1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wissen & Umwelt

Stephen Hawking wird 75

Er ist der berühmteste Physiker seit Albert Einstein: Stephen Hawking, durch eine unheilbare Nervenerkrankung zur Fortbewegung auf einen Rollstuhl angewiesen, gilt vielen als das größte Genie unserer Tage.

An diesem Sonntag feiert der Professor aus Cambridge seinen 75. Geburtstag - und hat damit viel länger gelebt, als es die Ärzte einst vermutet hatten. Hawkings Forscherkarriere begann nämlich mit einem Schicksalsschlag. Im Alter von 20 Jahren - gerade hat er seine Doktorarbeit begonnen - zeigen sich erste Anzeichen einer fatalen Rückenmarkserkrankung, der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS).

Bald fesselt ihn die Krankheit an den Rollstuhl. Er verliert seine Stimme und muss eine Maschine für sich sprechen lassen. Trotz seiner Behinderung meistert der Physiker sein Leben - sowohl privat, wovon zwei Ehen und drei Kinder zeugen - als auch beruflich. Als Student sei er begabt gewesen, aber faul, sagt Hawking über sich selbst. Erst nach Ausbruch der Krankheit habe er sich voll auf seine Forschung konzentriert. 1979 wird er Professor in Cambridge, an jenem Lehrstuhl, den einst der legendäre Isaac Newton innehatte.

Woher stammt alle Materie?

In Cambridge entwickelt Hawking seine wichtigsten Beiträge zur Physik: Ausgehend von Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie beweist er, dass der Urknall vor rund 14 Milliarden Jahren mit einer sogenannten "Singularität" begonnen haben muss - als unvorstellbar winziger Punkt, der sich mit den heutigen Formeln und Gesetzen nicht fassen lässt.

Hawkings Lieblingsthema aber sind die Schwarzen Löcher - galaktische Monster, die mit ihrer gewaltigen Schwerkraft alles verschlingen, was ihnen zu nahe kommt. Seine wichtigste Erkenntnis: Schwarze Löcher existieren nicht ewig. Statt dessen verdampfen sie langsam, weil sie eine Strahlung abgeben - die Hawking-Strahlung.

Nachgewiesen wurde sie aber noch nicht, weshalb Hawking bislang auch noch keinen Physik-Nobelpreis erhielt. "Man könnte die von Schwarzen Löchern ausgehende Strahlung durchaus messen", so Hawking. "Aber unglücklicherweise scheint es in unserer Gegend keines zu geben." Trotz des fehlenden Beweises sind die meisten Experten felsenfest von der Existenz der Hawking-Strahlung überzeugt.

Es sei "ein Ergebnis, das noch in hunderten Jahren Bestand haben wird", ist Bruce Allen überzeugt, Direktor am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik in Hannover und ehemaliger Hawking-Student. "Von solchen Ergebnissen gibt es nicht viele."

Schwarzes Loch in kosmischer Dämmerung (picture-alliance/Zhaoyu Li)

Schwarze Löcher sind Hawkings Steckenpferd

Doch ist Hawking wirklich, wie von vielen vermutet, ein zweiter Albert Einstein? Nein, meinen nicht wenige Forscherkollegen. "Die Beiträge von Hawking sind sicher nicht so bedeutend wie die von Einstein", sagt der Hamburger Physikprofessor Klaus Fredenhagen. "Mit der Relativitätstheorie hat Einstein etwa völlig Neues entwickelt, was es vorher nicht gab." Hawking dagegen habe weitgehend im Rahmen der bestehenden Theorien agiert und dort wichtige Erweiterungen geschaffen. 

Grundlagenphysik verständlich machen

Klar aber ist eines: Hawking gelingt es wie keinem anderen, die Kosmologie einem breiten Publikum schmackhaft zu machen. 1988 veröffentlicht er sein Buch "Eine kurze Geschichte der Zeit". Es wurde eines der erfolgreichsten populärwissenschaftlichen Werke überhaupt. Auch wenn der Stoff alles andere als leicht verdaulich ist: Das Buch verkauft sich millionenfach und macht ihn zur Kultfigur. Hawking selbst meinte dazu einmal: "Ich bin sicher, dass meine Behinderung dazu beiträgt, dass ich so bekannt bin. Die Menschen sind fasziniert von dem Kontrast zwischen meinen eingeschränkten physischen Kräften und der gewaltigen Natur des Universums, mit der ich mich beschäftige. Ich bin der Archetypus des behinderten Genies. Doch ob ich ein Genie bin, kann bezweifelt werden."

Doch trotz der bescheiden klingenden Worte weiß sich der Brite geschickt zu vermarkten. So tritt er in einer Folge der Science-Fiction-Serie "Star Trek" auf, um gegen Albert Einstein und Isaac Newton beim Pokern zu gewinnen. Außerdem gibt es ihn als Zeichentrickfigur bei den "Simpsons". Und im April 2007 erfüllt er sich einen Herzenswunsch: Er fliegt bei einem Parabelflug der NASA mit und erlebt dabei mehrmals den Zustand absoluter Schwerelosigkeit. Die Bilder vom schwebenden Genie gehen um die Welt. "Weltraum, ich komme", frohlockt Hawking nach dem Flug.

Im November 2016 trifft er als Mitglied der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften Papst Franziskus im Vatikan - obwohl er sich selbst als Atheisten bezeichnet. Gott nennt er "überflüssig", denn für das Entstehen des Universums, sagt der Astrophysiker, sei kein Gott als Erklärung nötig.

Dagegen warnt Hawking davor, Kontakt mit Aliens aufzunehmen, kritisiert vehement den Brexit, fordert eine Ächtung sogenannter Killer-Roboter und und wirft der Welt Versagen im Syrien-Konflikt vor. 

Vatikan Papst Franziskus empfängt Stephen Hawking (REUTERS)

Im November 2016 empfieng Papst Franziskus den Astrophysiker und Atheisten Hawking

Der Krankheit getrotzt

Dass er in fortgeschrittenem Alter zu all diesen Aktivitäten in der Lage ist, grenzt an ein medizinisches Wunder. "Ich kenne ihn seit 1980", erzählt Bruce Allen. "Und ich hätte nie gedacht, das Stephen so lange leben würde." Als Wissenschaftler beschreiben ihn seine Kollegen als überaus "intensiv".

Schon in jungen Jahren war Hawking nicht mehr in der Lage, seine Formeln auf Papier oder Tafeln zu kritzeln, so wie es Physiker zu tun pflegen. Stattdessen musste er die hochkomplexen Berechnungen im Kopf ausführen - eine bewundernswerte Konzentrationsleistung.

"Er ist extrem freundlich und aufgeschlossen - und das, obwohl er so berühmt ist", sagt die ehemalige Hawking-Doktorandin Fay Dowker, heute Physikerin am Imperial College London. "Und er liebt es, Scherze zu machen!" Einmal sei sie im Sommer mit neuer Frisur im Institut aufgetaucht, erinnert sich Dowker - mit kahlrasiertem Schädel. "Hawking hat mich einfach nur angegrinst und gefragt: Fay, warum hast du gegen einen Rasenmäher gekämpft?"

Die Redaktion empfiehlt