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Politik

Stimmzettel in Haiti werden neu gezählt

Wegen der anhaltenden Proteste in Haiti werden die Stimmzettel der Präsidentenwahl neu ausgezählt. Neben ausländischen Beobachtern sollen dabei auch die drei führenden Kandidaten anwesend sein.

Kinder spielen vor einem Wahllokal in Haiti, einen Tag nach der Wahl, am Boden nicht benutzte Stimmzettel (Foto: AP)

Die Neuauszählung wurde allseits begrüßt

Nach den Krawallen der vergangenen Tage wegen des Ergebnisses der Präsidentenwahl werden die Stimmzettel neu ausgezählt. Die Wahlkommission teilte am Donnerstag (09.12.2010) in Port-au-Prince mit, die Stimmzettel der drei bestplatzierten Kandidaten würden "umgehend und schnell" neu ausgewertet werden. Neben ausländischen Beobachtern sollen die drei betroffenen Politiker - Mirlande Manigat, Jude Celestin und Michel Martelly - dabei anwesend sein. Die drei begrüßten die Entscheidung. Damit würden Zweifel an dem Ergebnis ausgeräumt, hieß es.

Niedrige Wahlbeteiligung

Michel Martelly mit Mikrofon in der Hand (Foto: AP)

Neue Chance für die Stichwahl: der populäre Kandidat Martelly

Laut dem zuvor bekanntgegebenen Ergebnis der Wahlkommission sollen Maningat, die ehemalige First Lady, und der zweitplatzierte Celestin bei einer Stichwahl im Januar gegeneinander antreten. Der populäre Musiker Martelly war an dritter Stelle aus dem Rennen um das höchste Amt in Haiti ausgeschieden. Daran entzündete sich der Zorn seiner Anhänger. Sie werfen der Wahlkommission und dem amtierenden Präsidenten Rene Preval vor, das Ergebnis zugunsten Celestins gefälscht zu haben.

Nach dem bisherigen Ergebnis trennen Martelly nur mehrere tausend Stimmen vom zweitplatzierten Celestin. Außerdem fiel die Wahlbeteiligung ungewöhnlich niedrig aus. Von den rund 4,7 Millionen registrierten Wählern gab nur eine Million gültige Stimmen ab. Es ist nicht bekannt, wie viele abgegebene Stimmen wegen Betrugsverdachts nicht gezählt wurden.

Unruhen in Port-au-Prince

Ein Polizist spricht mit Megaphon zu Demonstranten (Foto: AP)

Nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses kam es zu schweren Ausschreitungen in Haiti

Aufgrund der Ergebnisse kam es in Haiti seit Dienstag immer wieder zu schweren Ausschreitungen. Tausende Anhänger Martellys randalierten in der Hauptstadt und setzten Barrikaden in Brand.

Am Donnerstag wurden bei Schießereien zwischen Anhängern und Gegnern Prevals in der Nähe des Präsidentenpalastes mehrere Menschen verletzt. Senatspräsident Joseph Lambert warnte angesichts der zunehmenden Gewalt vor einem Bürgerkrieg.

Internationale Gemeinschaft besorgt

Zelte für Obdachlose in der Nähe von Port-au-Prince (Foto: dpa)

1,3 Millionen Menschen in Haiti leben seit dem Beben in Notunterkünften

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon äußerte sich am Mittwoch besorgt über die Lage in Haiti. Er forderte eine Überprüfung des Wahlergebnisses. Die USA erklärten, dem haitianischen Volk zu seinem Recht verhelfen zu wollen.

Wer die Präsidentschaftswahl gewinnt, hat jedenfalls eine schwere Aufgabe vor sich: Haiti gehört zu den ärmsten Ländern der Erde. Die Folgen des schweren Erdbebens vom Januar sind längst noch nicht überwunden. Etwa 1.3 Millionen Menschen sind obdachslos und leben seit der Katastrophe in Zelten. Zudem breitet sich in dem Land eine Cholera-Epidemie immer weiter aus. Bisher sind dadurch mehr als 2100 Menschen ums Leben gekommen.

Autorin: Anggatira Gollmer (dpa, dapd,rtr)
Redaktion: Eleonore Uhlich / Ursula Kissel

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