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Der Berater

Stephen Bannon, die dunkle Seite der Macht

Er ist einer der wichtigsten Berater von Donald Trump und gleichzeitig der wohl umstrittenste. Lange galt Stephen Bannon als unantastbar. Aber seine Tage im Weißen Haus könnten gezählt sein.

Stephen "Steve" Bannon hat überhaupt nichts gegen sein düsteres Image. Mehr noch, er genießt es sogar und spielt damit. In einem Interview im November 2016 kurz nach seiner Ernennung zu Trumps Berater und Chefstrategen sagte er: "Finsternis ist gut. Dick Cheney. Darth Vader. Satan. Das ist Macht."

Bannon war als junger Mann Marinesoldat, verdiente später Millionen bei der Investment-Bank Goldman Sachs, arbeitete dann als Filmproduzent. Von 2012 bis 2016 leitete er die rechte Webseite "Breitbart News Network". Wer wissen will, wie Bannon die Welt sieht, muss sich "Breitbart" ansehen. Bannon selbst hat gesagt, "Breitbart" sei "die Plattform der Alternativen Rechten", das seien Leute, die "gegen die Globalisierung, sehr nationalistisch und gegen das Establishment" seien. Auch in den Auseinandersetzungen um die Symbole der Konföderierten in den USA, die im Bürgerkrieg die Sklaverei verteidigten, bezog "Breitbart" Stellung, so im vergangenen Jahr mit der Schlagzeile: "Hisst sie stolz und hoch: Die Konföderiertenflagge steht für ein ruhmreiches Erbe."

USA Trump und Bannon (Getty Images/AFP/M. Ngan)

Donald Trump verdankt Stephen Bannon viel und machte ihn zunächst zu seinem wichtigsten Berater

Der Chefideologe

Bannon ist im Gegensatz zu Trump ein Ideologe. Nach eigener Aussage hat er 1979 bei der Marine sein politisches Interesse entdeckt, als er an Bord eines Kriegsschiffes von der Geiselnahme von US-Bürgern in Teheran hörte. Der demokratische Präsident Jimmy Carter reagierte seiner Meinung nach nicht entschieden genug. Bannon wurde zum Bewunderer von Carters Nachfolger, dem Republikaner Ronald Reagan. Das republikanische Parteiestablishment jedoch verabscheut er genauso wie die Demokraten. Bannon und "Breitbart" waren maßgeblich für das Erstarken der Tea-Party-Bewegung verantwortlich, die die Republikanische Partei weit nach rechts trieb. Als Trump überlegte, gegen Barack Obama anzutreten, war Bannon sofort Feuer und Flamme und nutzte seine publizistische Macht bei "Breitbart", um Trumps Kampagne zunächst innerhalb der Partei und dann im Wahlkampf gegen Hillary Clinton zu fördern.

Trump war in Bannons Augen der Mann, der die amerikanische Politik gründlich umkrempeln konnte; genau das empfand er auch als seine eigene Mission. In einem Interview 2013 bekannte Bannon sich als Leninist, weil Lenin den Staat habe zerstören wollen; das sei auch sein Ziel. "Ich will alles zum Einsturz bringen und das ganze heutige Establishment zerstören", so Bannon laut dem Reporter der Webseite "Daily Beast". Ob "Breitbart" rassistisch und antisemitisch sei, wurde er 2016 gefragt. Darauf Bannon: "Gibt es Antisemiten bei der Alternativen Rechten? Natürlich. Gibt es bei ihnen Rassisten? Ja, klar. Aber ich glaube nicht, dass die Bewegung insgesamt antisemitisch ist."

Screenshot der Website breitbart.com (breitbart.com)

Halbmonde auf dem Kölner Dom: "Nachrichten" nach Breitbart-Art

Sinkender Stern

Das alles hat seinem Aufstieg nicht geschadet. Trump fühlt sich offenbar Stephen Bannon verpflichtet, weil der an der rechtskonservativen Basis für Trump erfolgreich die Werbetrommel gerührt hat. Trump machte ihn zunächst sogar zu seinem wichtigsten Berater. Er soll unter anderem für den Rückzug der USA vom Pariser Klimaabkommen verantwortlich sein und hinter dem scharf formulierten Dekret über Einwanderungsbeschränkungen stehen. Doch im Laufe des Frühjahrs begann Bannons Stern zu sinken. Aus dem Nationalen Sicherheitsrat wurde er im April wieder entfernt. Und Trumps viel gefälliger auftretender Schwiegersohn Jared Kushner hat Bannon faktisch vom wichtigsten Beraterplatz verdrängt. 

Aber Bannon steht innerhalb von Trumps Team auch von anderer Seite unter Beschuss. Die Streitereien zwischen ihm und Herbert Raymond McMaster, dem Nationalen Sicherheitsberater des Präsidenten, haben nach Aussage von Insidern ein Ausmaß erreicht, das eine Zusammenarbeit fast unmöglich macht. Iran, Afghanistan, der Nahe Osten oder Personalfragen - McMaster und Bannon liegen in vielen entscheidenden Fragen über Kreuz.

Donald Trump nahm zwar jetzt Bannon gegen den Vorwurf des Rassismus in Schutz: "Er ist kein Rassist. Er ist ein guter Mensch, die Medien behandeln ihn in dieser Hinsicht sehr unfair." Aber die Rückendeckung des Präsidenten ließ sehr zu wünschen übrig, was seine Zukunft betrifft: "Wir werden sehen, was mit Herrn Bannon passiert", sagte Trump und ließ die Gerüchteküche über eine Entlassung oder Degradierung von Stephen Bannon erst recht überkochen.

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