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Nahost

Steht "Mubaraks Schoßhündchen" Tantawi auf?

An Mohammed Hussein Tantawi führt in Ägypten derzeit kein Weg vorbei. Nach dem Rückzug von Präsident Husni Mubarak hält nun der Verteidigungsminister die Zügel in der Hand. Aber in welche Richtung lenkt er das Land?

Ägyptens Verteidigungsminister Tantawi trägt eine Uniform und grüßt militärisch (Foto: ap)

Ägyptens Verteidigungsminister Tantawi ist jetzt am Zug

Mohammed Hussein Tantawi ist bereits seit 20 Jahren Verteidigungsminister von Ägypten. Die große und mächtige Armee des Landes kennt er dementsprechend gut. Bereits seit mehr als einem halben Jahrhundert ist Tantawi Teil des Militärs. Während der Suez-Krise 1956 war er Heeresoffizier. Er erlebte im Dienste der Amee den Sechs-Tage-Krieg 1967 und den Jom-Kippur-Krieg 1973. Heute ist er 75 Jahre alt und leitet den mächtigen Militärrat, der nach dem Sturz Mubaraks die Entscheidungen in Ägypten trifft.

Von "Mubaraks Schoßhündchen"...

Ägyptens Verteidigungsminister Tantawi sitzt vor einer Wand mit goldenen Ornamenten (Foto: dpa)

Mohammed Hussein Tantawi bei einem Treffen in Kairo im Mai 2009

Der Verteidigungsminister gilt als Hardliner und als enger Vertrauter des gestürzten Präsidenten. So eng, dass er in US-Botschaftsdepeschen auch als "Mubaraks Pudel" oder "Mubaraks Schoßhündchen" bezeichnet wird. Als aufgeschlossener Modernisierer ist er bisher nicht in Erscheinung getreten. In einem US-Diplomatenbericht aus dem Jahr 2008, der von Wikileaks veröffentlicht wurde, wird Tantawi als "alt und dem Wandel abgeneigt" bezeichnet. "Mubarak und er konzentrieren sich auf die Stabilität des Regimes und den Erhalt des Status quo bis zum Ende ihrer Tage", heißt es in dem Bericht weiter. Wenig schmeichelhaft kommt die US-Botschaftsdepesche zu dem Schluss, dass Tantawi mit seiner "Inkompetenz das Militär gegen die Wand fahren" würde. Er sei ein "Haupthindernis, die Mission des Militärs auf künftige Bedrohungen der Sicherheit auszurichten". Genau wie Mubarak habe der Verteidigungsminister "einfach nicht die Energie, die Neigung oder die Weltsicht, um die Dinge anders zu machen."

Ob ihm wirklich die nötige Energie, Neigung und Weltsicht fehlen, wird sich in der nächsten Zeit zeigen. Denn nun ist es an Tantawi und seinem Militärapparat, die Zukunft Ägyptens zu organisieren. Erste vorsichtige Akzente hat er bereits gesetzt.

...zum eigenständigen Reformer?

Ägyptens Verteidigungsminister Tantawi umringt von Soldaten auf dem Tahrir-Platz (Foto: dpa)

Tantawi spricht mit Demonstranten auf dem Tahrir-Platz am 04. Februar 2011

Am Freitag (11.02.2011), dem Tag an dem Mubarak sich zurückgezogen hatte, erklärte Tantawi, dass die Armee den "Willen des Volkes" achten werde. Einen Tag später erklärte der oberste Militärrat unter seiner Führung, dass er sich an alle internationalen Abkommen halten werde - auch an den Friedensvertrag mit Israel von 1979. In diesem Punkt setzt Tantawi also auf Kontinuität. Gleichzeitig muss er aber auch den Wandel begleiten beziehungsweise ihn aktiv mitgestalten. Erste Äußerungen lassen vermuten, dass er es ernst meinen könnte. So erklärte am Samstag (12.02.2011) ein Sprecher des Oberkommandos im ägyptischen Fernsehen: "Die Macht wird friedlich übergeben, sobald die Umstände es erlauben, dass in freien Wahlen eine demokratische Regierung gewählt wird."

Vorschusslorbeeren hat Tantawi bereits erhalten. Als er nach Mubaraks Rücktritt an einer Menschenmenge vorbeifuhr, ist er von dieser freudig begrüßt worden. Die Armee als Beschützer der Volkes genießt hohen Respekt bei den Ägyptern. Woher diese Hochachtung stammt, zeigte sich als sich die Armee zwischen prügelnde Mubarak-Anhänger und Regierungskritiker gestellt hatte und die Forderungen der Regierungskritiker als "legitim" bezeichnet hatte. Von dem positiven Image profitiert auch der Verteidigungsminister. Und auch die USA, die in ihren Botschaftsdepeschen generell nicht mit Kritik sparen, gestehen Tantawi immerhin zu, "charmant und taktvoll" zu sein.

Demonstranten mit Decken liegen an Panzer gelehnt (Foto: Xu Jinquan)

Die ägyptische Armee gilt als Beschützer des Volkes. Hier schlafen Demonstranten auf dem Tahir-Platz vor den Ketten der Panzer.

Ein weiterer Anhaltspunkt, dass Mohammed Hussein Tantawi den Willen des Volkes ernst nimmt, ist ein Dekret, das am Dienstag (15.02.2011) veröffentlich wurde. Wie die amtliche Nachrichtenagentur Mena berichtet, bestätigte der Verteidgungsminister darin den pensionierten Richter Tarik al-Bischri als Vorsitzenden des Verfassungsausschusses. Dieser soll innerhalb von zehn Tagen das neue Grundgesetz ausarbeiten. Bereits am Montag (14.02.2011) hatte der zur Opposition gehörende Google-Manager Wael Ghonim nach Gesprächen mit den Militärs erklärt, dass eine Volksabstimmung über die geplante Verfassungsreform bereits in zwei Monaten abgehalten werden solle. Wenn dem so sein sollte, dann hätte sich "Mubaraks Pudel" endgültig von dessen Schoß erhoben.

Autor: Marco Müller (dpa, afp, rtr)
Redaktion: Thomas Kohlmann

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