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Globale Zusammenarbeit

Steigende Preise und Hunger im Senegal

Die hohen Lebensmittelpreise zeigten bereits im vergangenen Jahr ihre Auswirkungen im westafrikanischen Senegal. Bereits 2011 zeichneten sich dramatische Auswirkungen ab: Hunger und immer größere soziale Unterschiede.

Dakar, Senegal, april 19th 2008. The soaring cost of staple foods and the resulting hunger crisis. Men load a truck with bags of rice from Thailand. They will be divided into different regions in Senegal. Foto: Maxppp De Poulpiquet +++(c) dpa - Report+++

Hunger im Sahel Bildergalerie Senegal

Tausende Menschen haben sich im Zentrum der senegalesischen Hauptstadt Dakar zu einer Demo versammelt. Sie protestieren gegen die ständig steigenden Lebensmittelpreise. Viele der Demonstrantinnen sind Frauen. Das überrascht nicht, denn schließlich sind es die Hausfrauen, die trotz der hohen Preise die Familie satt bekommen müssen. Touti Samb ist eine der Demonstrantinnen. Die Hausfrau ist gekommen, weil sie die Nase voll hat: "Lebensmittel sind so teuer: Reis, Tomaten, alles! Ich tue, was ich kann, um jeden Tag etwas zu essen auf den Tisch zu bringen!"

Frauen im Senegal nach dem Markt. Copyright: Babou Diallo

Vielen Hausfrauen bereitet das Einkaufen Kopfzerbrechen

Einem Bericht der Weltbank zufolge kostete Nahrung im Jahr 2011 im weltweiten Durchschnitt 36 Prozent mehr als im Vorjahr. Doch auch wenn das Problem global ist, für Alioune Tine, Präsident der Menschenrechtsorganisation RADDHO (Rencontre africaine pour la défense des droits de l'homme) im Senegal, sieht den Staat in der Verantwortung. Er betont, dass das Recht auf Nahrung ein Menschenrecht ist: "Und wer an der Staatsspitze arbeitet, hat meiner Ansicht nach dafür zu sorgen, dass die Bevölkerung genug zu essen hat." Er selbst hat allerdings große Zweifel daran, dass das funktioniert: "Die meisten Krisen in Afrika entstehen aus der Unfähigkeit der Staaten, diesen Herausforderungen zu begegnen."

Kluft zwischen Elite und Mittelschicht wächst

Im Senegal, betont er, bestehe ein regelrechter Graben zwischen der Elite und dem Rest der Bevölkerung: Die Elite, eine Minderheit, müsse auf nichts verzichten. Doch schon für die Mittelschicht stelle die Versorgung ein ernsthaftes Problem dar: Oft könnten sich diese Menschen nur noch eine Mahlzeit am Tag leisten.

Trotz eigenen Reisfeldern, wird das Nahrungsmittel importiert. Foto: (FEPRODES microfinance agency)

Trotz eigenen Feldern ist das Hauptnahrungsmittel Reis knapp

Wie die Familie Ndiaye in der senegalesischen Hauptstadt Dakar. Wenn Fatou Bintou Ndiaye das Nationalgericht des Senegals für ihren Mann, ihre drei Kinder und den Rest der Großfamilie kochen möchte - Reis mit Fisch -, dann braucht sie für einen gelungenen Thiébou Diène Reis, Fisch, viel Öl, Tomatenmark und frisches Gemüse: Zwiebeln, Möhren, Kohl und Auberginen. "Aber die sind so teuer geworden", klagt sie. Manche Lebensmittel sind zu richtigen Luxusgütern geworden. "Auf dem Markt steigen die Preise von einem auf den anderen Tag! Ein Kilo Gemüse, das heute 400 Francs kostet, kann morgen schon das Doppelte oder gar das Dreifache kosten!"

Täglich harte Verhandlungen

Laut Weltbank kommen beim Preisanstieg mehrere Ursachen zusammen: höhere Treibstoffkosten, schlechte Ernten und gestiegene Biotreibstoffproduktion, die die verfügbaren Anbauflächen für Nahrungsmittel schrumpfen lässt. Das Problem in vielen Ländern Afrikas - und damit auch im Senegal: Die Menschen dort sind von steigenden Nahrungsmittelpreisen stärker betroffen als in Industrieländern, weil sie anteilig mehr von ihrem Einkommen für Lebensmittel ausgeben.

Reis, Bohnen oder Erdnüsse - viele Lebensmittel im Senegal sind horrend teuer. (Foto: DW/Babou Diallo)

Bohnen oder Erdnüsse - im Senegal mittlerweile horrend teuer

Auf dem Markt wird daher hart verhandelt. Jeden Tag bekommen die Kunden und die Händler die Preisschwankungen mit. Die Händler müssen sich rechtfertigen, für Preise, die nicht sie bestimmen, sondern der Weltmarkt. "Die Regierung muss endlich etwas unternehmen", sagt einer von ihnen. "Sie könnte wenigstens einige Lebensmittel subventionieren. Aber keiner kann von uns Händlern verlangen, dass wir die Produkte für den Einkaufspreis weiterverkaufen. Für uns sind Nahrungsmittel auch teuer geworden", so der Händler.

Der Staat schaut zu

Für den Menschenrechtler Alioune Tine sind es vor allem die Spekulanten, die von den hohen Preisen profitieren. Hinzu komme allerdings, dass manch einer Vorräte anlege und diese erst verkaufe, wenn das Angebot niedrig, die Nachfrage aber hoch sei. "Der Staat hat den radikalen Preiserhöhungen meist keine effektiven Mittel entgegenzusetzen", so Tine. Das liege zum einen an der Struktur der Verwaltung, zum anderen aber auch daran, dass einige Beamte korrupt seien: "Manchmal verschließen die eben einfach die Augen vor dem, was sie sehen."

Bislang haben die Klagen und Demonstrationen der Bevölkerung wenig Effekt. Dennoch lassen sich die Aktivisten der Bewegung "Es reicht" nicht entmutigen. Sie hatten zu der Demonstration im Zentrum von Dakar aufgerufen, bei der sich kürzlich Tausende öffentlich über die hohen Preise im Senegal empörten. Das Bündnis ist seit Januar aktiv - gegründet von Mitgliedern der bekannten Rap - Gruppe "Keur gi". Sie wollten gegen die teure Lebenshaltung mobil machen und sich für die Rechte der Bürger einsetzen.

Babou Diallo: Freier Korrespondent der DW im Senegal (Foto: Sandrine Blanchard)

DW Reporter Babou Diallo

Menschenrechtler Alioune Tine unterstützt das Ansinnen des Bündnisses und die Forderungen der Demonstranten. Für ihn ist klar, dass die Regierung handeln muss: "Es geht um eine Vision für die Politik: Priorität muss sein, das Recht der Menschen auf Nahrung zu sichern. Die Preise müssen so sein, dass sich jeder satt essen kann."