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Kultur

Stichwort: Unwort des Jahres

Mit dem "Unwort des Jahres" rügt eine Jury aus Wissenschaftlern seit 1991 sprachliche Missgriffe, die "sachlich grob unangemessen sind und möglicherweise die Menschenwürde verletzen".

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Die Wörter oder Formulierungen stammen aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Technik, Wissenschaft, Kulturinstitutionen oder Medien. Das Unwort wird aus eingesandten Vorschlägen ausgewählt. Dabei entscheidet nicht die Häufigkeit einer Nennung, sondern "ein besonders krasses Missverhältnis von Wort und bezeichneter Sache".

Im Gegensatz dazu stehen die "Wörter des Jahres", die die öffentliche Diskussion besonders bestimmt haben, mit denen aber keine Wertung verbunden ist. Sie werden von der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden verkündet.

Das Unwort wird seit 1991 gekürt. Die Jury gehörte zunächst zur GfdS. Nach internen Auseinandersetzungen über den 1993 gerügten Ausspruch des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl (CDU) vom "kollektiven Freizeitpark", trennte sie sich von der Gesellschaft und machte sich als "Sprachkritische Aktion Unwort des Jahres" selbstständig.

Die vier ständigen Mitglieder sind der Jury-Sprecher, der Frankfurter Germanistik-Professor Horst Dieter Schlosser, der GfdS-Vorsitzende Prof. Rudolf Hoberg, Prof. Margot Heinemann (Görlitz-Zittau) und Nina Janich aus Regensburg. Außerdem entscheiden jedes Jahr zwei wechselnde Vertreter der Sprachpraxis - meist Journalisten, Autoren oder Publizisten - mit.

Schon das "Deutsche Wörterbuch" der Brüder Grimm verzeichnet nach Angaben der Jury für das Jahr 1473 einen Beleg für das Unwort. Er beziehe sich auf ein Wort, das "böse", "beleidigend" oder "verwerflich" sei. Als "schlecht gebildetes, unschönes Wort" oder als "unerwünschter Begriff, unangebrachtes Wort", findet es sich in aktuellen Nachschlagewerken.

Der frühere Bundespräsident Johannes Rau hat in einer Rede über das Zusammenleben von Deutschen und Ausländern (Mai 2000) beschrieben, was "Unworte" anrichten können: "Wer sich über die Untaten aus Fremdenfeindlichkeit empört, der darf die Unworte nicht überhören oder gar selber gebrauchen, die viel zu häufig die Runde machen. Unworte bereiten Untaten den Boden." (dpa)