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Welt

Steinmeier im Libanon

Außenminister Frank-Walter Steinmeier bereist derzeit den Nahen Osten und die Arabische Halbinsel. Dabei besuchte er ein Flüchtlingslager im Libanon. Das Land leidet unter dem Bürgerkrieg in Syrien.

20 Kilometer vor der syrischen Grenze liegt Zahlé, hier kommen täglich tausend Flüchtlinge aus Syrien an. Sie stehen Schlange, um sich registrieren zu lassen - ohne Registratur gibt keine Lebensmittel-Marken, keine Möglichkeit zur Schule zu gehen, keine Unterstützung der Hilfsorganisationen.

Rami ist 15 Jahre alt und will eigentlich nur eins: Er will wieder nach Hause. Vor einem Jahr floh er mit seiner Familie aus Homs. Seitdem lebt er mit seinen Eltern, der Großmutter und drei Brüdern zusammen in einem Zelt. Vor zwei Montan kam noch Hoda, der Jüngste dazu. Rami hasst das Leben hier: "In Syrien haben wir in einem richtigen Haus gelebt. Wir hatten Freunde und Verwandte. Ich hatte ein eigenes Zimmer, einen Computer. Hier habe ich nichts. Das Leben hier ist langweilig und mies."

Syrischer Bürgerkrieg belastet den Libanon

Rami gehört zu den 140 syrischen Flüchtlingskindern, die mit der Kinderhilfsorganisation World Vision einen Aufruf an die Weltgemeinschaft gerichtet haben. Diesen Report haben sie dem deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier bei seinem Besuch überreicht, aufgeregte Jugendliche, die hoffen, dass die Welt ihnen aus ihrer Lage heraushilft. Den Flüchtlingen im Libanon geht es schlecht: Es fehlen Lebensmittel, es gibt im Gegensatz zu den großen, von der UN organisierten Lagern in Jordanien keine richtige Infrastruktur für die Flüchtlinge. Zu groß ist die Angst der Libanesen, dass sie bleiben.

Frank-Walter Steinmeier Flüchtlingslager im Libanon (Foto: dpa)

Die Kinder im Flüchtlingscamp möchten nach Hause

Vor drei Jahren hatte der Libanon vier Millionen Einwohner. Dann begann das Blutvergießen im Nachbarland. Eine Million Syrer sind inzwischen in den Libanon geflohen. Damit hat dieses kleine Land mehr Flüchtlinge als irgendein anderes Land auf der Welt aufgenommen - und droht daran wirtschaftlich und sozial in die Knie zu gehen.

Libanon will Flüchtlinge zurückschicken

Der libanesische Außenminister Gebran Bassil kündigte nach seinem Gespräch mit Steinmeier an, dass seine Regierung rund 40 Prozent der syrischen Flüchtlinge als Wirtschaftsflüchtlinge behandeln werde: Sie kämen nicht aus den grenznahen Gebieten und hätten in andere Nachbarstaaten fliehen können. Diese Syrer, so Bassil, werde man in ihre Heimat zurückschicken. "Wenn das nicht geht, weil ihr Zuhause zerstört ist, wollen wir sie direkt im Grenzgebiet unterbringen."

Frank-Walter Steinmeier und Gebran Bassil im Libanon (Foto: reuters)

Frank-Walter Steinmeier (r.) und der libanesische Außenminister Gebran Bassil

Bei allem Respekt, den Frank-Walter Steinmeier den Leistungen des Libanons bei der Aufnahme von Flüchtlingen entgegenbringt, das geht seiner Überzeugung nach nicht: "Wir sind uns einig mit dem UNHCR, dass man für die Flüchtlinge, die alles verloren haben, Verantwortung übernehmen muss und sie nicht im Niemandsland unterbringen oder gar nach Syrien zurückschicken kann."

Steinmeier fordert stärkeres Engagement Europas

Vom Respekt aber kann der Libanon nicht überleben. Die 100 Millionen Euro, die Deutschland in den vergangenen drei Jahren an Unterstützung eingebracht hat, sind zu großen Teilen in die Flüchtlingshilfe geflossen, ein Teil allerdings auch in Infrastrukturmaßnahmen wie die Wasserversorgung. Die fünf Millionen Euro, die Steinmeier jetzt versprochen hat, bringen nicht wirklich viel. Das ist auch dem deutschen Außenminister klar: "Deutschland ist zwar mit 30.000 Flüchtlingen, die bei uns Aufnahme finden, an der Spitze Europas. Aber so, wie wir noch mehr leisten müssen, so müssen wir auch bei unseren europäischen Partnern dafür werben, dass sie mehr Flüchtlinge aufnehmen."

Am Ende geht es dann aber um etwas grundsätzlich anderes: Um Anstrengungen, den Auslöser der größten Flüchtlingskatastrophe der Neuzeit zu beseitigen. Gespräche darüber wird Steinmeier auf den nächsten Stationen seiner Reise führen, in Abu Dhabi und Katar. Die Kernforderung Ramis und der anderen syrischen Kinder an die Weltgemeinschaft ist da ganz klar: "Arbeitet zusammen, um die Krise in Syrien zu beenden. Wir wollen nach Hause."

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