1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Asien

Stimmen zu den Rote-Khmer-Prozessen

Ein Sondergericht soll die Verbrechen der Roten Khmer aufarbeiten. In Phnom Penh hat nun der erste Prozess begonnen. Die Pressestimmen.

default

Dreißig Jahre nach dem Völkermord sitzen fünf Vertreter des steinzeitkommunistischen Regimes auf der Anklagebank. Auch die Kommentatoren der deutschsprachigen Tageszeitungen beschäftigen sich mit dem Thema. „Kein Schlussstrich“ titelt beispielsweise die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Und weiter heißt es:

„Es ist wie so oft: Wenn die Untaten nur lange genug zurück liegen, erlahmt das Interesse an Aufarbeitung. Dieses Phänomen kann man seit Jahren in Kambodscha beobachten. (…) Der Anführer der Roten Khmer, Pol Pot, ist schon vor Jahren friedlich im eigenen Bett gestorben. Wenn man sich nur genügend Zeit lässt, wird auch andere aus dem Führungszirkel dieses vergleichsweise gnädige Schicksal ereilen, ohne dass sie sich jemals vor irdischen Richtern wiederfinden werden.“

Die FAZ meint aber dennoch, dass die Einführung des Tribunals ein großer Schritt für Kambodscha und auch für die Zukunft des Landes sei:

„Vor allem ist dieses Tribunal wichtig für die Opfer, wozu auch die Hinterbliebenen zu zählen sind. Wenn einige von ihnen vor Gericht gehört werden, wenn sie sehen, dass die ungeheuren Verbrechen gesühnt werden, ist das ein Beitrag zum inneren Frieden in Kambodscha.“

Für die Berliner Zeitung zählt die Herrschaft der Roten Khmer zu den „großen Verbrechen des 20. Jahrhunderts“. Zur späten Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels meint das Blatt:

„Man mag bedauern, dass es 30 Jahre gedauert hat, bis es nun so weit ist. Den Kambodschanern selbst ist es kaum vorzuwerfen. Den Massenmord an einem Viertel der Gesamtbevölkerung überlebten landesweit gerade zehn Juristen. Zehntausende Kambodschaner waren an den Verbrechen direkt beteiligt. Die Gesellschaft war zerstört, das Land von fremden Truppen besetzt.“

Die Berliner Zeitung kommt zu dem Schluss:

„Der Prozess in Phnom Penh, bei dem erstmals auch Opfer als Nebenkläger auftreten dürfen, befördert die Enttabuisierung der jüngsten Geschichte und damit die Selbstverständigung einer traumatisierten Gesellschaft.“

Für die Neue Zürcher Zeitung schließlich gibt es klare Gründe dafür, warum das Tribunal erst zu einem solch späten Zeitpunkt seine Arbeit aufnehmen konnte:

„Dass es drei Jahrzehnte gedauert hat, bis das kleine Land einen Schlussstrich unter das dunkelste Kapitel seiner Geschichte ziehen kann, hängt mit den geopolitischen Verhältnissen zusammen, die Indochina bis zum Ende des Kalten Krieges Ende der achtziger Jahre prägten. Wie kaum ein anderes Land in Asien war Kambodscha am Rande des Vietnamkrieges auch ein Spielball der Großmächte, vor allem der USA und Chinas.“