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Deutschland

Steinbrück - Der Angreifer

Peer Steinbrück ist ein Meister der Rhetorik, ein Angreifer, ein Finanzexperte. Und er passt in die Zeit: Der Mann zur Krise. Angela Merkel hat mit ihm einen gefährlichen Herausforderer vorgesetzt bekommen.

Steinbrück hat sich vom "Peer wer?" zum "Peer weiß mehr!"-Image hochgearbeitet. Der Norddeutsche mit der scharfen Zunge ist kein typischer Politiker. Er kommt aus der Verwaltung und hat dort lange Jahre Chefpositionen bekleidet. Sein Kommandoton ist gefürchtet.

Schon des Öfteren sorgte er in der SPD mit seinem manchmal schneidenden Tonfall und dem Hang zum Sarkasmus für Unruhe. Seine parteiinternen Kritiker fürchten eine Neuauflage der Schröderschen "Basta-Politik" - und die steht für das Durchregieren auch in der eigenen Partei. Steinbrück ist keiner, der die wärmende Mitte der Partei sucht. Im Gegenteil: Es fehlt ihm der Stallgeruch der Genossen und er vermisst ihn auch nicht. Er liebt die Solistenrolle.

Nicht immer diplomatisch

Wenn der Hamburger Bürgersohn spricht, dann ist das eine Mischung aus Klartext mit Elementen der Umgangssprache. Das Ganze eingebettet in volkshochschulartigen Belehrungsstil. Das wirkt oft arrogant, ist aber auch unterhaltsam. Nur diplomatisch ist er nie. Die Linken seiner Partei bezeichnete er schon mal als Heulsusen (Wehleidige). Öfter als andere Politiker spricht er aus, was andere nur denken. Das kommt nicht überall gut an. Vielen in der bald 150 Jahre alten Traditionspartei ist Steinbrück zu abgehoben, zu bürgerlich, zu intellektuell. Doch er wird respektiert, nicht unbedingt von den Linken, die sehen in ihm zu sehr den marktorientierten Liberalen.

Der SPD-Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel (v.l.), der ehemalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD), und der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Bundestag, Frank-Walter Steinmeier, posieren im Willy-Brandt-Haus in Berlin (Foto: Michael Gottschalk/dapd)

SPD-Troika: Siegmar Gabriel (links), Peer Steinbrück (mitte), Frank-Walter Steinmeier (rechts)

Erst die Partei gewinnen, dann die Bundestagswahl

Bevor Steinbrück Angela Merkel im Wahlkampf besiegen will, muss er seine Partei hinter sich bringen. Am Wahlergebnis beim Sonderparteitag der SPD in Hannover (9.12.) wird man ablesen können, wie ernst es die Genossen mit Steinbrück an der Spitze gegen Merkel meinen. Eine Besonderheit in Steinbrücks Kandidatur liegt auch darin, dass der Mann aus der Troika (Gabriel, Steinmeier, Steinbrück) nun gemeinsam mit dem Parteichef und dem Fraktionsvorsitzenden Wahlkampf machen muss. Einzelgänger Steinbrück wird sich als Mannschaftsspieler beweisen müssen. Als Mann der Attacke muss er vor allem den Spagat zwischen den Agenda-Befürwortern der Schröder-Ära und den Linken hinbekommen, will er die Partei, die Mitglieder und die SPD-Wählerschichten komplett hinter sich bringen.

Reden als Stärke und Risikofaktor

Beim vermutlich zentralen Themenfeld des Wahlkampfes - der Eurokrise - wird es nur geringfügige Unterschiede zwischen Merkel und Steinbrück geben. Auch Steinbrück traut man das Schuldenmanagement zu. Mit seiner Finanzkompetenz könnte er sogar Beifall und Stimmen aus dem konservativen Lager ernten. Die Frage wird sein, wie das Großthema auf den Wahlkampfveranstaltungen präsentiert wird. Steinbrück, der gelernte Verwaltungsfachmann, hat nur wenig Erfahrung im Straßenwahlkampf. Er wird beim Händeschütteln auf Marktplätzen oft als kühl und distanziert empfunden.

Der designierte Kanzlerkandidat der SPD, Peer Steinbrück, spricht im Bundestag (Foto: REUTERS/Tobias Schwarz)

Peer Steinbrück in Redepose

Dennoch, seine Stunde schlägt, sobald er am Mikrofon steht. Er kann polarisieren, ein Publikum unterhalten, ja, sogar zum Lachen bringen. Das ist die eine Seite. Seine Stärke wird aber schnell zur Schwäche, wenn er beginnt zu dozieren. "Der redet von oben herab", heißt es dann. Das verprellt selbst Parteimitglieder. Denn die Mehrzahl der SPD-Getreuen sehen sich vor allem als Anwälte der Arbeiter, der kleinen Leute des unteren bis mittleren Mittelstandes. Steinbrück passt da biografisch nicht ins Partei-Schema.

Steinbrück und die Grünen - ein verkrachtes Verhältnis

Steinbrück liest viel - vor allem Krimis - und kann auch bei schöngeistigen Themen kompetent mitreden. Als 18-Jähriger trat er aus der evangelischen Kirche aus, da sie seiner Meinung nach zu oft auf der Seite der Mächtigen gestanden habe. Aus "moralphilosophischen Gründen" wurde er 2005 dann wieder Mitglied. Zu den Mächtigen gehört er inzwischen selbst.

Er wirkt selbstsicher - auch auf internationalem Parkett. Steinbrück kann durchaus auch im Merkellager punkten, seiner Fachkompetenz wegen. Zumal die politischen Unterschiede zwischen beiden nur gering sind. Sollte er die Kanzlerin in einem Jahr bei der Bundestagswahl tatsächlich ernsthaft gefährden können, stellt sich die Koalitionsfrage. Die SPD hat sich schon entschieden und will mit den Grünen ein Bündnis eingehen. Mit diesem Partner hatte Steinbrück als Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen stets Streit gesucht. Weltfremder Idealismus war einer seiner Standardvorwürfe an seinen damaligen Koalitionspartner.

Die Bildkombo zeigt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Kanzlerkandidaten der SPD, Peer Steinbrück, bei Reden im Bundestag in Berlin (Foto: Wolfgang Kumm/dpa)

Merkel und Steinbrück werden sich im Bundestagswahlkampf 2013 duellieren

Schülerjobs und Vortragshonorare

Zu den unbekannteren Details seiner Biografie zählen seine vielen Jobs, die er schon als Schüler hatte. Parkplatzwächter, arbeiten auf dem Bau, einer Gärtnerei und in einer Lotto-Annahmestelle. An das frühe Geldverdienen erinnern sich nun Kritiker, die ihm vorhalten, als Bundestagsabgeordneter und Ex-Minister ungebührlich viele und hohe Honorare für Vorträge eingestrichen zu haben. In drei Jahren immerhin mehr als 600.000 Euro. Als Kanzlerkandidat wird er sich diese Nebeneinnahmen verkneifen müssen.

Steinbrücks Erfolgsaussichten im Herbst 2013 hängen auch vom Verlauf der Konjunktur ab. Wenn sie sich - wie prognostiziert - abschwächt, spielt das Steinbrück in die Hände. Er könnte seine Wirtschafts- und Finanzkompetenz einbringen. Doch wahr ist auch, dass Angela Merkel gerade in der Krise auffällig gute Bewertungen bekommt - nicht nur von CDU-Anhängern.

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