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Stichwort: Sufi-Bruderschaften im Senegal

Christine Harjes1. Februar 2016

Ein Fetisch in der Moschee? Kein Problem! Im Senegal gilt der Islam als besonders tolerant. Geprägt ist er durch die Sufi-Bruderschaften: Fast jeder Gläubige im Land gehört einer solchen Bruderschaft an.

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Senegal Touba Große Moschee Sufi Bruderschaft (Copyright: ISSOUF SANOGO/AFP/Getty Images)
Bild: picture-alliance/AA/A. Gueye

"Im Senegal leben 95 Prozent Muslime, fünf Prozent Christen und 100 Prozent Animisten". Mit diesem Bonmot beschreiben die Senegalesen selbst gern die Religionszugehörigkeit in ihrem Land. Tatsächlich spielen Einflüsse aus dem Animismus bei vielen Muslimen im Land heute noch eine wichtige Rolle: Ahnenverehrung, Rituale und Glücksbringer oder Amulette haben senegalesische Gläubige einfach in ihre Religion integriert.

Zwischen Koranschule und traditioneller Heilkunde

Der Islam im Senegal unterscheidet sich stark von den großen muslimischen Strömungen in den Ländern des Nahen und Mittleren Ostens. Traditionelle sufistische Bruderschaften prägen den Glauben in dem westafrikanischen Land.

Die wichtigsten Bruderschaften sind die Tijanes, die Mouriden und die Khadiriya. Ihre religiösen Führer, die Marabuts, nehmen in der Gesellschaft eine bedeutende Rolle ein. Diese Imame interpretieren den Islam, leiten Koranschulen und beten für die Gläubigen. Gleichzeitig weihen sie aber auch Amulette und Glücksbringer, außerdem praktizieren einige von ihnen traditionelle Riten und Heilkunde. Spannungen zwischen Muslimen und Christen sind im Senegal weitaus seltener als Konflikte zwischen den verschiedenen Bruderschaften.

Einfluss auf die Politik im Senegal

Obwohl die Mehrheit der Bevölkerung eine Vermischung von Religion und Politik ablehnt, machen die Imame der Bruderschaften ihren Einfluss auch in der Politik geltend - allerdings äußern sich die Marabuts in der Regel nicht öffentlich zu politischen Themen, sondern mischen aus dem Hintergrund kräftig mit. Den Politikern ist die Macht der religiösen Führer nur allzu bewusst. Sie bemühen sich deshalb um einen guten Kontakt zu den Bruderschaften. Regelmäßig reisen die jeweiligen Präsidenten dann auch nach Touba, in die heilige Stadt der Mouriden, um dem Marabout der Bruderschaft ihre Aufwartung zu machen.

Mit den strenggläubigen Bruderschaften in Ägypten verbindet die senegalesischen Muslime wenig. Im Gegenteil: Strenge Muslime bezeichnen den Sufi-Islam des Senegal häufig als "ungelehrt". Islamistische Gruppen versuchen zwar zunehmend, auch im Senegal Anhänger zu finden, aber der Islam der Bruderschaften gilt weiter als wichtige Instanz gegen radikale Tendenzen.