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Europa

Stichwort: Jüdische Minderheit in der Türkei

Die Anschläge in Istanbul richteten sich gegen die jüdische Minderheit in der Türkei. Seit mehr als 500 Jahren leben Juden in der Türkei, die meisten von ihnen in Istanbul. Ein Background von Baha Güngör.

In der Türkei leben rund 20.000 Juden, die überwiegende Mehrheit von ihnen in Istanbul. Weitere kleinere jüdische Gemeinden gibt es in der Hauptstadt Ankara, in Izmir an der Ägäis-Küste sowie in den Provinzen Hatay und Gaziantep an den anatolischen Grenzen zu Syrien. Ihre Zahl ist nicht genau ermittelbar, da Juden bei Volkszählungen als türkische Staatsbürger registriert worden sind.

Sie konnten sich bislang in der Regel auf die Weltoffenheit der Türken seit der Gründung der türkischen Republik vor 80 Jahren sowie dem Respekt des Osmanischen Reiches vor anderen Religionen verlassen.

Mehrere Auswanderungswellen

Dass sich die Zahl der Juden in der Türkei von rund 80.000 zu Beginn des 20. Jahrhunderts derart verringerte, ging auf die Entwicklungen bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zurück. Wirtschaftliche Not im Zuge des Befreiungskampfes der Türken unter Führung von Mustafa Kemal Atatürk gegen die Besatzungsmächte wanderten Zehntausende Juden nach Europa und Amerika aus.

Weitere Auswanderungswellen gab es in den 40-er und 50-er Jahren. Zunächst einmal traf eine Vermögenssteuer, die den Mitgliedern von nicht-moslemischen Gemeinden auferlegt worden waren, auch die Juden empfindlich. Die Juden, Armenier und Griechen waren nach den Lausanner Verträgen von 1924 als Minderheiten anerkannt, was ihnen im Gegensatz zu beispielsweise den Kurden die Pflege von Sprache und Kultur sowie die Veröffentlichung von Zeitungen und Publikationen in ihren Sprachen und Schriften ermöglichte.

Jüdische Einwanderung begann 1492

Nach der Gründung des Staates Israel gab es eine weitere Auswanderungswelle. Zwischenzeitlich suchten viele Juden Zuflucht vor dem NS-Regime in der Türkei, um nach dem Zweiten Weltkrieg wieder auszuwandern.

Der Beginn der jüdischen Einwanderung in die heutige Türkei geht auf das Jahr 1492 zurück, als die arabische Herrschaft über die iberische Halbinsel zusammenbrach und die christliche Inquisition sich gegen Juden richtete. Das Osmanische Reich unter der damaligen Führung von Sultan Beyazid II. nahm sie auf und gewährte ihnen die Religionsfreiheit, die Fatih (Eroberer) Sultan Mehmed II nach der Eroberung Konstantinopels 1453 christlichen Minderheiten zuerkannt hatte.

40 Synagogen, fünf jüdische Schulen

Insgesamt gibt es heute fast 40 Synagogen in der Türkei, fast die Hälfte davon in der Bosporus-Metropole Istanbul. Amtlich registriert sind weitere 19 jüdische Stiftungen und fünf jüdische Schulen.

Die Synagoge Neve Shalom war 1951 fertiggestellt und ihrer religiösen Bestimmung übergeben worden. Diese Synagoge war am 6. September 1986 ebenfalls an einem Samstag Ziel eines Anschlags. Damals wurden 21 an der Sabath-Messe teilnehmende Juden getötet.

Der Oberrabbiner der türkischen Juden ist seit einem Jahr Ishak Haleva. Er war in dieses Amt gewählt worden, das vor ihm David Asseo seit 1961 bis zu seinem Tod im Juli 2002 inne hatte.

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