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Kultur

Sterbende Städte

"Boomtown" - das war einmal. Überall auf der Welt schrumpfen Industrie-Metropolen von einst, die Menschen wandern ab. Hohe Arbeitslosigkeit und der massive Bevölkerungsverlust erschüttern und wandeln ganze Regionen.

Shrinking Cities

Plattenbau vor dem Aus: Siedlung Wulfen bei Bitterfeld

Ob in Deutschland oder Großbritannien, in Russland, Iran, China oder Panama - überall das gleiche Bild: leer stehende Häuser, stillgelegte Fabrikanlagen, verlassene Büros, leere Straßen.

Städte, die noch vor hundert oder fünfzig Jahren stark expandierten, verschwinden heute allmählich. Nur Bruchstücke erinnern an die alten Tage. Nun entstehen neue Stadttypen, für die aber bisher weder genaue Vorstellungen noch neue Nutzungskonzepte existieren. Hier, in den entvölkerten Landstrichen, leben die "Verlierer" der Transformation von der Industrie- zur globalisierten Dienstleistungsgesellschaft.


Abriss statt Bauboom

So haben auch die dramatischen Abwanderungen aus Ostdeutschland seit 1989 zu einem Leerstand von über einer Million Wohnungen geführt. Unzählige Industrieareale und Werkanlagen wurden nach der Wende aufgegeben. Im weltweiten Vergleich zeigt sich: Das ist kein deutscher Sonderfall, sondern ein globales Muster der Zivilisation. In den vergangenen Jahrzehnten sind mehr als 130 Städte in fast 30 Ländern geschrumpft.

Rohbauruine

Unvollendet: Rohbauruine im russischen Ivanovo

Ursachen und kulturelle Perspektiven dieses Phänomens dokumentiert die Ausstellung zum Projekt "Schrumpfende Städte" im Berliner "Kunstwerke - Institute for Contemporary Art". Die Kulturstiftung des Bundes, das International Center for Urban Ecology, Detroit und die Stiftung Bauhaus Dessau unterstützen die Forschungen.

Weltweites Phänomen

Für das Projekt recherchierten Wissenschaftler- und Künstlerteams an vier internationalen Standorten zwei Jahre lang. Ihr Thema: die veränderte Realität in schwindenden Städten wie Detroit (USA), Manchester / Liverpool (Großbritannien), Ivanovo (Russland) und Halle / Leipzig (Deutschland). Jeder Ort schrumpft auf seine Weise, hat eine spezifische Form des Vergehens: In Detroit geht es um die Folgen einer "entleerten" Innenstadt, in Manchester / Liverpool um die Auflösung der alten Industriestrukturen. Ebenfalls im Umbruch ist das russische Ivanovo. Dort zeichnen verlassene Kombinate ein Bild des Postsozialismus. In Halle / Leipzig wirken gleich mehrere dieser Faktoren zusammen und werden im Abriss der alten Plattenbauten sichtbar.


Schrumpfung als Chance

Die Themen, mit denen sich die Architekten auseinandersetzen, reichen vom Umgang mit verwahrlosten öffentlichen Räumen, den Strategien des Überlebens und neuen Arbeitsformen bis zu innovativen Subkulturen. Denn nicht nur Verfall prägt das Bild der morbiden Industriebrachen. Aus vielen schrumpfenden Städten kommt auch frisches Leben: So hat Detroit Techno und House geboren und Manchester und Sheffield verschafften sich als Synonym für britischen Punk, HipHop und New Wave ein neues Image.


Detroit

Industriebrache: Verlassenes Haus in der Innenstadt von Detroit, USA

Schrumpfstädte, die Shrinking Cities, widersprechen dem traditionellen Credo des Industrie-Zeitalters von immer schneller, immer höher und weiter wachsenden Metropolen. In den nächsten Jahren könnte der vielen Ländern prognostizierte Bevölkerungsschwund das Problem noch weiter verschärfen.

Allerdings steht dem Leerstand zumeist auch ein Neubau in großem Stil gegenüber. Und das gilt nicht nur für die jeweilige Region, sondern auch weltweit. Ein Blick auf die gleichzeitige Verstädterung ganzer Ballungsräume fehlt der Ausstellung allerdings ganz. Metropolen wie Mumbai, Tokio oder Lagos mit teils mehr als 20 Millionen Einwohnern sind bereits zu unüberschaubaren Megacities angewachsen.

Schrumpfende Städte - Internationale Untersuchung, Kunstwerke - Institute for Contemporary Art, Auguststraße 69, 10117 Berlin-Mitte. Öffnungszeiten: von Dienstag bis Sonntag, jeweils 12 bis 19 Uhr, 4. September bis 7. November 2004.

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