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Porträt

Stefan Hell: Erfinder, Entwickler, Wegbereiter

Nobelpreisträger Stefan W. Hell hat wieder einen Grund zum Jubeln: Nach der Auszeichnung aus Schweden wird er nun am 28. Oktober 2014 in die Ruhmeshalle der deutschen Forschung aufgenommen.

Nobelpreis 2014 Chemie Stefan W. Hell 8. Oktober (Foto: Swen Pförtner/dpa).

Konnte sein Glück kaum glauben - Stefan W. Hell

Stefan W. Hell, den die Schwedische Akademie der Wissenschaften in diesem Jahr als mit dem Chemie-Nobelpreis ehrte, ist Grundlagenforscher - aber auch noch viel mehr. Seine Entdeckungen haben es möglich gemacht, Teilchen sichtbar zu machen, die viel kleiner sind als eine halbe Lichtwellenlänge. Die Wirkung seiner Entdeckung hat die Medizin revolutioniert.

Der Weg dorthin verlief sehr schnell: Stefan W. Hell, der kurz vor Weihnachten, am 23. Dezember, seinen 52. Geburtstag feiert, stammt aus Rumänien. Geboren wurde er in Arad, im Banat. Als 18-jähriger Student zog es ihn nach Heidelberg, wo er mit seinem Physikstudium begann. Viel Zeit vergeudete er nicht: 1987 schloss er mit 24 Jahren sein Studium ab und promovierte 1990 über die Abbildung von Mikrostrukturen in Mikroskopen.

Sein Ziel im Blick

Diesem Thema blieb er auch in den folgenden Jahren weiterhin treu: Als freischaffender Erfinder, als Postdoc am European Molecular Biology Laboratory in Heidelberg, als leitender Wissenschaftler bei der Mikroskopie-Forschungsgruppe der Universität Turku in Finnland und bei den Ingenieurwissenschaften der Universität Oxford ging es stets um die Verbesserung der Auflösung von Mikroskopen.

Jörg Bewersdorf , Professor für Zellbiologie an der Yale-University, erinnert sich, dass viele Kollegen in den 1990er Jahren gesagt hätten, Hells Ziel sei unerreichbar. Der Nobelpreis sei also auch eine "Belohnung dafür, dass er damals mit seiner Forschung durchgehalten hat." Hell sei ein "harter Arbeiter" gewesen. Oft habe noch um elf Uhr nachts das Licht in seinem Büro gebrannt.

Trotzt der vielen Forschungsaufenthalte an anderen Universitäten zog es Hell immer wieder nach Heidelberg zurück, wo er 1996 habilitierte und dann eine Nachwuchsgruppe mit Schwerpunkt "Optische Mikroskopie" aufbaute. Es folgten Arbeiten am Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie, wo er 2002 zum Direktor ernannt wurde. Und er leitet seit 2003 eine Abteilung für hochauflösende optische Mikroskopie am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg.

"Guter und unkomplizierter Chef"

Dort hat ihn der heutige Chef des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg, Ottmar Wiestler, kennengelernt. Gegenüber der Deutschen Welle sagte er, Hell sei "ein kluger Kopf, brillanter Wissenschaftler und ein Physiker der Grenzen gesprengt hat".

Christian Eggeling, Professor für Molekulare Immunologie und Wissenschaftlicher Direktor des Wolfson Imaging Centre Oxford beschreibt Hell als den "angenehmsten Chef", den er je hatte: "Hell war unkompliziert, in Meetings wurde auch viel gelacht und nicht nur über Wissenschaft gesprochen", erinnert sich Eggeling. Neun Jahre lang hatte er als Forscher mit Hell am Max-Planck-Institut zusammengearbeitet. "Seine größte Leistung ist es, das er durchgehalten und an seine Forschung geglaubt hat", sagt Eggeling - und das auch unter schwierigen Umständen.

Auch Volker Westphal von der Abteilung Nano-Biophotonik des Göttinger Max-Planck-Instituts kennt ihn gut. Er war zwölf Jahre lang als Postdoc Mitarbeiter von Stefan Hell. Zwar habe er jetzt nicht mit dem Nobelpreis gerechnet, aber Hell habe ihn allemal verdient: "Hell hat damit ein seit 150 Jahren geltendes, fundamentales Gesetz ausgehebelt", so der Chemiker.

Der Nobelpreisträger Erwin Neher hat es hingegen wohl schon geahnt: "Er hat es verdient. Ich habe erwartet, dass er irgendwann den Nobelpreis bekommt", sagte der Max-Planck-Biophysiker.

Empfehlung: Auf dem Boden bleiben!

Hell ist als Forscher zielstrebig. Als er den Anruf vom Nobelpreiskomitee erhielt, war er gerade dabei ein Forschungspapier durchzusehen. "Ich habe es zuerst für einen Scherz gehalten, aber dann ist mir klargeworden, dass es wohl wahr ist, " sagte er. "Dann habe ich den Absatz, den ich gerade gelesen habe, erst mal zu Ende gelesen."

Hell gibt Studenten auch den Rat, mit beiden Füßen auf dem Boden zu bleiben. In einem Interview, anlässlich der Fachmesse Laser World of Photonics empfahl er ihnen 2013: "Arbeitet an neuen Problemen oder auch an Problemen, denen andere den Rücken zugekehrt haben. Brecht das Problem herunter auf die Grundlagen. Hütet Euch vor Theorien, die das Problem 'am besten' beschreiben, weil die auch die Lösungen vernebeln."

Neben seinen Forschungs- und Lehrtätigkeiten an den Universitäten in Göttingen und Heidelberg kann sich Hell vor Arbeit und Ämtern jedenfalls heute kaum retten: Er engagiert sich im Laser Laboratorium und am European Neuroscience Institute in Göttingen, der Society for Optics in Life Sciences in Münster und tritt als Sprecher des Center Molecular Physiology of the Brain auf.

Stefan Hell ist auch Mitglied der Deutschen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, Ehrenmitglied der rumänischen Akademie und Träger einer sehr langen Liste von Preisen und Würdigungen - auch schon vor dem Nobelpreis: "Ich liebe es, Wissenschaftler zu sein. Ich habe es immer genossen, neugierig zu sein und herausfordernde Dinge anzugehen und herkömmliche Weisheiten herauszufordern. Das kann ein Wissenschaftler tun, weil er am Grenzbereich des Wissens arbeitet - und das macht Spaß."

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