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Europa

Stichwort: Reparationszahlungen an Griechenland

Griechenland schuldet Deutschland Milliarden. Oder umgekehrt? Auch 70 Jahre nach Kriegsende streiten Athen und Berlin über Kosten aus der Zeit der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg.

Nach dem Überfall auf Griechenland weht im Mai 1941 die Hakenkreuzflagge über der Akropolis in Athen. Bis 1944 hält die Wehrmacht das Land besetzt. In dieser Zeit mordet und plündert Nazi-Deutschland auf der gesamten Balkanhalbinsel. Die wirtschaftlichen Schäden von Krieg und Besatzung sorgen bis heute für Streit.

Denn Griechenland fühlt sich bei den internationalen Verhandlungen über Reparationen nach dem Ende der NS-Diktatur benachteiligt.

Der neue Ministerpräsident Alexis Tsipras

pocht auf die Behandlung dieser Frage und schätzt die Höhe der Griechenland zustehenden Zahlungen auf mehrere Milliarden Euro. Die deutsche Regierung hat solche Forderungen stets zurückgewiesen. Die griechischen Ansprüche seien durch frühere Entschädigungen abgegolten, so das Finanzministerium in Berlin.

Zwangsanleihe des Besatzungsregimes

Zum einen geht es um direkte Kriegsschäden, beispielsweise durch Plünderungen, Mord und Zerstörung. An Opfer von NS-Verbrechen in Griechenland zahlte die Bundesrepublik 115 Millionen DM – laut einem Vertrag von 1960 sollte dies alle Forderungen auf individuellen Schadenersatz abdecken.

Deutsche Soldaten plündern ein Geschäft während der Besatzungszeit in Griechenland (Photo: cc-by-sa/Bundesarchiv/Bauer)

Deutsche Soldaten plündern ein Geschäft während der Besatzungszeit in Griechenland

Zur Debatte steht jedoch auch eine staatliche Zwangsanleihe. Das Deutsche Reich zwang die griechische Nationalbank 1942 zu einem zinslosen Darlehen in Höhe von 476 Millionen Reichsmark. Mit dem Geld finanzierten die Nazis offiziell ihre "Besatzungskosten" in Griechenland. Zurückgezahlt wurde dieses Geld nicht. Eine griechische Expertenkommission ist deshalb der Meinung, Deutschland schulde Griechenland noch rund elf Milliarden Euro.

Frieden ohne Vertrag

Die deutsche Regierung hält die Frage nach Reparationszahlungen jedoch für abschließend beantwortet. Eine erste Konferenz dazu fand bereits im Herbst 1945 in Paris statt. Dabei wurde den Griechen ein prozentualer Anteil an den deutschen Reparationsleistungen für den Zweiten Weltkrieg zugesprochen. Griechenland erhielt Sachleistungen im heutigen Gesamtwert von bis zu zwei Milliarden Euro.

Im Londoner Schuldenabkommen von 1953 verschoben die Westmächte die Regelung weiterer Reparationsforderungen schließlich bis zum Abschluss eines Friedensvertrages. Zudem gewährten sie Deutschland insgesamt einen Schuldennachlass. Zu einem offiziellen Friedensvertrag zwischen Deutschland und den Siegermächten kam es jedoch nie. Stattdessen trat 1990 das so genannte "Zwei-plus-Vier-Abkommen" zur deutschen Einheit in Kraft, das auch von Griechenland anerkannt wurde und keine weiteren Reparationszahlungen vorsieht.

Neue Schulden, neue Brisanz

Das Thema Reparationen hat in Griechenland seit dem Ausbruch der Schuldenkrise an Brisanz gewonnen. 2010 musste Athen die EU um Hilfe bitten, um einen Staatsbankrott abzuwehren. Auch Deutschland hat Griechenland zur Überwindung seiner Schuldenkrise seitdem rund 65 Milliarden Euro geliehen.

Tsipras Vereidigung als neuer Premierminister 26.01.2015 Athen (Photo: ARIS MESSINIS/AFP/Getty Images)

Seit 26. Januar 2015 ist Alexis Tsipras griechischer Regierunsgchef

Griechenlands Ministerpräsident Tsipras hat bereits in der Opposition immer wieder darauf gedrungen, diese Schulden mit Reparationszahlungen Deutschlands zu verrechnen. Einige

Juristen in Griechenland halten ein solches Modell für denkbar

. Dabei kalkulieren sie vor allem mit der Rückforderung des Zwangsdarlehens aus der Besatzungszeit - neue Verhandlungen über Reparationen halten die meisten Experten 70 Jahre nach Kriegsende für ausgeschlossen.