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Wirtschaft

Steht China kurz vor einer Yuan-Aufwertung?

Die USA werfen China vor, sich durch einen künstlich niedrig gehaltenen Yuan Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. In den monatelangen Währungsstreit zwischen den zwei Großmächten scheint jetzt Bewegung zu kommen.

100-Yuan-Scheine werden gezählt (Foto: AP)

Um die chinesische Währung Yuan wird seit Monaten gestritten

Während in den USA kaum jemand Zweifel hegt, dass die Volksrepublik China ihre Währung manipuliert, sehen es die Experten in Europa differenzierter. So auch Rolf Langhammer, Vizepräsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel. Die Frage, ob China Währungsmanipulation betreibt, beantwortet er mit einem eindeutigen "Nein". Das Land betreibe sicherlich eine gezielte Förderung der Exportindustrie. Und dafür werde auch der Wechselkurs eingesetzt. Aber die Frage der Manipulation des Wechselkurses "messen wir als Ökonomen bei Vollbeschäftigung und wenn man keine Vollbeschäftigung hat, dann stellt sich das Urteil etwas anders dar", sagt Langhammer.

Von einer Vollbeschäftigung ist China weit entfernt; in der Wirtschaftskrise verschlechterte sich die Lage vor allem für die über hundert Millionen Wanderarbeiter. Als Teil eines Maßnahmenpakets hatte die Zentralregierung im Sommer 2008 die feste Dollar-Kopplung wieder eingeführt und damit eine drei Jahre währende Aufwertung gegenüber dem Dollar gestoppt. Dadurch sollen die Arbeitskosten niedrig gehalten und der Export begünstigt werden. Langfristig soll die Wachstumsbasis vom Export auf Binnennachfrage umgestellt werden.

Die Frage ist nicht ob, sondern wieviel

Prof. Rolf Langhammer, Vizepräsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel (Foto: dpa)

Prof. Rolf Langhammer, Vizepräsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel

Auch im Heimatland des Yuan wird nicht daran gezweifelt, dass der Kurs unter seinem Wert liegt. Die Frage ist wie viel. Schätzungen gehen von zehn bis 40 Prozent aus: "Die 40 Prozent teile ich auf keinen Fall. Vielleicht sind es zehn bis 15 Prozent", sagt Ökonom Langhammer.

Um den Aufwertungsdruck zu begegnen, kauft China weitere US-Staatsanleihen. Im Moment hält Peking 900 Milliarden Dollar Schuldscheine und ist damit der größte Gläubiger der US-Regierung. Die dank der Handelsüberschüsse angehäufte Devisenreserve beträgt inzwischen 2,4 Billionen Dollar. Damit verfügt China über ein Drittel aller Devisenreserven auf der Welt.

Säbelrasseln zwischen den zwei Großmächten

Eine chinesische Verkäuferin in einem Unterwäsche-Laden (Foto: AP)

Chinesische Waren überschwemmen den US-Markt und vernichten Arbeitsplätze - so die gängige Meinung in den USA

Gerade in Krisenzeiten sorgt das für Streit mit den Defizitländern, allen voran den USA. Studien zufolge sollten zwischen 2001 und 2007 2,3 Millionen Arbeitsplätze durch Handelsungleichgewicht mit China verloren gegangen sein. Mit einer Arbeitslosigkeit von knapp zehn Prozent schüren solche Zahlen Emotionen. Mehr als hundert Kongressabgeordnete drängten Präsident Barack Obama kürzlich, China als Währungsmanipulator zu brandmarken. Drohungen aus Peking ließen nicht lange auf sich warten.

Dem verbalen Kräftemessen zwischen der größten und der drittgrößten Volkswirtschaft auf der Welt haben die Europäer im Stillen zugeschaut. Mit Kritik an die Pekinger Adresse haben sie sich zurückgehalten, mit gutem Grund, meint Rolf Langhammer: "Zurzeit ist der Euro schwach gegenüber dem Dollar und das bedeutet, dass der Euro auch relativ schwach gegenüber dem Yuan ist. Das begünstige deutsche oder europäische Exporte nach China und mache Importe aus China etwas teurer, so der Ökonom weiter.

Die wahren Leidtragenden des schwachen Yuan sind eher in Schwellenländern zu suchen. Je stärker sie in Konkurrenz zu China stehen, desto mehr spüren sie den chinesischen Wettbewerbsdruck.

Auf Gedeih und Verderb miteinander verbunden

Symbolbild Weltmächte USA China: Adler und Drache

Der Adler und der Drache sind aufeinander angewiesen

Die USA leiden einerseits unter der Pekinger Währungspolitik, da die amerikanischen Produkte im Wettbewerb zu den chinesischen einen Preisnachteil haben; andererseits profitieren die Amerikaner im gleichen Maße von dem Status-Quo, da die Chinesen durch Zukäufe US-Anleihen die Stabilität für den Dollar garantieren. Beide Länder seien gegenwärtig in einem Dollar-Währungsblock verklammert, meint Rolf Langhammer: "Sowohl die Amerikaner als auch die Chinesen haben kein Interesse daran, dass der Dollar unkontrolliert in einen Sinkflug übergeht. Die Chinesen haben kein Interesse, weil der Wert ihrer Devisenreserve dann deutlich geringer würde. Die Amerikaner müssten deutlich höhere Risikoprämien zahlen, um weiterhin Kapital ins Land zu ziehen."

Das würde den Aufschwung dort, der auf niedrigen Zinsen basiert, im Keim ersticken.

Eine kontrollierte und langsame Yuan-Aufwertung wäre also der einzig gangbare Weg. Sie liegt im Übrigen auch im Interesse Chinas, denn der niedrige Yuan-Kurs entzieht Konsumenten Kaufkraft, die überhöhten Importpreise und das in Aufwertungserwartung ins Land geflossene Kapital heizen die Inflation an.

Ende des Währungsstreits in Sicht?

Stapel chinesisches Geld (Foto: picture-alliance/Newscom)

Bald könnte der Yuan - auch Renminbi genannt - mehr wert sein

Paradoxerweise sind die Amerikaner, die lautstark eine Aufwertung fordern, das Haupthindernis für solch einen Schritt, denn China will sich dem Druck nicht beugen. "Je mehr man drängt, desto mehr werden die chinesischen Politiker auf Durchzug schalten. Ich glaube, das ist auch in den meisten amerikanischen Kreisen inzwischen so verstanden worden, zumindest in der Regierung", sagt Langhammer weiter.

So hat Finanzminister Timothy Geithner Ende März verkündet, die Veröffentlichung des halbjährigen Weltwährungsreports zu verschieben, worin China Währungsmanipulation vorgeworfen werden könnte.

Gerade sind Handelszahlen in Peking bekanntgegeben, wonach China im März zum ersten Mal seit Jahren ein Handelsbilanzdefizit eingefahren hat. Das nimmt vorerst den Aufwertungsdruck weg und schafft gerade eine günstige Gelegenheit für solch einen Schritt. Experten rechnen mit einer Aufwertung von drei bis fünf Prozent binnen Jahresfrist. Für Rolf Langhammer, Vizepräsidenten des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel, ist die Höhe zweitrangig: "Es geht mehr um das Signal als um die Zahl selber. Also ich glaube schon, dass in nächster Zeit China etwas tun wird, und je weniger man darüber redet, desto schneller wird es passieren."

Autorin: Zhang Danhong
Redaktion: Henrik Böhme

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