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Bildung

Stipendien spenden

Stipendiaten der Begabtenförderwerke in Deutschland bekommen seit April mehr Geld: Statt 80 Euro erhalten sie nun 150 Euro im Monat. Einige Stipendiaten finden die Erhöhung falsch. Ein Aufstand der Anständigen?

Mitglieder der Initiative Stipendienspenden bei einer Aktion in Berlin (Foto: Ines Burckhardt)

"Stipendienspenden"-Aktion vor dem Bundestag in Berlin

Ines Burckhardt gehört zu den Auserwählten: Die 25-Jährige ist Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes. Derzeit studiert sie in Washington D.C. Wirtschaft und Südasiatische Studien. Ihren Auslandsaufenthalt finanziert sie über ein zusätzliches Stipendium. Damit profitiert die junge Frau von der Begabtenförderung in Deutschland.

Besonders leistungsstarke Studierende können sich in Deutschland bei den großen Förderwerken um ein Begabten-Stipendium bemühen. Neben einer monatlichen Unterstützung, deren Höhe abhängig ist vom Einkommen der Eltern, erhalten alle Stipendiaten zusätzlich ein monatliches Büchergeld. Das wurde im April um 70 Euro erhöht - auf jetzt 150 Euro. Davon profitiert natürlich auch Ines Burckhardt.

Alles gut, könnte man meinen. Doch die junge Frau ist eine der größten Kritikerinnen des Systems. Sie findet die jüngste Büchergelderhöhung um 70 Euro falsch. "Ich finde, das Geld sollte besser an bedürftige Studenten verteilt werden." Deshalb hat Ines Burckhardt zusammen mit anderen Stipendiaten die Initiative "Stipendienspenden" gegründet. Hauptkritikpunkt von "Stipendienspenden": Die Erhöhung sei quasi mit der Gießkanne gemacht worden – unabhängig vom Einkommen.

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Ein Schüler mit Migrantionshintergrund schreibt im Fach 'Deutsch als Zweitsprache' Begriffe an die Tafel (Foto: dpa)

Mit den Spenden werden Bildungsprojekte unterstützt

Seit April ruft Ines Burckhardt die Stipendiaten aller etablierten Begabtenförderwerke nun auf, die zusätzlichen 70 Euro in Bildungsprojekte zu investieren. Und zwar in Projekte, die da ansetzen, wo die Förderung der Stiftungen, nach Meinung der "Stipendienspenden"-Initiatoren, aufhört: bei Kindern aus nicht-akademischen Elternhäusern.

Eines dieser Projekte ist "Plan MSA" von vier Berliner Sozialwissenschaftlerinnen. Sie helfen Schülern aus einkommensschwachen Familien, die sich auf die Prüfungen zum Mittleren Schulabschluss (MSA) in Berlin vorbereiten. Denn seit 2006 gilt in Berlin die Regel: Wer einen Realschulabschluss erhalten will, muss die MSA-Prüfungen bestehen. Erst dann ist er auch berechtigt, ein Gymnasium zu besuchen. Oft schaffen gerade Schüler aus armen Familien die Prüfungen nicht, weil diese sich keine Nachhilfe für ihre Kinder leisten können.

Stipendiaten kommen aus privilegierten Verhältnissen

In ihrer Kritik am Fördersystem berufen sich die Organisatoren von "Stipendienspenden" auf eine Studie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Die Studie hatte gezeigt, wer in Deutschland ein Stipendium bekommt: Bei mehr als 70 Prozent der Geförderten haben Vater oder Mutter Abitur gemacht. In der Regel hat auch mindestens ein Elternteil ein Studium abgeschlossen. Das heißt also, dass die meisten Stipendiaten Kinder von Akademikern sind. Aber ist damit auch erwiesen, dass sie das zusätzliche Büchergeld nicht brauchen?

Letzte Büchergelderhöhung: 1980

Gerhard Teufel, Generalsekretär der Studienstiftung des Deutschen Volkes (Foto: DW / Heike Mohr)

Gerhard Teufel

Gerhard Teufel, Generalsekretär der Studienstiftung des deutschen Volkes, sagt, dass die Büchergelderhöhung dringend notwendig gewesen sei: "Es gibt viele Stipendiaten, die zwar nominell reiche Eltern haben, aber letztlich das Geld nicht von ihren Eltern bekommen." Teufel traf die "Stipendienspenden"-Initiative im April überraschend: Schließlich liege die letzte Büchergelderhöhung mehr als 30 Jahre zurück. Er hatte sich als Generalsekretär 15 Jahre lang dafür eingesetzt, das Büchergeld zu erhöhen.

"Niemand gibt 150 Euro im Monat für Bücher aus"

Doch selbst unter denen, die auf das zusätzliche Geld der Studienstiftung angewiesen sind, regt sich Kritik. Zu ihnen gehört Benjamin Paaßen. Der 21-Jährige studiert in Bielefeld. Obwohl Benjamin Paaßen keiner der Stipendiaten aus einem Akademiker-Elternhaus ist, fühlt er sich verpflichtet, zu spenden. Er ist der Meinung, 150 Euro gebe niemand für Bücher im Monat aus. "Ich brauche das zusätzliche Geld nicht und finde, wenn ich ein Stipendium bekomme, dann bin ich so privilegiert, dass ich ruhig etwas abgeben kann."

Benjamin Paaßen, Stipendiatensprecher für Bielefeld der Studienstiftung des Deutschen Volkes (Foto: privat)

Benjamin Paaßen

Offizielle Zahlen darüber, wie viele Spenden durch die Initiative "Stipendienspenden" schon zusammen gekommen sind, haben die Initiatoren noch nicht. Benjamin Paaßen hat in sechs Monaten 420 Euro gespendet. Natürlich hofft er, dass viele seiner Mitstipendiaten auch regelmäßig spenden. Noch wichtiger ist für ihn aber die Diskussion zwischen Stipendiaten und den Vorständen der einzelnen Stiftungen: "Ich bin Teil der Studienstiftung. Ich mache die Studienstiftung mit aus. Und deshalb habe ich auch völlig das Recht, die Studienstiftung mitzugestalten."


Autorin: Heike Mohr
Redaktion: Svenja Üing

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