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Asien

Steigender Kindesmissbrauch in Afghanistan

Kindesmissbrauch in Afghanistan wird durch Armut der Familien begünstigt. Experten und Aktivisten verlangen neben sozialpolitischen Maßnahmen vor allem hartes Durchgreifen gegen die Täter.

Anlässlich des Internationalen Kindertages hat die afghanische Regierung auf die Lage von sechs Millionen afghanischen Kindern aufmerksam gemacht, deren Lebensumstände als "kritisch" bezeichnet werden. Diese Kinder leisteten Kinderarbeit und seien häufig Opfer von sexuellem Missbrauch.

Eine misshandeltes und verletztes fünfjähriges Mädchen im Krankenhaus von Masar-i Scharif (Foto: Afghan Eyes)

Eine misshandeltes und verletztes fünfjähriges Mädchen im Krankenhaus von Masar-i Scharif

Erst vor einigen Tagen wurde bekannt, dass ein dreijähriges Kind in der nördlichen Provinz Takhar missbraucht wurde. In der Nachbarprovinz Balkh vergewaltigte ein 22jähriger Mann ein fünfjähriges Mädchen. In Afghanistan ist es nicht ungewöhnlich, dass sogar schon Dreijährige an die spätere Arbeit in Ziegeleien oder beim Straßenverkauf herangeführt werden. In der Provinz Herat im Westen des Landes wurden in diesem Jahr mehr als 70 Fälle von sexuellem Missbrauch Minderjähriger bekannt, die Dunkelziffer dürfte weit höher sein.

"Laxe Justiz begünstigt Taten"

Psychologie-Professor Ustad Sharafuddin Azimi von der Universität Kabul kritisiert die Regierung und verlangt konsequente Verfolgung der Täter,  auch Verhängung der in Afghanistan für solche Fälle vorgesehenen Todesstrafe. "Die Ursache für die steigende Zahl von Kindesmissbrauchsfällen ist, dass das Gesetz nicht konsequent verfolgt wird. Jeden Tag hören wir von neuen Fällen, aber niemand wird zur Rechenschaft gezogen. Niemand wird zum Tod durch den Strang verurteilt oder überhaupt bestraft."  Durch diese Laxheit der Justiz würden potentielle Täter ermutigt, da sie wissen, dass sie keine Strafe zu befürchten haben, so Azimi.

Soziales Problem

Kinder im Hof einer Ziegelei in Dschalalabad (Foto: Reuters)

Kinder im Hof einer Ziegelei in Dschalalabad

Azimi verlangt aber auch vom zuständigen Ministerium für Arbeit und Soziales, tätig zu werden. Denn vor allem dort, wo minderjährige Kinder arbeiten, sei die Gefahr des Missbrauchs am höchsten, weil sie keine Rechte hätten und sich niemand für sie einsetzte. Viele dieser Kinder seien die einzigen Ernährer der Familie. Ali Eftekhari, Sprecher des Ministeriums, verspricht das Problem an der Wurzel zu packen. "Den Familien müssen wir vom Ministeriums aus mit Ausbildungsprogrammen Zugang zu Bildung verschaffen und damit zu Arbeit. Dann haben sie eine wirtschaftliche Perspektive und können ihren Kindern eine Zukunft bieten."

"Staat in der Pflicht"

Die afghanische Organisation "Taghir Karwan" (Kampagne für Veränderung) engagiert sich gegen den Missbrauch von Kindern. Auch sie verlangt, dass die Regierung aktiv gegen sexuelle Gewalt an Kindern vorgeht. Allerdings sei mehr noch als Armutsbekämpfung die konsequente Bestrafung der Täter wichtig. "Wenn jemand ein Kind missbraucht oder ihm Gewalt antut, ist die Polizei verpflichtet, den Täter bis vor das Gericht bringen und ihn nicht auf halbem Wege freizulassen, egal, ob er Macht oder viele Anhänger hat oder aus irgendeinem anderen Grund", fordert Mohammad Rahim Jami von der Kampagne für Veränderung. Staatsanwaltschaft und Justiz müssten ihre Arbeit hundertprozentig tun.

Am Montagmorgen (20.11.2012) bestätigte ein Sprecher von Präsident Hamid Karsais, dass zehn Schwerverbrecher gehenkt werden sollen, darunter auch Täter, die Kinder sexuell missbraucht haben.

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