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Deutschland

Stiftungsboom in Deutschland hält an

16.000 Stiftungen unterstützen jedes Jahr soziale, wissenschaftliche und publizistische Projekte in Deutschland. Auch bei Bürgerstiftungen herrscht Aufbruchstimmung - immer mehr Menschen engagieren sich.

Vorderansicht des historischen Waisenhauses der Frankeschen Stiftung in Halle nach der Restaurierung (Foto: Frankische Stiftung)

Historisches Waisenhaus der Frankeschen Stiftung in Halle

In Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg sind in Deutschland die meisten Stiftungen angesiedelt. Im Westen, in der alten Bundesrepublik, sind es insgesamt deutlich mehr als im Osten. Der Neugründungsboom, der durch eine Gesetzreform im Jahr 2001 ausgelöst wurde, hielt mit über 1000 neuen Stiftungen auch im vergangenen Jahr 2008 an. Mehr als 16.000 Stiftungen mit einem Stiftungsvermögen von rund 100 Milliarden Euro gibt es derzeit in Deutschland.

Wie wirkt die Wirtschaftskrise?

Symbolbild Leitzinsen (Grafik: AP)

Die weltweite Wirtschaftskrise geht auch an den Stiftungen nicht spurlos vorbei, aber die Auswirkungen sind nicht so verheerend wie anderswo. Zwar haben die Stiftungen ihr Vermögen nicht in Aktien, sondern in Immobilien oder Grundstücken und festverzinslichen Wertpapieren angelegt. Aber sinkende Zinsen, erklärt der Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, Hans Fleisch, zwingen Stiftungen dazu, dass "nicht zwei Projekte, sondern nur ein Projekt gefördert werden kann oder dass Projekte in geringerem Umfang bewilligt als bisher".

Der Bundesverband Deutscher Stiftungen schätzt, dass in den nächsten beiden Jahren rund 10 Prozent weniger ausgegeben werden kann als im Jahr 2008. Da waren es rund 15 Milliarden Euro, mit denen Stiftungen in Deutschland gemeinnützige Projekte unterstützt haben.

Stiftungsboom durch Privatpersonen

Logo des Bundesverbands Deutscher Stiftungen

Dachverband von 16.400 Stiftungen in Deutschland

Für 2009 erwartet Hans Fleisch, dass natürliche Personen auch weiterhin in großer Zahl Stiftungen gründen werden. "Das sind langjährig gewachsene Entscheidungen, was aus meinem Lebenswerk werden soll." Aber ein Teil der Stifter seien Unternehmer, und denen denen könnte die wirtschaftliche Krise einen Strich durch die Rechnung machen. Der Bundesverband Deutscher Stiftungen rechnet in den kommenden Monaten deshalb mit einer "gewissen Delle" bei neuen Stiftungen.

Bürgerstiftungen stark im Kommen

Seit einigen Jahren gibt es auch sogenannte "Bürgerstiftungen", die vornehmlich das soziale Engagement der Menschen in einem überschaubaren lokalen Raum fördern wollen. Ziel ist es, möglichst viele Bürger zur aktiven Unterstützung des Gemeinwohls zu animieren. Hans Fleisch sieht auch für diese Form der Stiftungen in Deutschland positive Vorzeichen: "Ich nehme an, dass das Wachstum in den nächsten Jahren auch so weitergehen wird. Das heißt einerseits wachsen die bestehenden Bürgerstiftungen in ihrem Kapital und in der Zahl der Mitstifter und außerdem kommen immer mehr neue Bürgerstiftungen hinzu."

Neue Schwerpunkte

Seit den 1950er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts haben sich die Zielsetzungen der deutschen Stiftungen verändert. Waren es zunächst soziale Aufgaben, denen sich 39 Prozent der Stiftungsaktivitäten widmeten, sind es heute nur noch 28 Prozent, die sich sozialen Aufgaben verpflichtet fühlen. Auch im Bereich Bildung und Erziehung ist eine rückläufige Tendenz festzustellen. Anders sieht es bei Kunst und Kultur aus. Dort werden heute rund 17 Prozent der Stiftungsgelder verwendet, während es vor 50 Jahren gerade mal 9 Prozent waren. Zuwachs haben auch Projekte im Umweltschutz zu verzeichnen - für sie werden 6 Prozent der Stiftungsgelder ausgegeben.

Top-Ten der Deutschen Stiftungen

Mit einem Vermögen von knapp 5,2 Millionen Euro steht die Robert-Bosch-Stiftung auf Platz eins derjenigen deutschen Stiftungen, die freiwillig Angaben über ihre Vermögenssituation machen. Bei der Robert-Bosch-Stiftung stehen Wissenschaft und Forschung im naturwissenschaftlichen Bereich und die Projekte, die der Völkerverständigung dienen, ganz oben in der Prioritätenliste.

Stiftungsgründer Dietmar Hopp (Foto: DPA)

SAP- und Stiftungsgründer Dietmar Hopp

Bei der Dietmar-Hopp-Stiftung, deren Vermögen von 3,9 Millionen Euro vor allem aus SAP-Aktien besteht, werden gemeinnützige Projekte aus den Bereichen Sport, Medizin, Bildung und Soziales unterstützt. Seit ihrer Gründung schüttete sie 200 Millionen Euro aus - vornehmlich im Rhein-Neckar-Raum, der Heimatregion des Stiftungsgründers.

Die Else-Kröner-Fresenius-Stiftung hat ein Vermögen von fast 2,5 Millionen Euro und landet damit auf dem dritten Platz der "größten deutschen Stiftungen". Laut Satzung dient diese Stiftung der Förderung der medizinischen Wissenschaft - mit einer wichtigen Voraussetzung: Gefördert werden nur Projekte, deren "Ergebnisse der Allgemeinheit zugänglich sind".

Auf den Plätzen 4 bis 10 rangieren nach Angaben des Bundesverbandes deutscher Stiftungen die Landesstiftung Baden-Württemberg (2,35 Millionen), die Volkswagen-Stiftung (2,34 Millioen), die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (1,79 Millionen), die Klaus Tschira Stiftung (1,29 Millionen), die Software AG-Stiftung (0,95 Millionen), die gemeinnützige Hertie-Stiftung (0,85 Millionen) und die Zeit-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius (0,81 Millionen).