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Politik

Stil-Fragen von großem Gewicht

Kaum 100 Tage noch bis zur Präsidentschaftswahl in den USA: Der nächste Präsident wird wohl entweder George W. Bush oder John F. Kerry heißen. Der Historiker Knud Krakau erläutert die Unterschiede zwischen ihnen.

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Demokratischer Kongress in Boston

Wahlkampf: John Kerry im Fenway Park Stadion vor einem Spiel der Boston Red Sox gegen die New York Yankees (25.07.2004)

DW-WORLD: John Kerry ist nun offiziell Präsidentschaftskandidat der Demokraten in den USA. In Europa und anderswo auf der Welt fragt man sich wohl vor allem: Für welche Außenpolitik steht Kerry?

Professor Knud Krakau: Eine radikale Wende in der Außenpolitik der USA dürfen wir ganz bestimmt nicht erwarten. Wir müssen sehen, dass die Probleme mit dem, was George Bush "Schurkenstaaten" nennt - also Irak, Iran, Nordkorea und das Problem der Nicht-Verbreitung und so weiter - diese Probleme bleiben. Die möglichen Antworten oder die Spielräume für mögliche Antworten darauf sind für Kerry nicht viel größer oder anders als für Bush. Der Stil der amerikanischen Außenpolitik wird sich dennoch nicht unwesentlich ändern unter einem Präsidenten Kerry. Er wird sehr starkes Gewicht auf Zusammenarbeit, Konsultation und Kooperation mit Alliierten, auch mit den Vereinten Nationen, legen. Diese Änderungen in Stil und Umgangsformen haben ungeheuer großes Gewicht für die inhaltliche Gestaltung des Verhältnisses der USA zu anderen Staaten, insbesondere zu seinen alten Freunden und Verbündeten, zu denen eben weiß Gott auch Frankreich und Deutschland gehören.

Hat man hinsichtlich der amerikanischen Irak-Politik dann also keine Wahl? Kann man nicht für einen Abzug aus dem Irak stimmen als US-Amerikaner?

Eine klare Alternative in dem Sinne von "wir gehen raus" oder "we want our boys home", denke ich, ist für den amerikanischen Wähler nicht gegeben. Vieler Wähler hätten diese Entscheidung vermutlich vorher getroffen, wenn sie vorher gefragt worden wären. Aber nachdem dieses Desaster eingetreten ist, wird auch Kerry keine schnelle Entscheidung treffen für einen Rückzug aus dem Irak.

Welchen außenpolitischen Kurs erwarten Sie, wenn Bush Präsident bleibt?

Oh Gott! Charakteristischerweise wird darüber im Augenblick eher weniger nachgedacht, weil alle Leute auf die Alternative setzen. Er wird versuchen, seine Verluste zu begrenzen. Er wird auch noch weniger als ein Präsident Kerry bereit sein, sich aus dem Irak zurückzuziehen. Aber er steckt in diesem Dilemma: Das Eingeständnis des Scheiterns, das in einem beschleunigten Rückzug liegen würde, das würde der Administration außerordentlich schwer fallen. Andererseits steht sie unter ungeheurem Druck, weil die Zustimmungsbereitschaft zu dieser Politik doch deutlich sinkt in den USA und die Opposition und Kritik daran sich verstärken. Also wird er den Kurs verstärken, den er in letzter Zeit eingeschlagen hat, nämlich so viel Verantwortung wie möglich den Irakern zu übertragen. Bloß wozu es führt, das sieht man an den grauenhaften Nachrichten über die letzten Attentate und die drohende Bürgerkriegssituation, die sich dort zu entwickeln scheint.

Die Beziehungen zwischen dem US-Präsidenten und dem deutschen Regierungs-Chef sind nach wie vor wenig herzlich. Wie sehen Sie die weitere Entwicklung der deutsch-amerikanischen Beziehungen?

Es bestätigt sich, dass es auf die Herzlichkeit oder mangelnde Herzlichkeit der persönlichen Beziehungen zwischen den verantwortlichen Politikern erst in zweiter Linie ankommt. Wenn sie gut sind, hilft das natürlich. Aber wichtiger als diese persönliche Chemie sind die langfristigen Vernetzungen und Strukturen innerhalb von deren Rahmen beide Nationen, Gesellschaften oder politischen Systeme aufeinander angewiesen sind. Und diese Vernetzungen im wirtschaftlichen Bereich, im kulturellen Bereiche, im akademisch-wissenschaftlichen Bereich, im Sicherheitsbereich, diese Interdependenzen in diesen unterschiedlichen Lebensbereichen und Dimensionen, die sind sehr viel tiefer als die persönlichen Beziehungen zwischen den Staatslenkern, wie man das früher zu nennen pflegte. Und wenn es einen Präsidenten Kerry geben würde, dann kann man die Hoffnung haben, dass sich diese Beziehungen sehr bald wieder "normalisieren" werden.

Ihr persönlicher Tipp: Wer wird das Rennen machen?

Ich wage keine Prognose. Die Aussichten sind gut, dass es ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen werden wird.

Dr. Knud Krakau ist Professor emeritus für nordamerikanische Geschichte am John-F.-Kennedy-Institut der Freien Universität Berlin.

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  • Datum 03.08.2004
  • Autorin/Autor Das Interview führte Martin Schrader.
  • Drucken Seite drucken
  • Permalink http://p.dw.com/p/5NIl
  • Datum 03.08.2004
  • Autorin/Autor Das Interview führte Martin Schrader.
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