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Politik

Stichwort: Tschernobyl

Der Reaktorunfall von Tschernobyl am 26. April 1986 ist bis heute der schwerste weltweit. Im Folgenden Fakten zum Unfallhergang und den Auswirkungen.

Menschen mit Schutzanzügen

Mehr als 90.000 Arbeiter baute nach dem GAU einen "Sarg" über den Reaktor

Am 26. April 1986 um 01.36 Uhr kommt es im Block 4 des sowjetischen Atomkraftwerks Tschernobyl zur bislang größten Katastrophe bei der zivilen Nutzung der Kernenergie. Ein Experiment gerät den Wissenschaftlern außer Kontrolle, eine Wasserstoffexplosion zerstört das Reaktorgehäuse; die Brennstäbe beginnen zu schmelzen und Radioaktivität entweicht in die Umwelt. Damit ist eingetreten, was nach Angaben von Wissenschaftlern nur einmal in einer Million Jahren passieren konnte, der so genannte GAU, der "Größte Anzunehmende Unfall". Der Reaktorunfall ist bis heute der schwerste weltweit.

Tschernobyl Karte

Die atomare Wolke reichte bis nach Asien und Mitteleuropa

Unwissende Öffentlichkeit

Die Öffentlichkeit erfährt erst Tage später von dem Unglück. Nachdem in Finnland und Schweden erhöhte Radioaktivität festgestellt wurde, werden Vermutungen laut, sie könne aus einem Kernkraftwerk in der UdSSR entwichen sein. Nach zwei Tagen meldet die amtliche sowjetische Nachrichtenagentur TASS: "In dem Atomkraftwerk Tschernobyl hat sich ein Unglück ereignet, wobei einer der Atomreaktoren beschädigt wurde."

Vier Tage nach dem Unfall heißt es in der Sowjetunion immer noch, die Lage sei unter Kontrolle, die Radioaktivität in dem betroffenen Gebiet falle. Unterdessen erreicht die Strahlenwolke Deutschland, vor allem in Bayern werden in der Luft und im Boden werden stark erhöhte Werte gemessen. Am 2. Mai 1986 setzt der Bund bei der Milch Höchstwerte für die Strahlenbelastung fest, die Einfuhr von Produkten aus osteuropäischen Ländern wird eingeschränkt. Noch heute werden vor allem bei Waldpilzen und Wild stark erhöhte Strahlenwerte festgestellt.

Poröser Sarg

Der Unglücksreaktor wurde sofort nach der Katastrophe von mehr als 90.000 Arbeitern mit einem Beton- und Stahlmantel, dem so genannten Sarkophag, überzogen. In seinem Innern strahlt er aber nach wie vor. Hitze, Regenwasser und Schnee machten den Beton porös, die Stahldecke rostet, ist an vielen Stellen undicht.

Welche Schäden die Katastrophe in der Ukraine, in Russland und Weißrussland angerichtet hat, kann ebenso wie die Zahl der Toten nur geschätzt werden. Nach Einschätzung von Greenpeace sind in der Folge allein 93.000 Menschen an Krebs gestorben oder werden noch sterben. Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA geht von 4000 Toten aus.

Bis Dezember 2000 in Betrieb

Das Atomkraftwerk in Tschernobyl war ein Werk sowjetischen Typs. Es bestand aus Reaktoren, die ausschließlich auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion errichtet wurden. Dem Bundesamt für Strahlenschutz zufolge haben sie im Vergleich zu westlichen Kernkraftwerken schwerwiegende sicherheitstechnische Nachteile.

Der letzte Reaktor von Tschernobyl, Reaktor Nummer drei, wurde im Dezember 2000 abgeschaltet. Derzeit arbeiten Ingenieure an der kompletten Stilllegung des Kernkraftwerks. Dieser Prozess dürfte nach Schätzung von Behörden zwischen 30 und 100 Jahren dauern. (mas)