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Kultur

Stichwort: Adel in Deutschland

Die Blaublütigen, sie haben eine lange Tradition – auch in Deutschland. Aber die glorreichen Zeiten sind vorbei. Das "von" und "zu" ist nur noch Etikette.

1913: Prinzessin Viktoria Luise von Preußen und Herzog Ernst August zu Braunschweig und Lüneburg (Foto: AP)

Deutscher Adel 1913: Prinzessin Luise von Preußen und Herzog August zu Braunschweig und Lüneburg

Europäischer Adel: Albert II Fürst von Monaco mit seinem Vater Prinz Rainier von Monaco (Foto: AP)

Europäischer Adel: Albert II, Fürst von Monaco (l.) mit seinem Vater Prinz Rainier von Monaco

Uradel, alter Adel, Briefadel, Schwertadel, Adel ohne Prädikat, Persönlicher Adel, Geldadel – adelig ist, wer in eine adelige Familie geboren wurde oder sich den Adel durch Besitz oder Verdienst erworben hat. Der Kaiser und später auch der König oder Herzog konnten in den Adelsstand heben.

Verbunden mit dem Titel waren Privilegien: Der Adelige musste keine Steuern zahlen, durfte sogar Abgaben und Dienste von Bauern fordern, hatte beste Karrieremöglichkeiten und das Recht auf politische Mitbestimmung. In seiner Glanzzeit, vom Mittelalter bis in das späte 18. Jahrhundert, bestimmte der Adel das politische, soziale und kulturelle Geschehen.

Die Weimarer Republik brachte die Wende

Dann kam das Jahr 1918, der Wendepunkt für die Monarchie in Deutschland. Der Kaiser dankte ab, und für den Adel begann eine neue Ära. Mit dem Inkrafttreten der Weimarer Reichsverfassung 1919 wurden alle Vorrechte des Adels abgeschafft. Alle Bürger waren vor dem Gesetz gleichgestellt, Vorrechte der Geburt, des Geschlechtes, des Standes und der Klasse wurden ausgeschlossen. Weg war sie, die politische Macht.

Heute leben die meisten deutschen Blaublütigen zurückgezogen. Das liegt auch an der Staatsform der Bundesrepublik. Es gibt keine Thronreden, und die Gesetze werden vom Bundespräsidenten ausgefertigt, nicht von einem König. Der Adel ist damit frei von staatlichen Repräsentationsaufgaben.

Der Prügelprinz

Deutscher Adel: Portraitbild von Ernst August von Hannover (Foto: AP)

Deutscher Adel: Ernst August von Hannover

Allein die Regenbogenpresse bedient die Sehnsucht nach dem alten Prunk und den Träumen aus längst vergangenen Zeiten. Die Adeligen rücken meist dann in die Schlagzeilen, wenn sie im großen Stil Tafelsilber und Gemälde verscherbeln oder durch Peinlichkeiten auffallen. So kam auch Prinz Ernst August von Hannover zu zweifelhafter Berühmtheit. "Der Prügelprinz", so nennt ihn der Boulevard, schlug mit einem Regenschirm auf einen Fotografen ein, trat eine Fotografin und urinierte auf einer Ausstellung an den Pavillon des türkischen Standes. Nur unwesentlich eleganter brachte sich Fürstin Gloria von Thurn und Taxis mit Aussagen wie "Der Neger schnackselt mehr als wir", ins Gespräch.

Neue Hoffnung

Problematisch für den guten Ruf des Adels sind auch die so genannten Pseudoadeligen. Seit den 70er Jahren gibt es einen blühenden Handel mit Adelstiteln. Nichtadelige lassen sich einfach für viel Geld von adeligen Namensträgern adoptieren. Nicht zuletzt deshalb ist der Adel heute nicht viel mehr, als eine untergegangene privilegierte Gesellschaftsschicht.

Seit gut zwei Monaten hat der deutsche Adel allerdings einen neuen Hoffnungsträger: Einen mit positivem Image, der politisch und gesellschaftlich Einfluss nimmt, fast so wie in den Guten alten Zeiten. Sein Name: Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg.

Autor: Benjamin Wüst

Redaktion: Ranty Islam

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