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Top-Thema – Podcast

Stell' Dir vor, es ist Ostern und keiner marschiert

In den 1980-er Jahren erlebten die traditionellen Ostermärsche in Deutschland ihren Höhepunkt. Für den Weltfrieden gingen damals Millionen von Menschen auf die Straße. Heute lahmt die Friedensbewegung.

Demonstranten mit Friedensflaggen vor dem Frankfurter Römer

2005 marschierten nur noch 30.000 Menschen in Deutschland mit.

Zu Ostern wird in Deutschland traditionell demonstriert und marschiert - für nichts Geringeres als den Weltfrieden. Die so genannten Ostermärsche gibt es schon seit den 1960er Jahren. Der Höhepunkt der Friedensdemonstrationen wurde in den 1980er Jahren erreicht, als die Angst vor einem dritten Weltkrieg die Menschen umtrieb. Seitdem ist es zwar ruhiger geworden um die deutsche Friedensbewegung - gestorben ist sie allerdings noch lange nicht.

Doch in der Bonner Innenstadt ist der Funke der Friedensbewegung scheinbar nicht mehr zu spüren. Ostermärsche für den Frieden elektrisieren hier kaum jemanden. Ganz im Gegensatz zum Herbst 1983. Da protestierten hunderttausende Menschen gegen atomare Aufrüstung.

Manfred Stenner arbeitet seit zwanzig Jahren hauptberuflich für den Frieden und betreibt mit Kollegen das "Netzwerk Friedenskooperative" in Bonn. Sie informieren über Aktionen der zahlreichen Friedensorganisationen in Deutschland, sammeln Daten und vermitteln Kontakte. Alles wird finanziert durch Spenden und den Verkauf einer Zeitschrift.

Friedensaktivisten wie Manfred Stenner gibt es nur noch wenige in Deutschland. Er lebt seine Ideale und hat dennoch eingesehen, dass die Friedensbewegung sich längst verändert hat: Heute ist weniger Idealismus und dafür mehr Information für die Demonstranten gefragt.

Wenn einige Journalisten dann zu Ostern hämisch die vereinzelten Marschierer für den Frieden zählen, lächelt Stenner. Er weiß, dass die Zeit der Friedensbewegung wieder kommen wird. Auch Christoph Butterwegge, Politikwissenschaftler an der Uni Köln, erwartet das. Denn es sei ganz normal, dass es bei solchen sozialen Bewegungen, die tief verwurzelt seien in einer Gesellschaft, Auf- und Abschwünge gebe, sagt Butterwegge.

In den Anfängen der deutschen Friedensbewegung in den 1960er Jahren demonstrierten einzelne christliche und pazifistische Gruppen aus moralischer Überzeugung gegen die atomare Aufrüstung. In den 1980er Jahren trieb die Angst vor einem Atomkrieg schon Hunderttausende auf die Straße.

Es klingt einleuchtend: Die Friedensbewegung ist in Deutschland nur dann wirklich stark, wenn sich die Menschen in ihrer Sicherheit bedroht fühlen. Zu Beginn des Irakkrieges 2003 erlebte sie noch einmal einen großen Zulauf - eine halbe Million Menschen demonstrierten allein in Berlin. In diesem Jahr beschäftigt die Menschen ein möglicher Krieg gegen den Iran. Die Friedensbewegung gehört also noch nicht der Vergangenheit an.

GLOSSAR:

für etwas auf die Straße gehen – für etwas demonstrieren

lahmen – nicht mehr so stark sein

jemanden umtreiben – jemandem keine Ruhe lassen

elektrisieren – begeistern

atomare Aufrüstung, die – die Vergrößerung der Anzahl atomarer Waffen

zahlreich – viele

Aktivist, der – jemand, der sich für ein (meist politisches) Anliegen einsetzt

etwas einsehen – sich von etwas überzeugen lassen und es akzeptieren

hämisch – spöttisch

einleuchtend – logisch; verständlich

etwas hat / erlebt großen Zulauf – viele Menschen machen bei etwas mit

der Vergangenheit angehören – nicht mehr üblich sein; nicht mehr existieren

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