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Fußball

Stichwort: Fußball-Skandale in Europa

Der aktuelle Wettskandal wird selbst von offizieller Seite als der größte der europäischen Fußball-Geschichte gewertet. Manipuliert wurde in diesem Sport aber schon früh – und immer wieder.

Der frühere Schiedsrichter Robert Hoyzer verlaesst im November 2005 ein Berliner Gericht, in dem ihm der Prozess gemacht worden war. Foto: AP

Ex-Schiedsrichter Hoyzer

Bereits 1915 wurde der englische Fußball von einem Wettskandal erschüttert. Manchester United, das gegen den Abstieg kämpfte, hatte gegen den FC Liverpool 2:0 gewonnen. Die unterlegene Mannschaft wehrte sich kaum gegen die Niederlage. Später stellte sich heraus, dass drei Spieler von ManU und vier von Liverpool die Partie manipuliert hatten. Auf das exakte Ergebnis waren hohe Geldbeträge gewettet worden. Die sieben Sünder wurden auf Lebenszeit gesperrt. Diese Strafe erhielten auch 1964 acht englische Profis, die darüber hinaus ins Gefängnis mussten. Auch sie hatten versucht, Spiele zu manipulieren, auf deren Ausgang sie gewettet hatten.

Zwangsabstieg für Bielefeld

Der Ex-Präsident des damaligen Bundesliga- Vereins Kickers Offenbach, Horst Gregorio Canellas, kommt 1971 zur Verhandlung vor dem DFB- Ausschuss an. Foto: AP

Offenbachs Präsident Canellas galt als Schlüsselfigur

In Deutschland sorgte 1971 der große Bundesliga-Skandal für Schlagzeilen. Im Abstiegskampf der Saison 1970/71 wurden bei 18 Spielen Bestechungsgelder gezahlt: insgesamt rund eine Million Mark, das sind heute umgerechnet gut 500.000 Euro. Zehn der 18 Bundesliga-Clubs waren in den Skandal verwickelt. 52 Profis wurden bestraft. Darunter waren die Schalker Nationalspieler Reinhard Libuda, Klaus Fichtel und Klaus Fischer, die lebenslang gesperrt, dann aber innerhalb der folgenden beiden Jahre begnadigt wurden. Die Vereine Arminia Bielefeld und Kickers Offenbach verloren ihre Bundesliga-Lizenzen und wurden zum Zwangsabstieg in den Amateurbereich verurteilt.

Affäre Hoyzer

Ante Sapina 2005 im Gerichtssaal im Landgericht in Berlin Moabit. Foto: dpa

Drahtzieher Sapina

Während 1971 Vereine versucht hatten, mit Spiel-Manipulationen den sportlichen Abstieg zu verhindern, ging es 2005 beim nächsten großen Skandal im deutschen Fußball um Wettbetrug. 23 Spiele im DFB-Pokal, der zweiten Liga und den Regionalligen sollen manipuliert worden sein. Die Justiz ermittelte den Kroaten Ante Sapina als Hauptdrahtzieher der Bestechungsversuche, einer seiner Handlanger war der Schiedsrichter Robert Hoyzer. Sapina und Hoyzer mussten für gut zwei Jahre hinter Gitter.

Juve besticht

Luciano Moggi, Manager von Juventus Turin im Mai 2006. Foto: AP

Moggi manipulierte

In Italien wurden 2004 drei Clubs wegen Wettbetrugs zu Punktabzug und Geldstrafen verurteilt. So richtig traf es den italienischen Fußball aber erst 2006. Im Zentrum des Skandals stand Luciano Moggi, Manager des Traditionsvereins Juventus Turin. Die Justizbehörden ermittelten, dass Moggi in der Saison 2004/2005 in großem Stil Schiedsrichter, Spieler und Funktionäre bestochen hatte. Neun Vereine waren in den Skandal verwickelt. Juventus Turin wurde zum Zwangsabstieg in die zweite Liga verurteilt.

Immer wieder berichtete der europäische Fußball-Verband UEFA in den vergangenen Jahren über Verdachtsfälle, dass einzelne Spiele im Zusammenhang mit Wetten manipuliert worden sein könnten, etwa in Griechenland, mehreren Balkanstaaten oder in Russland.

Autor: Stefan Nestler
Redaktion: Calle Kops