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Sport

Stepanowa darf bei Leichtathletik-EM starten

Der Leichtathletik-Weltverband IAAF gibt Grünes Licht für die russische Whisteblowerin Julia Stepanowa. Auch ein Olympia-Start der Läuferin, die den Dopingskandal in Russland ins Rollen brachte, ist in Reichweite.

Der Leichtathletik-Weltverband IAAF belohnt den Mut der Doping-Whistleblowerin Julia Stepanowa und öffnet ihr die Tür zu den Olympischen Spielen in Rio 2016: Sie erhielt mit sofortiger Wirkung ein internationales Startrecht. Die Russin dürfe unter neutraler Flagge wieder an Wettkämpfen teilnehmen, "weil sie einen wahrhaft außergewöhnlichen Beitrag zum Schutz und zur Förderung sauberer Athleten, zur Fairness sowie zur Integrität und Authentizität des Sportes geleistet hat", teilte die IAAF mit. Damit rückt auch ein Start bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro (5. bis 21. August) für die 29 Jahre alte Mittelstrecklerin immer näher. Schon bei der bevorstehenden Europameisterschaft in Amsterdam (6. bis 10. Juli) könnte sie ihr Comeback geben. Sie will dort drei Tage nach ihrem 30. Geburtstag über 800 Meter starten.

80 russische Athleten stellten Antrag

Stepanowa und ihr Mann Witali hatten den Skandal um systematisches Doping in der russischen Leichtathletik mit ihren Aussagen in der ARD-Dokumentation "Geheimsache Doping" ins Rollen gebracht. Bestätigt wurde das von ihnen dargestellte Schreckensbild des Dopings durch eine Untersuchungskommission der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA, die am 9. November 2015 einen 323-seitigen Bericht mit Beweisen für systematisches Doping vorlegte. Vier Tage später suspendierte die IAAF den russischen Verband. Am 17. Juni

verlängerte der Weltverband die Sperre

und besiegelte damit das Olympia-Aus. Gleichzeitig öffnete die IAAF aber eine Hintertür für im Ausland lebende "saubere" russische Sportler - ausdrücklich auch für Whistleblowerin Stepanowa. Laut IAAF haben insgesamt mehr als 80 russische Athleten ein Sonder-Startrecht unter neutraler Flagge beantragt.

Flucht in die USA

Julia Stepanowa gilt in Russland als Verräterin. Nach ihren Enthüllungen war sie mit ihrer Familie außer Landes geflüchtet. Heute lebt sie mit ihrer Familie in den USA. 2011 war Stepanowa wegen Auffälligkeiten in ihrem biologischen Pass und später eingestandenen Blutdopings für zwei Jahre gesperrt worden. Sportlich sollte die Latte nach so langer Pause nicht allzu hoch gelegt werden. Stepanowas Bestzeit über 800 Meter von 1:58,99 Minuten liegt immerhin schon sieben Jahre zurück. Ihr größter Erfolg, Platz drei bei der Hallen-EM 2011, wurde später wegen Dopings annulliert.

DLV-Chef Prokop: "Wichtiges Zeichen"

Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), begrüßte die Entscheidung der IAAF. "Es ist ein wichtiges Zeichen", sagte Prokop. "Damit kommt zum Ausdruck, dass der Mut einer Athletin, Missstände in ihrem Sportsystem aufzudecken, honoriert wird." Nun hoffe er, dass auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) Stepanowa das Startrecht bei den Rio-Spielen im August gewähre. Auch Dagmar Freitag, die Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses, sieht jetzt das IOC in der Pflicht. "Ich denke, Präsident Thomas Bach kommt hier eine ganz entscheidende Rolle zu", sagte die SPD-Politikerin. "Er muss sich positionieren."

sn/asz (sid, dpa)

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