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Deutschland

Stiftung Warentest: E10 und mehr im Visier

Wer Antworten auf "wichtige Fragen zum Biosprit E10" sucht - "Stiftung Warentest" gibt sie: Das Institut kontrolliert in Deutschland die Qualität von Waren und Dienstleistungen. Und das seit Jahrzehnten.

Die Stiftung Warentest stellte im Mai 1969 Klappfahrräder auf den Prüfstand. Simuliert wurden zügige Fahrten in der Ebene, steile Bergfahrten und weitere Belastungen über eine Strecke von 1000 Kilometern.(Foto:dpa)

Klappfahrrad im Dauertest der Stiftung Warentest im Mai 1969

Im September 1957 ließ der damalige Wirtschaftsminister Ludwig Erhard erstmals klären, was es kosten würde und welche rechtlichen Aspekte berücksichtigt werden müssten, wenn man ein "Warentestinstitut" ins Leben rufen würde. Aber dem ersten Schritt folgte lange Zeit kein zweiter.

Erst Anfang der 60er Jahre begannen sich die Abgeordneten des Deutschen Bundestags wieder mit dem Thema zu befassen. Nach einer Regierungserklärung Konrad Adenauers kam im Oktober 1962 endgültig Bewegung in die Debatte. Aber es dauerte noch bis zum 2. Dezember 1964, als der Bundestag den Antrag der Regierungskoalition zur Gründung der Stiftung Warentest einstimmig annahm.

Logos der verschiedenen Abteilungen der Stiftung Warentest

Ein Logo ist zum Markenzeichen von Verbraucherschutz in Deutschland geworden.

Diese Stiftung war privatwirtschaftlich organisiert, bekam aber staatliche Zuschüsse. Damit hatte die Regierung zwar keine Entscheidungsgewalt über die Untersuchungen und deren Ergebnisse, konnte aber auch nicht haftbar gemacht werden. Die SPD konnte sich mit dem Modell einer "Anstalt öffentlichen Rechts" nicht durchsetzen.

Verbraucherschutz

Heute agieren überall in Deutschland Verbraucherzentralen, die sowohl individuelle Beratung anbieten als auch Lobbyarbeit für die Rechte der Verbraucher betreiben. Für Hubertus Primus, den Chefredakteur der Zeitschrift "Stiftung Warentest" zählt vor allem, was "vom Verbraucher begehrt ist und was gut verkauft wird", sagt er im Interview mit DW-WORLD.DE. Diese Waren werden in erster Linie durchleuchtet und auf Alltagstauglichkeit, ein akzeptables Preis-Leistungsverhältnis oder Umweltverträglichkeit untersucht.

Das Ergebnis ist für die Hersteller von größter Bedeutung: Zeigen die Daumen nach oben, kann das zu einem großen Verlaufserfolg führen. Fällt das Urteil der Warentester aber negativ aus, kann das auch drastische Konsequenzen nach sich ziehen.

Babywalker

In einem Berliner Prüflabor der Stiftung Warentest führt eine Mitarbeiterin am eine elektrische Sicherheitsprüfung an Kaffeeautomaten durch. (Foto:dpa)

In einem Prüflabor werden Kaffeemaschinen auf ihre Sicherheitsstandards untersucht.

Als so genannte "Baby Walker" auf dem Markt auftauchten, nahmen sich die Warentester dieses neuen Produktes an. Sie fanden heraus, dass diese Art der Fortbewegung, bei der sich das Baby – halb sitzend, halb hängend – fortbewegt, ohne krabbeln zu können, schädlich ist. Hubertus Primus erinnert sich, dass dadurch die gesamte Produktgruppe "aus dem Markt herausgebracht wurde".

Ähnlich war es mit einem neuen Preissystem der Deutschen Bahn, das bei den Warentestern in Ungnade gefallen war. Anschließend musste die Neuerung erst gestoppt und dann zurückgezogen werden.

Zweck erfüllt

Heute testet die Stiftung Warentest nicht nur Waren und Güter, sondern auch Dienstleistungen – vor allem auf dem Finanzsektor. Ob Baufinanzierung oder Lebensversicherung, ob Geldanlage oder die Auswahl einer Bank oder bei der Suche nach der richtigen Versicherung – zu allen Entscheidungen bieten die Warentester ihre Untersuchungsergebnisse an.

Schon kurz nach der Einführung des in den vergangenen Wochen in Deutschland so umstrittenen Benzin-Ethanol-Kraftstoffs E10 beantwortete das Institut auf seiner Internetseite die wichtigsten Fragen zu dem Thema. Den Hinweis, Biosprit verbessere die Klimabilanz, kritisierten daraufhin einige User – Wissenschaftler und andere Experten streiten in der Tat auch über die Frage, ob E10 wirklich hilft, CO2 einzusparen.

Unterm Strich ist der ursprüngliche Zweck der Stiftung Warentest also tatsächlich Realität geworden: die Stärkung der Rechte der Verbraucher durch Information. Nur manchmal hat sich der Verbraucher heute bereits an anderer Stelle erkundigt.

Autor: Matthias von Hellfeld

Redaktion: Michael Borgers

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