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Wissen & Umwelt

Stichwort: 50 Jahre "Jugend forscht"

"Wir suchen die Forscher von morgen", lautete das Motto bei der Gründung von "Jugend forscht". Seit 50 Jahren gibt es den bundesweiten Wettbewerb, und er hat schon viele brillante Wissenschaftler hervorgebracht.

"Warum liegen quadratische Holzbalken nicht eben im Wasser, sondern es schaut immer nur eine Spitze aus dem Wasser? oder wissenschaftlich ausgedrückt: "Berechnung stabiler Schwimmlagen homogener Körper mit quadratischem Querschnitt mit Hilfe elementarer mathematischer Methoden". Gisela Anton hat die Antwort gefunden und wurde damit 1975 Bundessiegerin im Bereich Physik. Sie ist nur ein Beispiel von vielen, für die die Teilnahme bei "Jugend forscht" der erste Schritt ins Wissenschaftsleben war.

Eine kluge Idee für kluge Köpfe

1965 gründete Henri Nannen, damaliger Chefredakteur des Magazins "Stern" den einzigartigen, bundesweiten Forschungswettbewerb. Im Gründungsjahr nahmen 244 Mädchen und Jungen teil. Bei der diesjährigen 50. Runde sind es fast 50 Mal so viele: 11.502 Kandidaten haben sich beworben. Den Forscherdrang junger Menschen zu wecken und zu fördern, ist die Idee hinter "Jugend forscht". Bis 1967 entdeckten Mädchen und Jungen die Welt der Wissenschaft getrennt oder aber nach Gruppen geordnet. Danach hob die Organisation diese Einteilung auf. Seitdem geht es um einzelne Fachbereiche.

Tüftler, Bastler, Wissenschaftler

Insgesamt gibt es sieben Disziplinen: Chemie, Biologie, Physik, Technik, Mathematik/Informatik und Geo- und Raumwissenschaften und die Rubrik Arbeitswelt. Bewerben können sich alle, die nicht älter als 21 Jahre sind. Auch Gruppen können teilnehmen. Und eine gesonderte Sparte gibt es für die jüngsten Forscher. Bei "Schüler experimentieren" liegt das Höchstalter bei 14 Jahren. Den Ideen und wissenschaftlich Erkenntnissen aber sind keine Grenzen gesetzt.

Beim Wettbewerb gibt es verschiedene Einteilungen. Zunächst kommt der Regionalwettbewerb. Dort wird jede eingereichte Arbeit angenommen, die den Regeln entspricht. Die Regionalsieger steigen in den Landeswettbewerb auf. Die Landessieger wiederum haben sich für den Bundeswettbewerb qualifiziert. Eine Jury beurteilt die eingereichten Arbeiten und leitet sie nicht selten an Universitäten oder Forschungseinrichtungen weiter, damit Wissenschaftler sie auf höchstem Niveau beurteilen können.

Deutschland Henri Nannen (Foto: N.N.)

Henri Nannen, Gründer von "Jugend forscht" starb 1996 im Alter von 82 Jahren

Lohnenswertes Engagement

Forschung braucht Geld. Das kommt im Falle von "Jugend forscht" vor allem aus der Wissenschaft und der Wirtschaft. Mehr als zehn Millionen Euro stecken die rund 250 Partner jedes Jahr in den Wettbewerb. Hochschulen und Stiftungen, mittelständische Firmen und Unternehmen, die weltweit tätig sind, oder Stiftungen beteiligen sich daran, den Forscherdrang der Jugendlichen zu fördern. Mehrere große Betriebe haben Patenschaften in den einzelnen Bundesländern übernommen.

Der gemeinnützige Verein Stiftung Jugend forscht e.V. ist ein gemeinsames Förderwerk von Bundesregierung, Wirtschaft, Schulen und dem Magazin "Stern", auf dessen Initiative der renommierte Wettbewerb zurückgeht. Den Vorsitz des Kuratoriums übernehmen wechselweise das Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft und das Bundesministerium für Forschung und Technologie. Und nicht zuletzt spielt auch der Bundespräsident eine Rolle. Seit 1977 ist er Schirmherr und Preisstifter.

Vom Jungforscher zum Experten

Die meisten der Jungforscherinnen und Jungforscher bleiben auch im späteren Beruf ihrer Fachrichtung treu. Oftmals legt der Wettbewerb den Grundstein für wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Erfolg. Das trifft beispielsweise auf Andreas von Bechtolsheim zu. Er ist der Gründer von SUN-Microsystems. Auch der Vater der Pisa Studie, Andreas Schleicher, war erfolgreicher Teilnehmer bei "Jugend forscht". Es ist eine Ehre, an dem Wettbewerb teilnehmen zu können, aber es gibt auch Preise: Geldbeträge, Sachpreise oder auch Praktika in renommierten Einrichtungen sind genauso darunter wie Exkursionen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG vergibt einen Preis für die beste interdisziplinäre Leistung. Den Preis des Bundespräsidenten gibt es für die außergewöhnlichste Arbeit, den Preis des Bundeskanzlers für die originellste Arbeit.

Die Regional- und Landeswettbewerbe sind abgeschlossen, fehlen nur noch die Bundeswettbewerbe. Die Gewinner werden am 30. Mai bekanntgegeben.

Und warum liegen nun quadratische Holzbalken nicht eben auf dem Wasser? Schuld ist die Systematische Symmetriebrechung. Ein Phänomen, das wohl für 99 Prozent der Bevölkerung unbegreiflich bleiben wird. Nicht aber für Gisela Anton, die inzwischen Professorin für Experimentalphysik an der Universität Nürnberg-Erlangen ist. Für sie hat vor 40 Jahren mit Jugend Forscht eine große Wissenschaftlerkarriere begonnen.

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