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Deutschland

Steinmeiers Antrittsbesuch in Ägypten

Nahost, Geiselnahmen und der Iran standen auf der Agenda des Ägypten-Besuchs von Außenminister Steinmeier. Auf der Kairoer Buchmesse, auf der Deutschland Ehrengast ist, setzte er sich für kulturellen Austausch ein.

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Shakehands zwischen Steinmeier (links) und Präsident Mubarak

Nach einer Unterredung mit dem Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, sagte der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier, die Liga habe sich in den Entführungsfällen Susanne Osthoffs im Irak und der Familie des Ex-Staatssekretärs Jürgen Chrobog im Jemen "deutlich und wahrnehmbar" geäußert. Dies habe Wirkung gezeigt.

"Eine neue Dimension"

Abwartend äußerte sich Steinmeier zu den Friedensaussichten in Nahost. Nach seiner Unterredung mit dem ägyptischen Staatspräsidenten Husni Mubarak sagte er, beide Seiten hätten der Hoffnung Ausdruck gegeben, dass das Ergebnis der Wahlen in Israel im März 2006 sowie die bevorstehende Parlamentswahl in den palästinensischen Gebieten eine Fortsetzung der gemeinsamen Bemühungen um Fortschritte ermögliche. Ausdrücklich würdige er die positive Rolle Ägyptens im Friedensprozess. Das Zusammenwirken mit der EU bei der Kontrolle des Grenzübergangs Rafah habe dem gemeinsamen Friedensengagement "eine neue Dimension" verliehen.

Partner in der IAEO?

Sehr genau werden laut Steinmeier in der Region die Verhandlungen der Europäer mit dem Iran über dessen Atomprogramm wahr genommen. Er habe die Gestaltung der Verhandlungen erläutert und mit welchen Argumenten sich der Iran daraus zurückgezogen habe. Steinmeier versicherte, die EU sei weiterhin an einer diplomatischen Lösung interessiert: "Wir werden unser ganzes Gewicht einsetzen, sie auch zu erreichen," fügte er hinzu.

Zunächst kommt es laut Steinmeier auf eine Mehrheit im Gouverneursrat der Atomenergiebehörde IAEO an, die dann den Sicherheitsrat einschalten könne. In dem 53 Staaten umfassenden Gouverneursrat ist Ägypten seit September 2005 Mitglied. Ägypten versuchte bisher wie alle arabischen Staaten, eine offene Konfrontation mit Teheran zu vermeiden. In den arabischen Medien wird dem Westen ein "Doppelstandard" vorgehalten: Israel als Atommacht werde anders behandelt als der Iran.

"Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen"

Steinmeier besucht Buchmesse in Kairo

Deutschland ist Ehrergast auf der Buchmesse in Kairo

Auf der 38. Internationalen Buchmesse in Kairo betonte Steinmeier die vielfältigen Berührungspunkte zwischen der arabischen Welt und Europa. "Wir Europäer verdanken der arabisch-muslimischen Welt viel. Sie hat einen enormen zivilisatorischen Beitrag zu unserer kulturellen und wissenschaftlichen Entwicklung geleistet", sagte Steinmeier auf der größten Buchmesse im arabischen Raum, auf der sich mit Deutschland erstmals ein Land als Ehrengast präsentierte.

Er erinnerte unter anderem an den Mittelalter-Schriftsteller Wolfram von Eschenbach, der in seinen Roman "Parzival" den Vater des Helden als treuen Lehnsmann des Kalifen von Bagdad habe sterben lassen. In seinem Roman "Willehalm" habe von Eschenbach zudem die große Liebe zwischen einem christlichen Ritter und einer muslimischen Prinzessin beschrieben. Auch in der Wissenschaft und der Philosophie habe Europa viel von arabisch-islamischen Einflüssen profitiert. "Was wäre beispielsweise die moderne Mathematik ohne das Dezimalsystem mit seiner Ziffer Null, einem Konzept, mit dem die Araber die Europäer bekannt machten?"

Der Minister würdigte das Streben der ägyptischen Gesellschaft nach Büchern. Nur eine Wissensgesellschaft werde in der Lage sein, an den Chancen der Globalisierung erfolgreich teilzunehmen. Steinmeier betonte die Notwendigkeit des gegenseitigen Verstehens zwischen der arabischen Welt und Europa und zitierte aus Goethes West-Östlichem Diwan: "Wer sich selbst und andere kennt, muss auch hier erkennen: Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen." (kas)

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