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Politik

Stichwort: Sky Marshals

Offiziell sind Sky Marshals unsichtbar. Sie sollen sich bei riskanten Flügen unter die Passagiere mischen und Gefahren schon vorab abwenden. Nun hat ein solcher Marshal in Miami einen Passagier erschossen.

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Training zur Terrorabwehr an Bord

Die beste Arbeit leisten die bewaffneten Flugbegleiter, wenn man sie gar nicht wahrnimmt. Tausende solcher unauffälliger Sky Marshals soll es mittlerweile in den USA geben. Genaue Zahlen werden jedoch nicht veröffentlicht. Lediglich die Crew und das Sicherheitspersonal des Flughafens sind über ihre Identität informiert.

Auch wenn es bereits vor den Anschlägen vom 11. September 2001 einige Dutzend solcher Flugbegleiter in den USA gegeben haben soll, erst mit den Terroranschlägen sind die Sky Marshals wieder zum Thema geworden. Die amerikanische Forderung nach bewaffneten Flugbegleitern bei allen Fluggesellschaften, die die USA anfliegen, stieß in vielen EU-Ländern auf Proteste. Vor allem die skandinavischen Länder Finnland, Schweden und Dänemark sperrten sich dagegen. Sie argumentierten wie einige Pilotenvereinigungen, dass Schusswaffen an Bord ein zusätzliches Risiko darstellten. Die schwedische Luftfahrtsbehörde hat mit den USA vereinbart, bei einer ernst zu nehmenden Gefahr lieber den Flug abzusagen als bewaffnete Flugbegleiter mitzunehmen.

Bundesbeamte an Bord

In Deutschland sind bereits seit Oktober 2001 speziell ausgebildete Sicherheitsbeamte des Bundesgrenzschutzes an Bord ausgewählter Flüge. Offizielle Informationen über die Zahl und den Einsatz gibt es kaum. Medien berichteten lediglich, dass vier Jahre nach den ersten Planungen noch immer nicht die angestrebte Zahl von 200 Flugpolizisten erreicht worden sei. Das Bundesinnenministerium lehnte aus Sicherheitsgründen alle Angabe zu Details ab.

Während in den USA große Fluggesellschaften auf private Sicherheitskräfte setzen, kommen in Deutschland nur Beamte des früheren Bundesgrenzschutzes in die Kabine. Diese sind nach Ansicht der Gewerkschaft der Polizei (GdP) wesentlich besser ausgebildet.

Große Erfahrung und psychologische Eignung

"Ich kenne nicht alle Einzelheiten aus Miami, so dass ich nicht sagen kann, ob unsere Leute im konkreten Fall geschossen hätten", sagt Josef Scheuring von der GdP. "Aber an Bord von deutschen Maschinen ist die Gefahr für die Passagiere, von den Begleitern erschossen zu werden, deutlich geringer." Die Bundespolizei stelle an die künftigen Sky Marshals dieselben hohen Anforderungen wie an die Mitglieder der Anti-Terror-Einheit GSG 9, sagte Scheuring. Besonders wichtig sei neben der körperlichen Fitness und großer Erfahrung die psychologische Eignung. "Diese schwierige Aufgabe muss vom Kopf bestimmt sein und nicht von der Größe des Kalibers der eigenen Waffe."

Erschossen in Miami

Am Mittwoch (8.12.2005) hat ein bewaffneter Flugbegleiter auf dem Flughafen von Miami/USA einen Menschen erschossen. Der anscheinend geistig verwirrte Passagier hatte behauptet, eine Bombe in seinem Handgepäck zu haben. Bei einer späteren Untersuchung des Gepäcks wurde keine Bombe gefunden.

Nach Angaben einer Augenzeugin erklärte die Ehefrau des Verdächtigen gleich zu Beginn des Zwischenfalls, ihr Mann leide an einer manisch-depressiven Erkrankung und habe seine Medikamente nicht genommen. Die Frau sei hinter ihrem Mann hergelaufen und habe laut nach ihm gerufen, so die Augenzeugin.

Randalierer sind ihr Alltagsgeschäft

Bewaffnete Flugbegleiter waren bei vielen Fluggesellschaften auch schon vor dem 11. September an Bord. In den USA werden beispielsweise bereits seit einer Entführungswelle in den 1970er Jahren Sky Marshals eingesetzt. In Österreich vereitelten die bewaffneten Flugbegleiter in den vergangenen rund 20 Jahren eine Entführung und bändigten mehrfach randalierende Fluggäste. Auch heute noch sind die Sky Marshals häufiger damit beschäftigt, ausfällige Fluggäste oder Psychopathen zu beruhigen, als akute Terrorgefahr abzuwenden. (kk)

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