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Aktuell Nahost

Steht Syrien vor der Katastrophe?

Leid und Not unter der Bevölkerung in Syrien sind inzwischen so groß, dass internationale Organisationen eine Katastrophe befürchten. Syriens enger Verbündeter Russland pumpt dennoch weitere Waffen in das Land.

Das Rote Kreuz hat seine Forderung nach einer täglichen Kampfpause nochmals untermauert. Vertreter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) trafen sich in Genf mit Repräsentanten der syrischen Führung und der Aufständischen.

"Wir sind zutiefst besorgt über die humanitäre Lage", sagte IKRK-Sprecher Bijan Farnoudi. In den von der Armee besonders belagerten Regionen wie der Protesthochburg Homs trauten sich die Menschen kaum noch auf die Straße. Eine Gefechtspause sollte nach Einschätzung der Helfer mindestens zwei Stunden dauern, damit die Mitarbeiter des IKRK und des Syrisch-Arabischen Roten Halbmonds Verletzte in Sicherheit bringen und die Bevölkerung mit Medikamenten und Lebensmitteln versorgen können.

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Flucht - Syrer suchen Schutz im Libanon

Die oppositionelle Freie Syrische Armee (FSA) zeigte sich zu einer derartigen Gefechtsunterbrechung bereit. Vertreter des Regimes unter Staatschef Baschar al-Assad äußerten sich bislang nicht.

Zwei Journalisten getötet

Assad-Soldaten setzten auch am Mittwoch ihre militärischen Angriffe gegen Hochburgen der Opposition fort. Dabei sind in Homs zwei westliche Journalisten getötet worden. Wie das syrische Netzwerk für Menschenrechte berichtet, beschossen syrische Streitkräfte ein Haus im Stadtteil Baba Amro, in dem sich die US-amerikanische Redakteurin Marie Colvin und der französische Fotograf Remi Ochlik befanden. Auf der Flucht wurden sie dann nach Augenzeugenberichten von einer Rakete getroffen. Colvin arbeitete für die britische "Sunday Times". Beide Journalisten galten als erfahrene Berichterstatter. Sie waren zuvor bereits in mehreren Kriegsgebieten gewesen.

Nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten wurden bereits am Dienstag landesweit mindestens 100 Menschen getötet, 56 allein in der Provinz Homs. Nach Informationen der Opposition sollen Regierungstruppen sogar 27 junge Männer gezielt getötet haben. Die Taten hätten sich in den drei Dörfern Idita, Iblin und Balschon in der nördlichen Provinz Idlib an der Grenze zur Türkei ereignet. Das Netzwerk für Menschenrechte sprach von einem Massaker, da die Männer verfolgt und nach ihrer Festsetzung erschossen worden seien.

Fällt Homs in Kürze?

Oppositionelle bezeichneten den Dienstag als einen der heftigsten Angriffstage seit Beginn der Belagerung der Stadt Homs Anfang Februar. Auf das Stadtviertel Baba Amro wurden wieder unzählige Grananten abgefeuert. Anwohner schickten entsprechende Live-Bilder via Handy an arabische TV-Sender. Sie berichteten von Aufklärungsflügen über der Millionenstadt. Der Syrische Nationalrat, der Dachverband der Opposition im Exil, warnte, die Armee bereite mit dem Dauerbeschuss die Erstürmung von Homs vor.

Auch die Protesthochburg Hama, die wie Homs im Westen Syriens liegt, ist abgeriegelt. Soldaten, Polizisten und Assad-treue Milizen haben laut Anwohnern Barrikaden errichtet, um die einzelnen Stadtteile voneinander zu trennen.

UN fordern Freilassung von Journalisten

Die Vereinten Nationen sorgen sich um mehrere inhaftierte Oppositionelle und Journalisten und forderten ihre sofortige Freilassung. Sie wurden am vergangenen Donnerstag mit verbundenen Augen abgeführt. Zuvor hatten Sicherheitskräfte das Syrische Zentrum für Medien und Freie Meinungsäußerung überfallen. Unter den Verschwundenen sind der Chef des Zentrums, Masen Darwich, der Internet-Blogger Rasan Ghasawi und mindestens 14 weitere Regierungskritiker.

Russische Waffen - ein Exportschlager

Unterdessen gerät Russland, seit Jahrzehnten der größte Waffenlieferant Syriens, international immer mehr in die Kritik. Dennoch will sich Moskau das Geschäft mit dem engen Verbündeten nicht verbieten lassen. UN-Botschafter Vitali Tschurkin wies mit deutlichen Worten Vorwürfe zurück, Russland trage eine Mitschuld an der Verschärfung des Konflikts.

Nach Angaben ehemaliger Vertreter der syrischen Führung, die inzwischen die Seite gewechselt haben, stockte Russland seine Waffenlieferungen sogar noch auf. Allein 2011 sollen Waffen im Wert von knapp einer Milliarde Dollar exportiert worden sein. Darunter hätten sich auch Raketensysteme befunden.

se/li/wa (rtr, afp, dpa, dapd)

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