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Wirtschaft

Steht der Aufschwung vor der Tür?

Nicht nur die deutsche Wirtschaft stagniert, die gesamte Weltwirtschaft steckt in der Flaute. Doch erste positive Anzeichen lassen bei Wirtschaftsbossen und Verbrauchern Hoffnung aufkeimen. Karl Zawadzky kommentiert.

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In den USA befinden sich die Geld- und die Finanzpolitik bereits seit längerer Zeit auf stark expansivem Kurs. Europa schließt sich dem mehr und mehr an. Nicht mehr Gesundsparen ist die Leitidee der Finanzpolitik, nicht mehr die Einhaltung der Stabilitätskriterien für den Euro steht in Deutschland und Frankreich an vorderer Stelle. Nach und nach setzt sich die Überlegung durch, dass ohne Wirtschaftswachstum viele Probleme nicht zu lösen sind – wie etwa im Sozialbereich und in der Haushaltspolitik.

Wirtschaftswachstum ist nicht alles, aber ohne Wirtschaftswachstum ist alles nichts. Um die Wachstumskräfte zu stärken, hat die Europäische Zentralbank die Leitzinsen gesenkt. In Deutschland, der stärksten Wirtschaftsmacht in Europa, befinden sich kräftige Steuersenkungen in Vorbereitung. Fast noch wichtiger ist, dass hier zu Lande endlich die lange überfälligen Reformen der sozialen Sicherungssysteme in Gang gekommen sind. Die vermeintlich so nüchterne Wirtschaft besteht nämlich nicht nur aus Produkten, Zahlen und harten Fakten, sondern aus Menschen, die in ganz erheblichem Maß Stimmungen unterliegen. Dies ist seit langem bekannt. Denn: Erfolgreiche Wirtschaftspolitik besteht zu ganz erheblichen Teilen aus angewandter Psychologie.

Wenn der Staat mit seinen Mitteln, im konkreten Falle mit Steuersenkungen und Sozialreformen, die Wirtschaft stimuliert , wächst die Hoffnung auf einen Aufschwung. Überlagert diese Hoffnung die nach wie vor triste Gegenwart, dann setzen sich die wirtschaftlichen Wachstumskräfte durch. Das ist nur eine Frage der Zeit. Vielleicht schon in diesem Herbst, spätestens aber im kommenden Jahr wird die deutsche Wirtschaft wieder wachsen. Vor allem wird das so kommen, weil auch in den anderen großen europäischen Ländern die Wachstumskräfte gestärkt werden und weil insbesondere auch in den USA die Wirtschaftspolitik die Weichen auf einen Expansionskurs gestellt hat.

Deutschland, das lässt sich erfreulicherweise feststellen, kommt nicht nur wirtschaftlich aus dem Stimmungstief. Der Glaube an die Reformfähigkeit der Politik nimmt zu - und dies aus gutem Grund. Denn bei wichtigen Projekten - von der Reform des Gesundheitswesens bis zur Neuordnung der Finanzbeziehungen zwischen dem Bund, den Ländern und Gemeinden - zeichnet sich, wenn auch überlagert von politischem Streit, eine Kooperation von Regierung und Opposition ab.

Regierung und Opposition haben nicht nur den Ernst der Lage erkannt, sondern sich auch aufgemacht, die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft zu verbessern. Dazu zählen niedrigere Steuern ebenso wie die Absenkung der Lohnnebenkosten der Betriebe.

Es werden aber nicht nur Wettbewerbsfähigkeit und Investitionskraft der Unternehmen gestärkt, sondern auch die Verbraucher werden im kommenden Jahr mehr Geld zur Verfügung haben. Der Optimismus wird das Angstsparen verdrängen: Die Verbraucher werden weniger auf die hohe Kante legen, die Sparquote wird sinken, dafür wird der private Konsum zunehmen. Das ist wichtig für die Konjunktur, denn der private Konsum macht in Deutschland etwas mehr als die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts aus.

Kommen in der Folge einer weltwirtschaftlichen Belebung dann noch die Exporte auf höhere Touren, steigt die Kapazitätsauslastung der Betriebe weiter an und nimmt die Investitionsbereitschaft in den Unternehmen zu. Immer mehr spricht dafür, dass dies so kommt. Bedingung ist, dass externe Schocks ausbleiben und dass die auf den Weg gebrachten Steuersenkungen und Sozialreformen zügig und erfolgreich zu Ende geführt werden.

  • Datum 04.08.2003
  • Autorin/Autor Karl Zawadzky
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  • Permalink http://p.dw.com/p/3wXa
  • Datum 04.08.2003
  • Autorin/Autor Karl Zawadzky
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