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Kultur

Stichwort: Salzburger Festspiele

Ein geschichtlicher Abriss über das Entstehen und die Entwicklung der Salzburger Festspiele – sie gelten als eines der größten Musik- und Theaterfestivals der Welt.

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Herbert von Karajan verbrachte 30 Jahre in Salzburg

In Anlehnung an die von der "Stiftung Mozarteum" Ende des 19. Jh. formulierte Idee, in Salzburg regelmäßig Mozart-Festspiele zu veranstalten, wurde 1917 der Verein "Salzburger Festspielhaus-Gemeinde" gegründet, um die Mittel für den Bau eines Festspielhauses aufzubringen. Im selben Jahr verfaßte der Regisseur und Theaterleiter Max Reinhardt eine "Denkschrift zur Errichtung eines Festspielhauses in Hellbrunn". Nach den Aufführungen von Hugo v. Hofmannsthals "Jedermann" auf dem Domplatz 1920, in denen Reinhardt erstmals seine Idee von Freilichtfestspielen in Salzburg verwirklichte, etablierten sich die Salzburger Festspiele durch die Mitwirkung des Komponisten Richard Strauss trotz der unsicheren wirtschaftlichen Lage und zunächst ohne Unterstützung durch öffentlicher Mittel in den 20er Jahren rasch auch international.

Die Festspiele während der NS-Zeit

Trotz bedeutender Schauspielproduktionen unter der Regie von Reinhardt ("Das Salzburger große Welttheater", "Ein treuer Diener seines Herrn", "Faust") standen Oper und Konzert bald im Vordergrund. Neben den Werken Mozarts fand durch Aufführungen der Opern von Strauss auch die zeitgenössische Musik Aufnahme in das Festspielprogramm. In den 30er Jahren wurde das musikalische Repertoire erweitert: 1933 wurde erstmals eine Oper von Richard Wagner ("Tristan und Isolde") aufgeführt, 1935 eine von Guiseppe Verdi ("Falstaff").

Zwischen 1938 und 1944 spielten die Salzburger Festspiele eine untergeordnete Rolle in der national-sozialistischen Kulturpolitik. Ein Großteil der bis dahin prägenden Persönlichkeiten ging ins Exil, andere blieben ihnen freiwillig fern. Dennoch gelang es den Organisatoren, mit Künstlern wie Clemens Krauss, Wilhelm Furtwängler und den Wiener Philharmonikern die Tradition der Festspiele programmatisch weitgehend fortzusetzen.

Karajan kommt

Nach 1945 wurden die Festspiele, unterstützt von den US-Besatzungstruppen, abermals Aushängeschild der weltoffenen kulturellen Identität Österreichs. Unter dem Einfluß des Nachkriegsdirektoriums, dem auch der Komponist Gottfried von Einem angehörte, gewannen die Spiele eine Eigenständigkeit, die einerseits an die Vorkriegstradition anknüpfte (Wiederaufnahme des "Jedermann") und andererseits zeitgenössische Ausdrucksformen einbezog: 1947-61 gab es fast jeden Sommer eine Oper des 20. Jahrhunderts.

In den 60er Jahren bildete die zeitgenöss. Musik v. a. bei den internationalen Ballettgastspielen einen wesentlichen Bestandteil. Nach dem Tod Furtwänglers, der als Dirigent von Weltruf in den Nachkriegsjahren ständiger Gast der Festspiele war, wurde Herbert von Karajan, aus Salzburg gebürtig, zunächst künstlerischer Leiter (1956-60); 1964-88 gehörte er dem Direktorium an, nahm nachhaltigen Einfluß auf den Opern- und Konzertspielplan, auf den Neubau des Großen Festspielhauses (eröffnet 1960), auf die Auswahl von Dirigenten, Sängern, Regisseuren und Bühnenbildnern und prägte über 30 Jahre den Stil der Festspiele: einem internationalen Publikum wurden repräsentative Aufführungen auf höchstem musikalischen Niveau mit besten Künstlern geboten.

Die Festspiele bis heute

Das Schauspiel stand auch nach 1945 hinter der Musik zurück, obwohl die Aufführungen des "Jedermann" auf dem Domplatz (u. a. mit Filmstars wie Curd Jürgens, Maria Schell und Klaus Maria Brandauer in der Titelrolle) nach wie vor zu den bestbesuchten Veranstaltungen zählen. Neben Aufführungen der dramatischen Hauptwerke der Weltliteratur und österreichischer Schriftsteller fanden in den 70er und 80er Jahren auch Uraufführungen einiger Stücke von Thomas Bernhard und Peter Handke statt. In Abgrenzung zur Ära Karajan bezog das Direktorium mit dem künstlerischen Leiter Gerard Mortier verstärkt Werke des 20. Jahrhunderts in das Programm ein und bemühte sich durch das Engagement innovativer Regisseure und Bühnenbildner um zeitgemäße Inszenierungen. In diesem Jahr (2002) tritt der neue Festspielleiter Peter Ruzicka Motiers Nachfolge an.