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Wissen & Umwelt

Staupe-Virus: "Es gibt nur Heilung oder Tod"

Frank Göritz, Tierarzt am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) erklärt im DW-Interview, warum der Staupe-Ausbruch bei den chinesischen Pandas so gefährlich ist.

Pandanachwuchs in Guangzhou, China

Viele Pandas in China stammen aus der Nachzucht. Die Geburt von Drillingen im Juli 2014 war eine echte Sensation!

Deutsche Welle:Überrascht Sie das, dass sich in China nun Pandas infiziert haben?

Frank Göritz: Was heißt überrascht,… es ist jedenfalls eine sehr traurige Nachricht. Aber die Staupe gehört nun mal zu den Viruserkrankungen, die Raubtierarten - wie auch unseren Fuchs, Dachs oder Marder, aber ganz besonders unseren Haushund - betreffen.

Und dieses Virus ist eben auch dafür bekannt, dass es im Wildtierbereich bestimmte Tierarten bis hin zur Ausrottung getrieben hat. Das bekannteste Beispiel hierfür ist der Schwarzfußiltis in Amerika, oder der Graufuchs.

Es ist eine Krankheit, die sehr ansteckend ist, schon lange im Haustierbereich bekannt ist, aber auch zunehmend für unsere Wildtiere eine Bedrohung darstellt.

Frank Göritz vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Foto: IZW/Frank Göritz)

Frank Göritz glaubt, dass in China richtig mit dem Fall umgegangen wird

Wie können sich denn nun die Pandas angesteckt haben - trotz der vermeintlich sicheren Zuchtstation, in der sie leben?

Also prinzipiell ist das Virus relativ empfindlich gegenüber Licht und Hitze. Damit ist es in der freien Umgebung nicht lange überlebensfähig. Das heißt also, dass ein direkter Kontakt notwendig ist. Zum Beispiel auch durch Gegenstände, die beschmutzt wurden, durch alle möglichen Körpersekrete. Da reicht es schon, dass ein infiziertes Tier im Bestand ist, oder es zum Beispiel Kontakt zu freilebenden Hunden - durch den Zaun etwa - gab. Auch der Mensch kommt als Zwischenstation für das Virus zwischen Hund und Panda infrage. Da sind viele, viele Möglichkeiten der Einschleppung möglich.

Was ist mit den Pandas in freier Wildbahn, könnten die sich auch infizieren?

Das wäre noch schlimmer. Denn da sind die Tiere viel schwieriger zu kontrollieren. Aber die Ansteckung von freilebenden Pandas ist unwahrscheinlicher als die Ansteckung in den Zuchtstationen. Denn die leben doch sehr isoliert, zurückgezogen in großen Höhenlagen, wo freilebende, streunende Hunde nicht so sehr Zugang zu haben.

Hunde werden gegen das Virus geimpft. Könnte man das nicht auch mit den Pandas machen?

Prinzipiell ja. Es existiert allerdings eine große Varianz bei den Wildtieren hinsichtlich der Wirkung dieses Impfstoffes. Wir haben über die letzten Jahre beobachtet, dass dieses ursprüngliche Staupe-Virus, wie es beim Hund vor vielen hundert Jahren bekannt war, sich weiterentwickelt und verändert hat. Kommerziell erstellte Impfstoffe hätten nicht immer den gewünschten Erfolg: entweder nicht die gewünschte Immunität, oder sie könnten sogar selbst zur Krankheit führen. Dem gegenüber sind einige Tiere sehr, sehr anfällig.

Ob man Wildtiere impfen soll oder besser nicht wird in der Wissenschaft heute noch immer stark diskutiert - und da weiß man eigentlich auch noch nicht genug über dieses Staupe-Virus bei den verschiedenen Wildtieren.

Was wären mögliche Vorbeugungsmaßnahmen, um so etwas in Zukunft zu vermeiden?

Man versucht immer, die Ansteckungsgefahr zu mindern und die Ansteckungswege zu vermeiden. In der Wildtier-Medizin wird Prophylaxe sehr groß geschrieben - die hat einen deutlich höheren Stellenwert als die Behandlung selber. Dazu gehören dann etwa ein bestimmter Hygieneplan oder Desinfektionsmaßnahmen, um die Infektionskette zu durchbrechen. Und trotzdem kann man eine Infektion nicht 100-prozentig ausschließen, weil dieses Virus durch so viele Wege übertragen werden kann.

Wie kann man die Verbreitung nun stoppen - und die infizierten Pandas heilen?

Die erkrankten Tiere muss man zu allererst separieren. Das ist in China schon geschehen. Und man muss die anderen Pandas sehr gut überwachen, um erste Anzeichen zu sehen und frühzeitig eingreifen zu können. Es gibt allerdings keine direkte Therapie - man kann nur die Symptome behandeln. Und die können sehr unterschiedlich sein. Das richtet sich nach Infektiosität des Erregers und nach dem Immunstatus des Tieres.

Glauben Sie, in China könnte die Sache noch mal gut ausgehen?

Der Ausgang dieser Erkrankung ist entweder Heilung oder Tod. Und leider ist es so, dass die Anzahl der infizierten Tiere, die sterben, oftmals sehr hoch ist. Es steht in den Sternen, wie der Ausgang dieser Geschichte sein kann.

Aber ich denke, dadurch, dass das Virus relativ früh erkannt wurde, viele Experten eingeflogen wurden und nun sehr stark an der Bekämpfung gearbeitet wird, ist man sich der Tragweite durchaus bewusst, um alle Maßnahme einzuleiten. Das ist der richtige Weg.

Das Interview führte Hannah Fuchs.

Frank Göritz ist leitender Tierarzt und Fachtierarzt für Zoo-, Gehege- und Wildtiere am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung.

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