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Europa

Stichwort: Deutsche Minderheiten in Rumänien

Die überraschende Wahl des Rumäniendeutschen Klaus Iohannis zum Staatspräsidenten seines Landes rückt die deutsche Minderheit Rumäniens in den Fokus der Aufmerksamkeit.

Die rumänische Stadt Sibiu / Hermannstadt (Foto: dpa)

Hermannstadt (Sibiu) wurde im Mittelalter von Siebenbürger Sachsen gegründet

Der Begriff "Rumäniendeutsche" ist die Sammelbezeichnung für die traditionellen deutschen Minderheiten, die auf dem Gebiet des heutigen Rumänien leben. Bei der letzten Volkszählung von 2012 bekannten sich noch knapp 40.000 rumänische Staatsbürger dazu. Die immer noch zahlenmäßig größten Gruppen sind die Siebenbürger Sachsen im Zentrum des Landes und die Banater Schwaben im Westen.

Bereits im 12. Jahrhundert gelangten die ersten deutschen Siedler aus dem Mittelrheinischen und Moselfränkischen (aus Luxemburg, Lothringen sowie den Bistümern Köln und Trier) in das Gebiet des heutigen Siebenbürgen (Transsylvanien), das zum ungarischen Königreich gehörte. Die ungarischen Könige hatten deutsche Siedler - "Saxones" genannt - an die Ostgrenze ihres Reiches geholt, um dieses gegen Einfälle der Wandervölker aus Kleinasien besser verteidigen zu können.Die Ansiedlung erfolgte in mehreren Wellen. Die Siedler erfreuten sich einer ganzen Reihe von Privilegien bis hin zur Anerkennung als eigenständige Nation.

Die Siebenbürger Sachsen sind seit der Reformation überwiegend evangelisch-lutherisch. Im Laufe der Jahrhunderte errichteten sie ihre Städte - wie zum Beispiel Hermannstadt (Sibiu), Kronstadt (Brasov), Schäßburg (Sighisoara) - deren mittelalterlicher Stadtkern bis heute erhalten geblieben ist.

Der neue rumänische Präsident Klaus Johannis auf einer Pressekonferenz (Foto: Reuters)

Klaus Johannis, der ehemalige Bürgermeister von Hermannstadt, ist der neue Präsident Rumäniens

Siebenbürgisch-sächsische Wurzeln haben neben dem

neuen Staatsoberhaupt Rumäniens Klaus Iohannis

unter anderem auch der Bundestagsabgeordnete und neue Präsident des Bundes der Vertriebenen, Bernd Fabritius, Günther Bosch, der ehemalige Trainer des deutschen Tennis-Stars Boris Becker, oder Hasso Plattner, Mitbegründer des weltweit bekannten Software-Konzerns SAP.

Ab Ende des 17. Jahrhunderts ließen sich die sogenannten Banater Schwaben - Auswanderer aus Süddeutschland - in der Region Banat nieder, die damals zum Habsburger-Reich gehörte. Auch deren Ansiedlung zog sich über mehrere Wellen hin. Die meisten Siedler entstammten armen Bauernfamilien. Vor allem in der Zeit der Kaiserin Maria Theresia bekamen sie eine bedeutende finanzielle Unterstützung und Steuererleichterungen. Die Banater Schwaben sind überwiegend katholisch. Ihre wichtigste Stadt ist Temeswar (Timisoara), weitere Städte sind Arad und Lugosch. Prominenteste Vertreter der Banater Schwaben sind die Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller, Chemie-Nobelpreisträger Stefan Hell und der Schauspieler Johnny Weismüller.

Deutschsprachige Schulen in Rumänien

Siebenbürgen und das Banat wurden nach dem Ersten Weltkrieg und dem Vertrag von Trianon zu Teilen Rumäniens. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten etwa 800.000 Angehörige der deutschen Minderheit in Rumänien.

Durch die Wirren des Zweiten Weltkriegs, Zwangsumsiedlungen der Nazis sowie Deportationen zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion nach dem Einmarsch der Roten Armee in Rumänien wurde die Minderheit drastisch reduziert. Während der kommunistischen Diktatur wurden in den 1970er und 80er Jahren mehrere zehntausend Deutsche aus Rumänien von der Bundesrepublik Deutschland im Rahmen der sogenannten "Familienzusammenführung" regelrecht

freigekauft

.

Bernd Fabritius, Abgeordneter des Bundestags (Foto: dpa)

Der Bundestagsabgeordnete Bernd Fabritius gehört zur Minderheit der Siebenbürger Sachsen

Doch ein massiver Exodus sollte erst nach dem Sturz des Diktators Nicolae Ceausescu im Dezember 1989 erfolgen: In den ersten Jahren der politischen Wende verließen rund 200.000 Deutsche ihre rumänische Heimat.

Durch die deutschen Volksgruppen der Siebenbürger Sachsen, Banater Schwaben, aber auch Sathmarer Schwaben und Buchenlanddeutschen wurde ein deutsches Schulwesen begründet, dessen Ursprünge bis ins Mittelalter zurückreichen. Der rumänische Staat hat diese deutschen Minderheitenschulen in sein staatliches Schulwesen integriert. Selbst während der kommunistischen Diktatur war hier deutschsprachiger Unterricht möglich.

Heute gibt es trotz des zahlenmäßigen Rückgangs der deutschen Minderheit in Rumänien insgesamt 61 allgemeinbildende staatliche Grundschulen sowie 21 Gymnasien mit deutscher Abteilung oder als vollständig deutschsprachige Schulen, an denen fast 17.000 Schüler unterrichtet werden. Etwa 90 Prozent davon gehören der rumänischen Mehrheitsbevölkerung an.

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