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Philippinen

Stichwort: Abu Sayyaf und das IS-Netzwerk

Der im November auf den Philippinen entführte Deutsche ist offenbar ein Opfer der Islamistischen Terrorgruppe Abu Sayyaf geworden. Wer ist diese Gruppe?

Abu Sayyaf (Getty Images/AFP/R.Gacad)

Seit den 1990er versetzen die Abu Sayyaf Mitglieder das Land in Angst und Schrecken (Archivbild)

Abu Sayyaf, zu Deutsch: "Schwertkämpfer", ist eine radikal-islamische Terrororganisation im muslimischen Süden der Philippinen. Seit Anfang der 1990er waren die Kämpfer auf der südlichen Insel Mindanao aktiv und dort für zahlreiche Entführungen und Terroranschläge verantwortlich. Den Kern der Gruppe bilden 200 bis 400 Mitglieder, landesweit soll es rund 2000 Unterstützer geben.

Die Abu Sayyaf-Terrorgruppe war aus der "Nationalen Befreiungsfront der Moro" (MNLF) hervorgegangen. Die MNLF ist eine Rebellengruppe, die seit den 1970er Jahren für einen eigenständigen islamischen Staat auf den Südinseln der Philippinen kämpft. Die Mitglieder der Abu Sayyaf lehnten die gemäßigte Linie der MNLF aber ab.

1998 starb der Anführer der Abu Sayyaf Abdurajak Janjalani, und die ideologische Ausrichtung der Gruppe verlor an Bedeutung. Laut einigen Sicherheitsexperten wandelte sich die Terrorgruppe und verfolge mittlerweile überwiegend finanzielle Interessen. Dabei handelte es sich nie um eine sehr straff organisierte Gruppe, sondern um ein Netzwerk mit mehreren Führern, die sich unter dem Namen Abu Sayyaf versammeln.

Phillippinen Anti-Terrorkampf (picture-alliance/dpa/M.R. Costa)

Die Philippinen befinden sich seit Jahren im Anti-Terrorkampf (Archivbild)

Kriminelle Gruppierung

Die Regierung in Manila hat Abu Sayyaf zuletzt oft als "Banditengruppe" bezeichnet. Insofern waren sie auch vom Friedensprozess seit 2014 ausgeschlossen, denn sie haben keine politischen Forderungen formuliert, auf die die Regierung hätte eingehen können.

In Deutschland wurde insbesondere der Fall der Familie Wallert bekannt, die im Jahr 2000 von der Abu Sayyaf entführt wurde. Über das mehrmonatige Martyrium der Familie war ausführlich berichtet worden. Die Geiseln kamen frei, nachdem der damalige libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi 25 Millionen US-Dollar Lösegeld gezahlt haben soll.

Im Jahr 2014 hatten Abu-Sayyaf-Mitglieder im Süden der Philippinen ein deutsches Seglerpaar als Geiseln festgehalten. Die Extremisten forderten vier Millionen Euro Lösegeld und den Rückzug Deutschlands aus dem Kampf gegen das Terrornetzwerk "Islamischer Staat" (IS). Manila schickte daraufhin Soldaten und Suchtrupps auf die Insel Jolo. Am 17. Oktober 2014 kamen die deutschen Geiseln schließlich frei. Unklar ist bis heute, ob es Lösegeld-Zahlungen gab.

Im November 2016 wurde der deutsche Segler Jürgen Kantner von Abu Sayyaf entführt. Seine Enthauptung soll nun auf dem jüngsten Video zu sehen sein. Die Schweizer Begleiterin Kantners war bei der Entführung erschossen worden.

Kontakte zu anderen Terrororganisationen 

Bekannt ist, dass Abu Sayyaf seit langem intensiven Kontakt zu anderen islamistischen Terrororganisationen wie Al-Kaida pflegt. So war der verstorbene Gründer der Abu Sayyaf, Janjalani, Kämpfer im afghanischen Bürgerkrieg mit der Sowjetunion. Viele Mitglieder der Abu Sayyaf wurden auch in Lagern in Pakistan, Afghanistan und Saudi-Arabien ausgebildet.

Zwar haben einige Persönlichkeiten der Gruppe, wie zum Beispiel der Kommandeur Isnilon Hapilon, 2014 dem selbsternannten "Islamischen Staat" (IS) ihre Loyalität geschworen. Unklar ist, wie umfassend die Verbindungen tatsächlich sind. Bisher gingen die Experten davon aus, dass Abu Sayyaf mit der Loyalitätsbekundung gegenüber dem IS vor allem auf den psychologischen Effekt setzen wollten, um eigenen Forderungen Nachdruck zu verleihen.