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Politik

Stichflammen des Terrors

Die jüngsten Bombenanschläge im Süden Thailands forderten Tote, doch sie wollen auch eine Nachricht an die Regierung übermitteln - die diese nicht verstehen will.

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Bunte Drachen ziehen durch die Straßen, Abende füllen sich mit den Aromen deftiger Wok-Gerichte, Feuerwerke erleuchten den nächtlichen Himmel. Ein Wochenende lang erliegt das Land dem Charme Chinas, wenn das chinesische Neujahr gefeiert wird. Wie auch vergangenes Wochenende. Bangkok lag brach, Rot durchzog die Stadt wie der sprichwörtliche Faden. Auch hunderte kleinerer Städte begehen das zweite von insgesamt drei Neujahrsfesten (neben dem westlichen zu Silvester und dem thailändischen im April).

Doch am Sonntag übernahm der Terror. Mehr als 50 Bomben detonierten im Süden Thailands.

Der stille Krieg

Schutzwachen vor einem Karaoke-Klub in Yala, Quelle: AP

Schutzwachen nach einem Anschlag auf einen Karaoke-Lub in Yala

Seit 2003 lodert der Süden Thailands, in dem überwiegend Muslime wohnen. In den vergangenen sechs Monaten brannte er. Die erste Autobombe vor exakt einem Jahr tötete sechs Menschen. Im September 2006 wurden vier Menschen in Had Yai zu Tode gebombt. Und dann waren da noch die Silvesterbomben in Bangkok.

Dieses Mal traf es die chinesisch-stämmige Bevölkerung und Besucher aus Malaysien und Singapur, die das chinesische Neujahr in Touristenzentren wie Had Yai und Betong feiern wollten. Die Bomben detonierten vor Hotels, Bars, Karaoke-Klubs. Mehrere Schulen wurden abgebrannt.

Seit 2004 herrscht Bürgerkrieg in den vier südlichsten Provinzen des Landes zwischen muslimischen Separatisten und der Zivibevölkerung. 2000 Opfer sind bisher zu beklagen - durchschnittlich sterben täglich zwei Menschen.

Leise Hoffnungen

Es gab im September letzten Jahres leise Hoffnungen, nachdem der damalige Premierminister Thaksin Shinawatra vom Militär gestürzt worden war. Dieser hatte den Unruhen unsensibel standgehalten. Berüchtigt war seine damalige Nachricht an die Separatisten, er würde "keinem Zentimeter Thailands erlauben sich abzuspalten, selbst wenn Blut das Land bedecken sollte".

Von der Militär-Junta erhofften sich nicht wenige ein Einlenken, ein Verstummen der absolutistischen Monologe Thaksins. Doch die Putschisten haben sich mit dem ganzen Land übernommen und können sich nicht auf den Süden konzentrieren. So bemühen sich die Separatisten, die Aufmerksamkeit der Regierenden auf sich zu ziehen - mit eskalierendem Terror.

Islamische Verschwörungen?

Leitkommentare in den thailändischen Zeitungen konzentrieren sich auf mögliche internationale Beziehungen zwischen den einheimischen Separatisten und Terrorgruppen wie der Al-Kaida und der philippinischen Jemaah Islamiyah. Die wird es sicherlich geben, doch sie sind nicht das Hauptproblem. Man macht es sich zu einfach. Man schiebt damit die Schuld von sich. Man beschwört dunkle internationale Mächte herauf, anstatt sich mit der Situation zu Hause auseinanderzusetzen.

Thailands Königin Sirikit bat jüngst die Bevölkerung im Süden Thailands, ihre Stimme zu erheben, sich auszusprechen gegen den Terror. Die große schweigende, leidende Mehrheit der vier Provinzen wird von den Separatisten terrorisiert.

Prompt, aber fragwürdig

Die Militärregierung reagiert prompt, doch mit fragwürdigen Methoden. Hubschrauber überfliegen noch kohlende Städte. Truppen patrouillieren durch menschenleere Straßen. In Bangkok werden Krisensitzungen einberufen, es werden - wieder einmal - Einsatzpläne besprochen. Großkotzig behaupten Kommandierende, sie hätten die Lage unter Kontrolle. Während immer neue Bomben gezündet werden. Neben Schulen. Auf Bahnhöfen. In Einkaufszentren.

Die Junta protzt, beweist Präsenz. Doch in Wahrheit regiert sie nur in Bangkok. Im Süden Thailands hat sie ihre Macht verloren. Und zwar gar nicht an die Separatisten selbst, sondern an den Terror. An die tagtägliche Angst eines jeden, der dort lebt. Zu überleben hofft.

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