1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Afrika

Stichwahl in Zentralafrika: Der lachende Dritte steht schon fest

An diesem Sonntag wählt die Zentralafrikanische Republik ihren Präsidenten. Im ersten Wahlgang gab es keinen klaren Sieger, jetzt folgt die Stichwahl. Beide Kandidaten stehen Ex-Präsident Bozizé nahe.

Von Wahlkampf ist in Bria, einer Kleinstadt im Norden des Landes, nicht viel zu sehen: Nur wenige Plakate hängen in der Stadt, ein einzelnes Fahrzeug eines der Präsidentschafts-Kandidaten fährt umher und spielt Musik. Die Menschen hier wollen wählen, berichtet der DW-Korrespondent vor Ort, doch ihre Sorgen sind andere als die Frage, wer ihr Präsident sein wird. "Wir leben im Krieg", sagt Vincent, der in einem Handy-Geschäft arbeitet. "Es ist kaum möglich, hier gut zu leben."

Die Wahlen sollen das Land aus dem Bürgerkrieg und der politischen Instabilität führen, die die Zentralafrikanische Republik seit fast drei Jahren im Griff haben. Auch die Abgeordneten fürs Parlament werden am Sonntag gewählt. Die Parlamentswahl hatte zwar gemeinsam mit der ersten Runde der Präsidentenwahl schon am 30. Dezember stattgefunden. Doch aufgrund zahlreicher Unregelmäßigkeiten hatte das Verfassungsgericht entschieden, sie wiederholen zu lassen.

Stichwahl zwischen zwei Ex-Premiers

Die beiden Erstplatzierten aus der ersten Runde der Präsidentenwahl sind politisch keine Unbekannten in der Zentralafrikanischen Republik. Mit 23,78 Prozent der Stimmen ging Ancient Georges Dologuélé als Sieger aus der ersten Runde. Dologuélé ist im Volk auch unter dem Spitznamen "Saubermann" bekannt. Während seiner Zeit als Premierminister unter dem damaligen Präsidenten Ange-Félix Patassé, von 1998 bis 2001, ließ er zahlreiche öffentliche Gebäude instand setzen. 2001 wechselte er aus der Politik an die Spitze der Zentralafrikanischen Entwicklungsbank.

Zentralafrikanische Republik Wahl - Kandidat Georges Dologuélé Foto: ISSOUF SANOGO/AFP/Getty Images

Der "Saubermann": Ancient Georges Dologuélé

2013 gründete Dologuélé eine eigene Partei, die Union für die Erneuerung Zentralafrikas (URCA), nun stellte er sich erstmalig als Präsidentschaftskandidat auf. Im Wahlkampf scheute er keine Kosten und Mühen; seine Plakate hingen überall in der Hauptstadt Bangui und seine Wahlkampfveranstaltungen im Hinterland sicherten ihm eine große mediale Aufmerksamkeit. Von Kopf bis Fuß in der Parteifarbe Blau gekleidet, warb er um Versöhnung. "Ich bin 58 Jahre alt und habe noch nie eine Waffe in der Hand gehalten", sagte er in einem muslimischen Stadtteil Banguis, der einer der blutigsten Schauplätze des Bürgerkriegs war.

Unterstützung vom geschassten Ex-Präsidenten

Nur wenige Tage vor der Wahl am 30. Dezember sprach Ex-Präsident François Bozizé Dologuélé offiziell seine Unterstützung aus. Im März 2013 hatten die überwiegend muslimischen Séléka-Rebellen Bozizé aus dem Amt geputscht; er floh zunächst nach Kamerun und lebt nach wie vor im Exil - wo genau, ist nicht bekannt. Bozizé, der 2003 selbst durch einen Staatsstreich an die Macht gekommen war, wird vorgeworfen, vom Exil aus die christlich-animistischen Anti-Balaka-Rebellen unterstützt zu haben, die sich als Reaktion auf die Revolte der Séléka gegründet hatten. Kämpfer beider Gruppen töteten tausende Menschen und trieben rund eine Million Zentralafrikaner in die Flucht. Bis heute wird der laut den Vereinten Nationen (UN) drittärmste Staat der Welt immer wieder von schwerer Gewalt erschüttert.

Die UN hat Sanktionen gegen Bozizé verhängt, die Zentralafrikanische Republik hat einen Haftbefehl gegen ihn erlassen. Der Vorwurf: Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Wie alle anderen ehemaligen Präsidenten auch durfte Bozizé nicht bei der ersten Runde der Präsidentenwahl antreten. Dologuélé hat jedoch bereits angekündigt, dass es, sollte er Präsident werden, einen "Platz" für Bozizé geben werde - ohne diesen zu spezifizieren.

Der Herausforderer: ein weiterer Ex-Premier

Dologuélés Herausforderer bei der geplanten Stichwahl ist Faustin Archange Touadéra, der 19,42 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinen konnte. Touadéra wird von den Zentralafrikanern als "der Mann, der den Beamten die Gehälter zahlt" geschätzt: Von 2008 bis 2013 war er Premierminister unter Bozizé. In dieser Zeit führte er ein, dass den Beamten im Land ihr Gehalt auf ein Bankkonto überwiesen wird - mit dem Effekt, dass sie ihr Geld nun regelmäßig erhielten und sich nicht mehr verschulden mussten, weil Zahlungen ausblieben.

Zentralafrikanische Republik Archange Touadera Foto: ISSOUF SANOGO, Getty Images/AFP/I. Sanogo

"Der Mann, der den Beamten die Gehälter zahlt": Faustin Archange Touadéra

2008 vermittelte er in einem der vielen Konflikte, die das Land seit 1960 erlitt, zwischen der Regierung, der Opposition, der Zivilgesellschaft und Rebellenbewegungen, was in mehreren Friedensabkommen mündete. Seit ihrer Unabhängigkeit von Frankreich ist die Geschichte der Zentralafrikanischen Republik geprägt von blutigen Unruhen, machtlosen Regierungen und Staatsstreichen. "Ich habe gesehen, mit welchem Enthusiasmus die Zentralafrikaner wählen gegangen sind", sagte Touadéra nach Bekanntgabe der vorläufigen Wahlergebnisse. "Das zeigt, dass das Volk Frieden will. Deshalb wollen sie politische Führer, denen sie vertrauen können. Ich freue mich, dass so viele meiner Landsleute meine Kandidatur und mein politisches Programm unterstützen."

Bozizé gewinnt so oder so

Touadéra, wie sein Konkurrent Dologuélé 58 Jahre alt, ist Mathematik-Professor. Sein Wahlkampf-Budget war vergleichsweise niedrig, während seiner Wahlkampagne lehrte er weiterhin an der Universität von Bangui. Touadéra geht als parteiloser Kandidat ins Rennen um das höchste Staatsamt. Bis dahin hatte er den Posten des stellvertretenden Vorsitzenden von Bozizés Partei KNK inne. Während Touadéra für die meisten Beobachter bei der Präsidentschaftswahl als Außenseiter galt, ist KNK-Generalsekretär Bertin Béa wenig überrascht über dessen Wahlerfolg: "Das beweist, wie stark die KNK hier im Land ist", so Béa im DW-Interview. Obwohl Touadéra als unabhängiger Kandidat angetreten ist, haben ihn viele Wähler mit Bozizé und seiner Partei verbunden. "Er hat Touadéra politisch aufgebaut. Hätte Bozizé selbst kandidiert, hätte er direkt im ersten Wahlgang gewonnen. Die Zentralafrikaner finden, dass er zu unrecht aus dem Amt gejagt wurde."

Francois Bozize Foto: SIA KAMBOU/AFP/Getty Images

Zieht er die Strippen? Ex-Präsident François Bozizé

Spielen also beide Kandidaten dem Ex-Präsidenten in die Hände? Im Exklusiv-Interview mit der Deutschen Welle sagte Bozizé im Januar: "Derjenige, dem ich meine Unterstützung zusichere, wird auch gewinnen. Das ist bekannt." Doch bis heute hat er sich nicht weiter dazu geäußert. Bozizé hat im Grunde die Qual der Wahl - gewonnen hat er in jedem Fall.

Mitarbeit: Eric Topona, Jeff Murphy Barès, Marc Caldwell

Die Redaktion empfiehlt