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Politik

Stichwahl in Brasilien

Rund 136 Millionen Wahlberechtigte in Brasilien haben über einen Nachfolger für den scheidenden Präsidenten Lula da Silva abgestimmt. Dessen Favoritin Dilma Rousseff ging mit einem deutlichen Vorsprung in die Stichwahl.

Jose Serra (li.) und Dilma Rousseff (re.) (Foto: AP)

Jose Serra (li.) und Dilma Rousseff (re.)

Brasilien hat an diesem Sonntag (31.10.2010) einen neuen Präsidenten gewählt. Laut Prognosen könnte es auch eine Präsidentin sein - denn die 62-jährige Dilma Rousseff könnte als erste Frau ins brasilianische Präsidentenamt einziehen. Sie würde das Land dann bis zum Ende des Jahres 2014 regieren, wenn Brasilien Gastgeber der Fußball-Weltmeisterschaft ist.

Dilma Rousseff (Foto: AP)

Dilma Rousseff

Für die ehemalige Energieministerin wurden reichlich 55 Prozent der Stimmen vorhergesagt. Entsprechend siegessicher zeigte sich Rousseff bei der Abgabe ihrer Stimme in einer Schule in Porto Allegre im Süden des größten lateinamerikanischen Landes. Sie erwarte "das Wahlergebnis mit Zuversicht", sagte die Vertraute des scheidenden Präsidenten Lula, der nach zwei Amtszeiten nicht wieder antreten durfte. Dessen Unterstützung für seine ehemalige Stabschefin hatte deutlich zu ihrer Popularität beigetragen, denn bis zu ihrer Nominierung war die einstige Guerilla-Kämpferin den meisten Brasilianern eher unbekannt.

Spannender Wahltag

Bundeskanzlerin Angela Merkel bei Jose Serra in Sao Paulo (2008) (Foto: AP)

Bundeskanzlerin Angela Merkel bei Jose Serra in Sao Paulo (2008)

In der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen am 3. Oktober hatte Rousseff dann 46,9 Prozent der Stimmen erhalten. Ihre absolute Mehrheit wurde durch die Grünen-Kandidatin Marina Silva zunichte gemacht, die überraschend auf 19 Prozent kam. Roussefs Konkurrent, der 68-jährige Ex-Gouverneur José Serra, hatte in der ersten Wahlrunde 32,6 Prozent erhalten. Der frühere Bürgermeister von Sao Paulo unternimmt bereits den zweiten Anlauf auf den Präsidentenpalast in Brasilia. 2002 unterlag der Sozialdemokrat im zweiten Wahlgang dem nun scheidenden Amtsinhaber Lula. In den letzten Tagen vor der Stichwahl hatten beide Kandidaten versöhnliche Töne angeschlagen. Rousseff und Serra versicherten, sie würden bei einem Wahlsieg eine Regierung bilden, die alle rund 190 Millionen Brasilianer einbeziehe.

Überraschungen trotz Wahlpflicht

Trotz der eindeutigen Prognosen könnte die Wahlbeteiligung noch für Überraschungen sorgen. Zwar besteht in Brasilien Wahlpflicht, die aber bei entsprechender Angabe von Gründen und einer geringen Geldstrafe umgangen werden kann. Beim ersten Wahlgang am 3. Oktober waren rund 18 Prozent der Stimmberechtigten den elektronischen Wahlurnen fern geblieben. Für die Stichwahl am Sonntag hatten Analysten sogar mit einem Anstieg der Zahl der Nichtwähler gerechnet. Viele Stimmberechtigte im größten katholischen Land der Erde könnten den Feiertag "Allerseelen“ auch für ein verlängertes Wochenende nutzen wollen.

Autor: Hartmut Lüning (mit afp, dpa, apd)
Redaktion: Hajo Felten

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