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Politik

Stecknadel im Heuhaufen

Die Waffen-Inspekteure der Vereinten Nationen haben ihre Suche nach Massenvernichtungswaffen im Irak begonnen. Werden die Kontrollen erfolgreich sein? Peter Philipp kommentiert.

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Es wird wie die berühmte Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Knapp 100 Waffeninspektoren sollen in den nächsten zwei Monaten den Irak durchkämmen, um festzustellen, ob dort biologische, chemische oder auch nukleare Waffen entwickelt oder gelagert sind. Den Inspektoren, deren letzter Einsatz vor vier Jahren abgebrochen wurde, wird die Arbeit diesmal durch hoch technologisierte Geräte erleichtert. Und die Inspektoren sollen auch Zugang zu Moscheen und zu den Palästen von Iraks Staatschef Saddam Hussein bekommen. Aber niemand vermag vorauszusagen, ob diese neue Mission erfolgreicher sein wird als die letzte.

Was jedoch sicher ist: Es hängt mehr von ihr ab. Und dies ist das vielleicht größere Problem: Werden unerlaubte Waffen-Arsenale oder -Programme entdeckt, dann hat sich der UN-Sicherheitsrat bereits das Recht vorbehalten, "in angemessener Weise" darauf zu reagieren. Wobei "angemessen" für den einen bedeuten dürfte, die Funde
abzutransportieren oder zu zerstören, und für den anderen - in erster Linie US-Präsident George W. Bush - wären solche Funde das Grüne Licht für den Angriff auf den Irak.

So weit ist es freilich noch nicht. Aber die Aufnahme der
Inspektionen hat die Uhr in Gang gesetzt, die sich in den nächsten Wochen unerbittlich der "Stunde Null" entgegen drehen wird. Mit einigen wichtigen - und möglicherweise auch gefährlichen - Terminen auf dem Weg dorthin: So muss der Irak bis zum 8. Dezember eine Liste all der Projekte und Waffenlager vorlegen, die mit den gesuchten Waffensystemen in Verbindung stehen. Bisher hat Bagdad darauf bestanden, dass es solche nicht gebe, und weder Washington noch London haben ihm das abgenommen. Folgerichtig für den Irak wäre nun natürlich, dass er bis zum 8. Dezember keine Liste abliefert: Wo nichts ist, da kann auch nichts aufgelistet werden.

Die Nicht-Befolgung dieser Auflage aber könnte von Washington bereits als Verstoß gegen die UN-Resolution interpretiert und zum Anlass für den angedrohten Angriff genommen werden. Dass dies durchaus denkbar ist, lässt sich unschwer aus einer Erklärung des schwedischen Chefs der Waffeninspektoren Hans Blix ablesen: Die Beweispflicht liege auf Seiten der Iraker. Sie müssen beweisen, dass
sie keine verbotenen Waffen besitzen.

Der Irak kann sich kooperativ verhalten, er kann es unterlassen, den Inspektoren - wie beim letzten Mal - immer wieder neue Schwierigkeiten zu bereiten. Aber kann er "beweisen", dass nicht ist, was nicht ist (= dass er, wie behauptet, tatsächlich keine verbotenen Waffen besitzt)? Vorausgesetzt natürlich, die Beteuerungen aus Bagdad stimmen. Solch ein negativer Beweis kann wohl kaum angetreten werden. Und es ist deswegen kaum verwunderlich, dass irakische Offizielle die Sicherheitsrats-Resolution inzwischen offen als eine Falle kritisieren, die zuschnappen wird - ungeachtet der Tatsachen vor Ort.

Die Vergangenheit hat erwiesen, dass der Irak Saddam Husseins immer wieder die Welt zum Narren gehalten hat und es gibt bisher keinen Grund anzunehmen, dass es diesmal anders wäre. Sollte dies aber doch der Fall sein, dann hat die Welt sich mit der UN-Resolution selbst eine Falle gestellt und droht, wider besseres Wissen Washington in einen Irak-Krieg zu folgen. Und bei den besten Intentionen: Die Waffeninspektoren werden solch eine Entwicklung kaum verhindern können.