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Kultur

Stichwort: Schützenvereine

In Deutschland gibt es schätzungsweise bis zu 20.000 Schützenvereine. Allein der Deutsche Schützenbund, der weitaus größte unter insgesamt 23 Verbänden, hat 1,6 Millionen in 15.000 Vereinen organisierte Mitglieder.

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Eingang des Schützenvereins "Domblick" in Erfurt.

Zusammengenommen verfügen die aktiven und nicht mehr aktiven Sportschützen in der Bundesrepublik über schätzungsweise mehr als fünf Millionen scharfe Waffen. Neben dem Schießsport widmen sich die Schützenvereine insbesondere der Brauchtumspflege, zumal sie auf eine weit zurückreichende Tradition zurückblicken können. Nach Geschichtforschern ist das bekannte Vogelschießen auf heidnische Opferrituale zurückzuführen, bei denen mit Pfeil und Bogen auf lebende festgebundene Vögel gezielt wurde. Die Tiere wurden später unter dem Einfluss des Christentums durch Vögel aus Leder oder Holz ersetzt.

Wandel des Schützenvereins

Schon sehr früh waren Schützenvereinigungen aber auch echte Notgemeinschaften, die vom achten Jahrhundert an in ihren Dörfern räuberische Überfälle abwehrten oder Verbrecher verfolgten. Die Historiker haben Hinweise, dass nahezu jede Bauernschaft und jedes Kirchspiel über einen wehrhaften Schützenverein verfügte. Die Wandlung hin zu einem eher folkloristischen und vorwiegend der Geselligkeit dienenden Sportverein erfolgte erst im 19. Jahrhundert.

Höhepunkte im Vereinsleben sind die jährlichen Schützenfeste, und Honoratioren im Schützenverein spielen vielerorts im politischen und wirtschaftlichen Leben der Kommunen eine herausragende Rolle. Von den Schützenverbänden werden jedoch nachdrücklich die
sportlichen und nicht zuletzt die erzieherischen Aufgaben der
Vereine hervorgehoben. Großer Wert wird auf die Jugendarbeit gelegt. Dem kommt die am vergangenen Freitag verabschiedete Novellierung des Waffenrechts insofern entgegen, als die Altersgrenze für das sportliche Schießen mit Luft- oder Federdruckgewehren von zwölf auf zehn Jahre herabgesetzt wird.

Schützenvereine gelten in der Regel als unpolitisch, doch gibt es auch Schützengemeinschaften, die weltanschaulich geprägt sind. So wurden beispielsweise die zahlreichen, im Zuge der Arbeiterbewegung entstandenen Schützenvereine 1933 von den Nazis verboten, andere, dem rechten Spektrum zugeneigte durch eine Lockerung des Waffenrechts im Jahr 1938 indirekt gefördert. Der Deutsche Schützenbund bemüht sich zusammen mit anderen Schießsportverbänden um möglichst liberale gesetzliche Bestimmungen.

Sorgen machen der Politik jedoch die Verbände, die sich dem
Großkalibersport verschrieben haben. Dort wird mit schweren
Handfeuerwaffen geschossen, unter anderem auch mit Pumpguns, die bei traditionellen Sportschützen verpönt sind, zunehmend aber beim Tontaubenschießen Eingang finden.