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Afrika

Stichwahl um Präsidentenamt in Liberia nötig

Gut ist die Präsidentschaftswahl in Liberia weder für Amtsinhaberin Ellen Johnson-Sirleaf noch für die Opposition gelaufen. Jetzt muss eine Stichwahl die Entscheidung bringen. Die Opposition wittert ihre Chance.

Müssen in die Stichwahl: Ellen Johnson-Sirleaf und Winston Tubman Foro: AP/Sang Tan

Müssen in die Stichwahl: Ellen Johnson-Sirleaf und Winston Tubman

Die Oppositionsanhänger in Liberia sind wütend. Seit den Präsidentschaftswahlen am 11. Oktober befürchten sie, im großen Stil um ihre Stimmen betrogen worden zu sein. Der Wahltag als solcher ist in dem westafrikanischen Land mit knapp vier Millionen Einwohnern zwar friedlich und fair verlaufen und ist deshalb von allen Wahlbeobachtern in höchsten Tönen gelobt worden. Die Schummelei soll dann später eingesetzt haben – beim Auszählen der Stimmzettel. "Ich habe Fotos, die beweisen, dass Wahlhelfer die Siegel aufgebrochen haben“, sagt Mulbah Morlu und ballt die Faust zusammen.

Charles K. Manakpalah kontrolliert am Wahltag alle Wähler im Wahllokal J. L. Gibson School in Monrovia. Foto: DW/Katrin Gänsler

Friedlich und fair: der Wahlverlauf in Liberia

Keine absolute Mehrheit für die Präsidentin

Mulbah Morlu gehört zum Vorstand der größten Oppositionspartei, dem 'Kongress für demokratischen Wandel'. Seit Sonntag macht er gemeinsame Sache mit sieben anderen Oppositionsparteien, denn die angebliche Manipulation hat sie zusammen geschweißt. Die ersten Überlegungen, beispielsweise eine neue Auszählung zu fordern, sind allerdings vom Tisch. Denn vor allem für den 'Kongress für demokratischen Wandel' ist die Ausgangslage nach den vorläufigen Ergebnissen gut.

Noch sind zwar nicht alle Bezirke ausgezählt, doch die regierende Einheitspartei von Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf kommt nach den jüngsten Hochrechnungen auf 44 Prozent der Stimmen, der 'Kongress für Demokratischen Wandel' auf 32,2 Prozent. Deshalb bereitet sich Spitzenkandidat Winston Tubman nun auf die Stichwahl vor. "Jetzt sind wir eine große Gruppe und können die Opposition viel besser repräsentieren“, freut er sich.

Kein Volkstribun

Winston Tubman ist Spitzenkandidat der Opposition. Foto: DW/Katrin Gänsler

Spitzenkandidat der Opposition: Winston Tubman

Allerdings gilt ausgerechnet Spitzenkandidat Tubman als jemand, der die Massen kaum begeistern kann. Bei Wahlveranstaltungen wirkt er zurückhaltend und hat bisher seinem möglichen Vize George Weah den Vortritt gelassen. Weah, der einstige Weltfußballspieler 1995 und Wahlverlierer des Jahres 2005, kommt besonders gut bei Jungwählern an. Trotzdem hat Tubman für viele einen Vorzug: Er hat nie eine der Kriegsparteien während des Bürgerkrieges, der mit Unterbrechungen 14 Jahre lang tobte, unterstützt. Stattdessen arbeitete er 20 Jahre lang bei den Vereinten Nationen und verbrachte die meiste Zeit außerhalb Liberias.

Genau diese Diskussion über den Bürgerkrieg könnte nun Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf schwächen. Denn ihre Gegner werden nicht müde, ihre Verbindungen zum einstigen Kriegstreiber Charles Taylor wieder auf den Tisch zu bringen. Diesen soll sie über Jahre hinweg finanziell unterstützt haben.

Auch Prince Johnson, der abgeschlagen auf Platz drei beim Kampf um das Präsidentschaftsamt rangiert, legt den Finger in diese Wunde. Ausgerechnet Johnson-Sirleaf habe gerade den Friedensnobelpreis bekommen, schimpft er: "Dabei ist sie eine große Kriegstreiberin“. Seiner Meinung nach sei der Preis politisch motiviert gewesen, und die internationale Gemeinschaft wollte die Präsidentin unbedingt wieder siegen sehen.

Jugendliche Regierungsmilizionäre fahren 2003 mit einem Pickup an die Front im in den Nordosten Liberias Foto: picture alliance

Schweres Erbe und Konfliktstoff: der Bürgerkrieg

Vom Kriegsherrn zum Königsmacher

Ob es jedoch soweit kommt, wird sich voraussichtlich am 8. November, dem geplanten Tag der Stichwahl, zeigen. Auf diesen bereitet sich auch Prince Johnson vor. Er war selbst Kriegsherr und erlangte grausame Berühmtheit, als er vor 21 Jahren dem damaligen liberianischen Präsidenten Samuel Doe vor laufender Kamera beide Ohren abschnitt. Seine Partei 'Nationale Union für den Demokratischen Prozess' gehört nicht zu Tubmans Oppositionskoalition. "Jetzt bin ich der Königsmacher“, jubelt er und grinst dann: "Mal sehen, wer meine Karte bekommt.“

Autorin: Katrin Gänsler
Redaktion: Stefanie Duckstein/tko