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Kultur

Stichwort: Europäische Raumfahrtagenatur (ESA)

Die Europäer waren Spätstarter. Als die Europäische Raumfahrtbehörde (ESA) gegründet wurde, lag die Mondlandung der Apollo 11 schon sechs Jahre zurück. Dennoch machte die ESA Europa zu einer Weltraummacht.

Die NASA hat Houston, die ESA Darmstadt. In der hessischen Stadt liegt Europas Tor zum All. In einem unscheinbaren Gebäudekomplex am Rande vom Darmstadt residiert das europäische Raumkontrollzentrum ESOC (European Space Operations Centre). Hier werden die Missionen der ESA (European Space Agency) vorbereitet, Satelliten und unbemannte Raumfahrzeuge gesteuert.

Als zehn europäische Staaten am 31. Mai 1975 den Grundstein für die gemeinsame Weltraumorganisation (ESA) legten, demonstrierten sie, dass sie bei der Eroberung des Alls mit dabei sein wollen. Zu dieser Zeit verfügten US-Astronauten und Kosmonauten schon über lange Erfahrung in der Erforschung des Weltalls. Die Europäer machten sich daran aufzuholen. Nach anfänglichen Misserfolgen gehört Europa inzwischen mit der Trägerrakete Ariane zu den drei großen Weltraummächten.

Europäisches Gemeinschaftsprojekt

In der Raumfahrt zeigte sich die Bedeutung der Europäischen Einheit. Alleine hätte kein Staat mit den Großmächten USA und Sowjetunion mithalten können. Gemeinsam jedoch gelang es ihnen, sich insbesondere vom Monopol der USA zu befreien, die europäische Satelliten nur transportierten, wenn sie ausschließlich für experimentelle Zwecke genutzt wurden. Heute sitzt die ESA bei internationalen Projekten wie der Raumstation ISS als gleichberechtigter Partner am Tisch.

Derzeit beschäftigt die Europäische Weltraumorganisation 1900 Mitarbeiter und hat in fast allen Mitgliedstaaten Niederlassungen. ESA-Mitglieder sind Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien, Niederlande, Schweden, Belgien, Dänemark, Schweiz, Irland, Österreich, Norwegen, Finnland, Portugal und Griechenland. Ihren Sitz hat die Organisation in Paris.

Erfolge und Rückschläge

Die Erfolgsgeschichte der ESA begann mit dem geglückten Start der Trägerrakete "Ariane" 1979. Nach den erfolglosen Versuchen mit dem Vorgängermodell "Europa" hatten die anderen Raumfahrtnationen nicht mit diesem Durchbruch gerechnet. Die Entwicklung kam genau zum richtigen Zeitpunkt: In den 1980er-Jahren wurden etliche kommerzielle Satelliten für private Rundfunk- und Telefonanbieter ins All geschossen. Mit "Ariane-4" konnte Europa bis zu 60 Prozent des weltweiten Bedarfs decken: Mehr als 180 Satelliten von 1988 bis 2003.

Bei der Raketen-Entwicklung musste die ESA allerdings auch Rückschläge hinnehmen. So wurde 1996 eine "Ariane-5" kurz nach dem Start gesprengt, weil sie vom Kurs abgekommen war. Zum Fiasko entwickelte sich der Jungfernflug der "Ariane-5-Plus", die mit einer Nutzlast von zehn Tonnen in eine neue Dimension vordringen sollte. Sie musste wegen eines Triebwerkschadens ebenfalls nach dem Start zerstört werden. Erst zwei Jahre später gelang die Premiere.

Finanznöte und wissenschaftliche Leistungen

Verabschieden musste sich Europa von seinen ehrgeizigen Plänen der eigenen Raumstation "Columbus" und des Raumgleiters "Hermes". Diese Großprojekte konnten nicht finanziert werden. Ersetzt wurden sie durch die Mitarbeit bei der Internationalen Raumstation ISS. Aus Kostengründen setzen die großen Weltraumagenturen seit Jahren auf Kooperation. So reiste der ESA-Lander "Huygens" mit der US-Sonde "Cassini" zum Saturn. Bei seiner Landung auf dem Saturnmond Titan im Januar 2005 lieferte er sensationelle Bilder.

Die wissenschaftlichen Erfolge der ESA sind mittlerweile beachtlich. Für die weltweite Klima-Überwachung liefert sie vor allem mit ihrem Satelliten "Envisat" wichtige Daten. In der Mondsonde "Smart-1" 2003 wurde ein neuer Ionen-Antrieb für künftige Planetenbesuche getestet. Geplant ist ferner der Aufbau des satellitengesteuerten Navigationssystems Galileo. Damit könnte Europa auch auf diesem Gebiet dem amerikanischen Satelliten-Navigationssystems GPS eine eigene Entwicklung entgegensetzen. (mik)