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Politik

Stichwahl in Ecuador

Am Sonntag (25.11.) wählen die Ecuadorianer ihren neuen Präsidenten. Der konservative Unternehmer Álvaro Noboa tritt gegen den linksgerichteten Ökonomen Rafael Correa an. Das Ergebnis wird voraussichtlich knapp.

Ein Correa-Unterstützer bei einer Kundgebung

Ein Correa-Unterstützer bei einer Kundgebung

Bis zur letzten Sekunde haben die beiden Kandidaten um die Stimmen der letzten noch unentschlossenen Wähler gekämpft: Álvaro Noboa (57) in der Hafenstadt Guayaquil, dem Wirtschaftszentrum Ecuadors, Rafael Correa (43) in der Hauptstadt Quito. Es war ein verbissener Wahlkampf, bei so viel Geld floss, dass das Oberste Wahlgericht eine Woche vor der Stichwahl sich gezwungen sah, die Wahlkampfkonten der beiden Kandidaten einzufrieren. In Ecuador dürfen für den Wahlkampf nicht mehr als 637.000 US-Dollar aufgewendet werden. Noboa gab fast zwei Millionen aus.

Polemische Schlammschlacht

Álvaro Noboa bei der Abschlusskundgebung am Donnerstag (23.11.) in Guayaquil

Rafael Correa umgeben von seinen Fans einen Tag vor Wahlkampfschluss

Doch nicht nur mit Geschenken versuchten die Kandidaten, die Leute für sich zu gewinnen. Das Duell der beiden Kandidaten war gespickt mit persönlichen Attacken und Diffamierungen. Noboa beschimpfte seinen Kontrahenten als Kommunisten und Lügner, der Ecuador gemeinsam mit Chávez versklaven wolle. Er warf ihm vor, einen "schmutzigen und teuflischen Krieg” gegen ihn zu führen. Correa hingegen bezichtigt Noboa, seinen Reichtum mit der Beschäftigung von Kindern verdient zu haben und die Arbeiter auf seinen Bananenplantagen zu unterdrücken. Dabei berufen sich beide auf Gott und betonen ihre Nähe zum christlichen Glauben. Noboa ging sogar so weit, auf Knien und mit zum Himmel gestreckten Armen, die Ecuadorianer im Namen Gottes um ihre Stimme zu bitten. USA oder Venezuela

Das Ergebnis der Wahl am Sonntag entscheidet, in welche Richtung Ecuador sich entwickelt. Noboa will die Beziehungen zu den USA ausbauen, während Correa als Freund und Verbündeter von Venezuelas linksnationalistischem Staatschef Hugo Chávez gilt. Noboa sieht in dem fast fertig ausgehandelten Freihandelsabkommen mit den USA eine große Chance für Ecuador, Correa plant, die Verhandlungen abzubrechen. Noboa will ausländische Investoren mit Steuergeschenken ködern, Correa kündigt höhere Abgaben für die im Lande tätigen Öl-Multis an. Nur eines haben sie gemeinsam: Beide sprechen davon, den Mindestlohn zu erhöhen und die Armut zu verringern. Wie sie das finanzieren wollen, bleibt allerdings unklar. Correa strebt zudem eine grundlegende Reform des politischen Systems an. Er will das Parlament auflösen und eine verfassungsgebende Versammlung einberufen. Politische Instabilität

Wer auch immer die Wahlen gewinnt, er tritt ein schweres Erbe an. Denn die politische Lage in Ecuador ist alles andere als stabil. In den vergangenen zehn Jahren hatte das Land sieben Staatschefs. Drei davon mussten ihren Posten nach heftigen Demonstrationen der Bevölkerung vorzeitig aufgeben, zuletzt Lucio Gutiérrez im April 2005. Seitdem ist Alfredo Palacio, ehemaliger Vizepräsident, stellvertretend für ihn im Amt.

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