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Kultur

Sterben: Allah erbarme sich ihrer!

Was passiert, wenn Muslime in Deutschland sterben? Fragen an Mehmet Balcok, Geschäftsführer von Gurbet Bestattungen.

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Es gibt nur wenige Friedhöfe in Deutschland mit muslimischen Grabstätten

DW-WORLD: Es gibt drei Millionen Muslime in Deutschland - aber nur relativ wenige muslimische Beerdigungsinstitute. Ist das nicht ein lukratives Geschäft?

Mehmet Balcok: Das ist es, denn sterben wird jeder und da sehen viele, dass man damit Geld verdienen kann. In den letzten fünf Jahren wurden es immer mehr. Hier in Essen sind es schon vier muslimische Bestattungsunternehmen, vor zehn Jahren waren wir noch die Einzigen hier.

Wie viele Muslime haben Sie denn im vergangenen Jahr bestattet?

Insgesamt waren es 350, davon aber nur 80 in Deutschland. Die meisten werden außerhalb von Deutschland beerdigt. Insgesamt haben wir also jeden Tag einen Sterbefall.

Warum werden so viele Muslime, die in Deutschland sterben, nicht hier bestattet?

Weil das die erste Generation ist, die zum Beispiel aus der Türkei nach Deutschland übergesiedelt ist. Die möchten zu 90 Prozent in die Heimat überführt und dort beerdigt werden. Sie machen in ihrem Testament Anweisungen, wo sie begraben werden möchten. Manchmal überlassen sie die Entscheidung auch ihren Kindern und die entscheiden sich dann eher für Deutschland, weil sie das Grab ihrer Eltern lieber hier haben wollen.

Werden sich in Zukunft mehr Muslime hier beerdigen lassen?

Ja, die zweite Generation, die hier geboren und aufgewachsen ist. Ich gehöre auch dazu und würde wollen, dass ich lieber dort beerdigt bin, wo jetzt auch meine Kinder geboren und aufgewachsen sind. Also in Deutschland.

Wie unterscheidet sich ein muslimischer Bestattungsservice von einem anderen Bestatter?

Bei uns ist es so, dass wir nach dem islamischen Recht die ganzen Rituale durchführen. Das heißt, der Leichnam wird von islamischen Geistlichen gewaschen, danach wird ein Gebet gesprochen, zu 80 Prozent in Moscheen. Wir organisieren das.

Kann das nicht auch ein nicht-muslimisches Bestattungsinstitut organisieren?

Doch, natürlich. Aber wir haben die Kontakte in ganz Deutschland. Meistens fragen die deutschen Beerdigungsinstitute deshalb bei uns an, ob wir die Waschungen nach dem islamischen Recht und die Rituale organisieren, und sie übernehmen dann die Beerdigung. Es ist für die Familien aber angenehmer, wenn nur ein Bestattungsunternehmen die ganzen Formalitäten und islamischen Rituale durchführt.

Gibt es neben den Ritualen noch andere Unterschiede zwischen muslimischen und christlichen Bestattungen?

Wir beerdigen ohne Sarg. Der Leichnam wird nur mit einem weißen Tuch umhüllt und beerdigt. In Deutschland ist das erst seit etwas mehr als einem Jahr möglich.

Gibt es dafür spezielle Friedhöfe?

Ja, da gibt es mehrere Friedhöfe, die einen muslimischen Teil haben. Die sind gen Osten und Mekka ausgerichtet. Die Geistlichen sprechen dann am Grab ein Gebet, das direkt Richtung Mekka geht.

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  • Datum 05.01.2006
  • Autorin/Autor Das Interview führte Marlis Schaum
  • Drucken Seite drucken
  • Permalink http://p.dw.com/p/7a9k
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