckigkeit zu belohnen. In den jüngsten Umfragen ist die Union in der Wählergunst gestiegen. Und Stoiber wird weit vor CDU-Chefin Angela Merkel als Favorit für die Kanzlerkandidatur gehandelt.

Die Umfragen zur K-Frage hat Stoiber mit keiner Silbe erwähnt. Denn er ist doch nicht "deppert", wie die Bayern sagen, und verpatzt sich in letzter Minute die Kandidatenkür. Denn die Fronten zwischen Merkel und Stoiber haben sich zumindest offiziell noch nicht geklärt. Die Aufsteigerin aus Mecklemburg-Vorpommern ist zäh und hat einen unbändigen Willen zur Macht entwickelt. Merkel verkörpert eine neue Form der Politik. Sie träte als erste Frau an, sie ist evangelisch, ostdeutsch und jünger als Gerhard Schröder. Könnte sie dem Kanzler gefährlicher werden? All' diese Überlegungen sind in das Kalkül des Erfahrenen aus Bayern eingeflossen.

Kein leichter Entschluß

An die Spitze der Union, so die Parole im Oberbayerischen Wildbad Kreuth, soll Stoiber, nicht Merkel. Denn er hat in den Augen seiner Anhänger die beste Chance zu siegen - und zwar bundesweit. Bislang war es immer so, dass nur in der Mitte der Wahlkampf entschieden wurde und diese Mitte ist besetzt, die hat Bundeskanzler Gerhard Schröder für sich eingenommen. Während der Kurs von Angela Merkel als "liberale Mitte" beschrieben wird, schielt Edmund Stoiber eher nach "rechts". Er soll verhindern, dass sich in Deutschland rechte Parteien dauerhaft etablieren können.

Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber hat viele Talente. Spontaneität gehört sicherlich nicht dazu. Aus diesem Grund hat er sich sein Vorgehen auch reiflich überlegt. Bei seinen Anhängern und Parteifreunden will er nicht als "Drückeberger" gelten, deshalb steht er für die Kandidatur als Kanzler bereit. Er glaubt ohnehin die stärkere Führungskraft und die besseren Sachargumente zu haben. Doch Blamieren mit einer Wahlniederlage bei der Bundestagswahl im September will er sich natürlich auch nicht. Seine Parteifreunde haben ihm diese Angst in Wildbad Kreuth genommen. Wenn man sein "Bestes" gibt, wurde ihm versichert, dann kann man auch nicht beschädigt werden.

  • Datum 08.01.2002
  • Autorin/Autor Petra Kohnen
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  • Permalink http://p.dw.com/p/1gRb
  • Datum 08.01.2002
  • Autorin/Autor Petra Kohnen
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