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Musik

Stockhausens "Sonntag" uraufgeführt

Stockhausens Oper "Sonntag" feierte am 9. und 10. April in Köln Premiere. Sie ist die letzte der sieben Werke aus dem 29stündigen Zyklus "Licht". Ein Kraftakt für Musiker und Tänzer, eine Herausforderung für Hörer.

Aus der Uraufführung von Sonntag aus Licht: Alain Zambrana Borges, Elisa Marschall (Tänzer) Fotos: Klaus Lefebvre

Ein Tanz-, Musik- Regie- und Multimediaspektakel zu überirdischen Klängen: "Sonntag" aus "Licht" wurde ganz im Sinne seines Erfinders Karlheinz Stockhausen über drei Jahre nach seinem Tod erlebbar gemacht.

Stockhausen, einer der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts, war sowohl Reiz- als auch Kultfigur. Auf dem Cover des Beatles-Albums "Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band" abgebildet, hat der Pionier der elektronischen Musik großen Einfluss nicht nur auf die "ernste" Musik, auch wenn die Werke des 1928 in Mödrath bei Köln geborenen Musikers nie Massenpopularität erreicht haben.

An seinem Zyklus "Licht" arbeitete Stockhausen über ein Vierteljahrhundert lang. Herausgekommen sind 29 Stunden Musik auf sieben "Tage" verteilt. Jeder "Tag" steht für ein Thema des menschlichen Daseins. "Montag" ist der Tag der Geburt, des Anfangs vom Leben. "Mittwoch", mit dem berühmten "Helikopter-Quartett" (in dem die vier Musiker tatsächlich hoch in der Luft spielen), beschrieb Stockhausen als einen "Tag der Zusammenarbeit". "Sonntag" ist der Tag der universalen Gottesanbetung, des Lichtes und der Freude. Bislang wurden nur einzelne Teile des Zyklus, etwa in Mailand und Leipzig präsentiert.

Eindrücke aus der Probenphase. Fotos: Klaus Lefebvre // Abbildung nur mit Urhebernachweis! //OPER KÖLN // Sonntag aus Licht // Premiere: 09. und 10.04.2011

Eindrücke aus der Probenphase

Keine Oper für ein Operntheater

Eigens für die Kölner Aufführung von "Sonntag" aus "Licht" wurden zwei provisorische Hallen eingerichtet. Sie befinden sich im "Staatenhaus", einem denkmalgeschützten Art-Deko-Ausstellungspavillon auf dem Kölner Messegelände.

Die fünf Stunden Musik wurden auf zwei Abende verteilt, an denen jeweils 600 Zuhörern ein Eindruck von Stockhausens "Raummusik" vermittelt wurde. Aufnahmen seiner Musik verglich der Komponist abschätzig mit "Postkarten des Kölner Doms". "Diese Aufführung ist eine einzigartige Gelegenheit, diese Musik so zu erfahren, wie Stockhausen es sich gedacht hat," sagte Marco Blaauw, der Trompeter des Ensembles musikFabrik. "Das Publikum befindet sich zwischen den Musikern, und man hört, wie Musik um einen herumkreist".

Ein Kraftakt für Solisten, Orchester und Hörer

"Ich habe vor Kurzem einen Brief gefunden, wo Stockhausen schrieb: 'Licht' muss in Köln aufgeführt werden!" erklärte Kathinka Pasveer, eine holländische Flötistin und Stockhausens Weggefährtin. Pasveer leitete das Spektakel vom Mischpult aus. Früher hatte der im Dezember 2007 verstorbene Komponist stets selbst die Klangregie seiner Aufführungen übernommen. "In den Jahren an seiner Seite habe ich jedoch auch einiges gelernt", sagte Pasveer.

Marco Blaauw (musikFabrik), Hubert Mayer Fotos: Klaus Lefebvre //

Marco Blaauw, Trompeter des Ensembles musikFabrik, Hubert Mayer

Auf sie kam ein überaus komplexer Aufführungs-Ablauf zu. In seinem Gesamtkunstwerk hat Stockhausen Gestik, Farben der Kostüme, sogar Düfte "komponiert". In der vierten Szene etwa, "Zeichen-Düfte" genannt, wurden sieben verschiedene Weihrauchssorten in der Halle versprüht.

Die Schluss- und Schlüsselszene des Werks ist die fünfte mit dem Namen "Hochzeiten". Sie wird in zwei Sälen gleichzeitig aufgeführt: "Hochzeiten für Orchester" in Saal B und "Hochzeiten für Chor" im Saal A. Das Publikum wird in zwei Gruppen aufgeteilt. Die erste sitzt in der Orchesterhalle, wo fünf Instrumentalensembles und fünf Dirigenten die überaus sinnliche Musik darbieten. In der Chorhalle dagegen umkreisen fünf Tänzergruppen das stehende Publikum und tanzen symbolische Hochzeitsrituale zum feierlichen Chorgesang nach. Videoprojektionen blenden mal eine Szene von einem arabischen Markt ein, mal den Kölner Dom. Dabei wird der Klang vom jeweils anderen Saal übertragen. Nach dem letzten Ton und einer kleinen Pause tauschen die Zuhörer die Positionen: Die "A"-Gruppe geht in die Halle "B" und umgekehrt. Anschließend wird die Szene wiederholt.


Eine universale Gottesanbetung

Die fünf Szenen des Spektakels "Sonntag" können als ein einziger Lobpreis Gottes beschrieben werden, in dem es gilt, alle Weltreligionen zu vereinen: Mal erklingt gregorianischer Choral, mal wird aus dem Koran gesungen. Insgesamt ist "Licht" jedoch mehr als nur Musik. "Stockhausen träumt in seiner Musik von einer besseren Menschheit, einer musikalischeren Menschheit", erklärte Kathinka Pasveer.

7 Stockhausen

Der Choreograf Carlus Padrissa inszenierte das Spektakel

Stockhausens futuristische Visionen bebilderte der Regisseur und Choreograf Carlus Padrissa mit seinen Tänzern aus der katalonischen Truppe La Fura Dels Baus. Ob seine Straßentheater-Ästhetik allerdings ideal mit Stockhausen harmoniert, da gingen die Meinungen auseinander. Vielmehr ist es "die Musik, die hier Regie führt, und das ist gut so", sagte Padrissa.

Die von Stockhausen-Fans stürmisch gefeierte Premiere war für viele ein tiefes, sogar intimes Erlebnis. "Jeder, der reingeht, zieht das raus, was er selber rausziehen will," meinte Marco Blaauw. Clichés über Stockhausens Musik, dass sie kopflastig und sperrig sei oder etwa religiös oder spirituell geprägt, teilt er nicht: "Was mich als Musiker emotional bewegt, ist dass jeder einzelne Moment, jede einzelne Sekunde absolut stark und schön ist."

Karlheinz Stockhausen in einem Foto aus dem Jahr 1970 bei einer Kon- zertprobe zu Mixtur im Studio fuer elektronische Musik beim WDR in Koeln, September 1970. - Foto.

Karlheinz Stockhausen in einem Foto aus dem Jahr 1970

Autorin: Anastassia Boutsko

Redaktion: Matthias Klaus

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