1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wissen & Umwelt

EU-Öko-Design-Richtlinie: Besser Staubsaugen mit weniger Energie

Staubsauger brauchen immer weniger Strom und reinigen trotzdem gründlich. In der EU dürfen jetzt nur noch effizientere Geräte verkauft werden. Kritik gibt es an den Testmethoden. Sind die Vorgaben trotzdem ein Erfolg?

Staubsauger werden jetzt effizienter, leiser, haltbarer und sind sogar besser für die Raumluft. Ab dem ersten September gelten in der EU neue Mindestanforderungen. So dürfen in den Geschäften nur noch Staubsauger mit einer Leistung von höchstens 900 Watt verkauft werden, Ausnahmen gibt es nur noch für Restposten. Bisher lag der erlaubte Verbrauch von neuen Staubsaugern zum Beispiel bei 1600 Watt und bis August 2014 wurden sogar noch Staubsauger mit einer Leistung von über 2000 Watt beworben und auch häufig verkauft. 

Mit der Watt-Protzerei für angeblich gute Saugleistung auf den Verkaufsschildern ist es mit der neuen EU-Richtlinie nun endgültig vorbei: Nach Angaben der Stiftung Warentest reichen 900 Watt Motorenleistung für eine ordentliche Reinigung auch voll und ganz aus. "Die Mär, dass nur Kraftprotze mit 2000 Watt und mehr ordentlich reinigen, ist längst wiederlegt", sagen die Experten. Sie haben die neusten Modelle genau getestet: "Auch stromsparende Sauger nehmen Staub und Fasern erfolgreich auf, wenn Düse und Gerät gut konstruiert und optimal aufeinander abgestimmt sind", lautet das Ergebnis des aktuellen Staubsaugertests.

Orientierung beim Staubsaugerkauf gibt zukünftig vor allem das EU-Energielabel. Dieses gibt an wie effizient und sauber das Gerät saugt, wie laut es ist und wieviel Strom es im Jahresdurchschnitt verbraucht. Nach Berechnungen der Stiftung Warentest verursacht ein älterer Staubsauger mit 1500 Watt in Deutschland bei zwei Stunden Saugen pro Woche Stromkosten von rund 44 Euro pro Jahr. Ein Modell mit 750 Watt verbraucht die Hälfte und spart so 22 Euro im Jahr. Bei einer durchschnittlichen Geräte-Lebensdauer von acht Jahren wären das knapp 180 Euro. Das entspricht etwa dem Preis der günstigsten Staubsauger im Test.

Die neuen Staubsauger helfen folglich Energie und damit Kosten einzusparen. Darüber hinaus müssen sie durch höhere Mindestanforderungen auch eine bessere Saugleistung haben als die bisherigen Modelle, weniger Feinstaub in den Raum abgeben und weniger Lärm verursachen. 

Irmela Colaço, BUND-Expertin für Energieeffizienz (BUND.net)

Irmela Colaço, Expertin für Energieeffizienz beim BUND

Vom Austausch eines alten Modells durch ein neues rät Irmela Colaço vom Bund für Umwelt Deutschland (BUND) jedoch ab: "Einen Neukauf empfehlen wir nur dann, wenn der alte Staubsauger kaputt ist und nicht repariert werden kann. Denn die Energie und die Ressourcen, die für die Herstellung und Entsorgung aufgewendet werden müssen, sind weit höher, als die Energie, die während des Saugens verbraucht wird", erklärt Colaço. 

Lob und Kritik

Bei der sogenannten zweiten Stufe der EU-Ökodesign-Richtlinie hätte sich Colaço  jedoch noch ambitioniertere EU-Vorgaben für die Staubsauger gewünscht. "Wir haben eine Begrenzung der Staubsaugerleistung auf maximal 750 Watt vorgeschlagen. Mit dieser Leistung sind bei entsprechender Konstruktion sehr gute und gleichwertige Saugleistungen kein Problem", so die Expertin gegenüber der Deutschen Welle. 

Teppichboden Staubsauger Feinstaub (Colourbox)

Die Mindestanforderung für Saugkraft auf dem Teppichboden steigt mit der neuen EU-Verordnung um sieben Prozent.

Als positiv bewertet sie an der Richtlinie, dass neben weniger Energieverbrauch, besseren Mindestanforderungen für Saugleistung, Lärm und Staubemissionen Saugschlauch und Motor so konstruiert werden müssen, dass diese bei einem durchschnittlichen Gebrauch mindestens fünf Jahre halten. "Umwelt und Verbraucher profitieren gleichermaßen von den neuen europäischen Vorgaben für Staubsauger. Mit den neuen Anforderungen geht die EU einen entscheidenden neuen Schritt in Richtung umwelt- und verbraucherfreundliche Produkte", sagt Colaço.

Als kritisch sehen die Experten der Stiftung Warentest und Colaço allerdings die festgelgten Teststandards zur Beurteilung des Stromverbrauchs und der Reinigungswirkung. Die Gerätetests erfolgen zum Beispiel mit leeren Staubsaugerbeuteln und seien deshalb nicht Praxisgerecht. "Dies führt dazu, dass der tatsächliche Stromverbrauch und die Saugleistung im Alltag von den ermittelten Werten unter Testbedingungen abweichen können", erklärt Colaço. Hier sehen die Experten noch Nachbesserungsbedarf. Auch sollten zukünftig weitere Anforderungen gestellt werden, damit die Geräte leichter reparierbar werden.  

EU-Richtlinie ein Erfolg?

2007 beschlossen die europäischen Regierungschefs den Energieverbrauch in der EU um 20 Prozent bis zum Jahr 2020 zu verringern. Um dieses Ziel zu erreichen, sind die EU-Ökodesign-Richtlinie und die EU-Energieverbrauchskennzeichungs-Richtlinie wichtige Instrumente. Sie regeln, dass besonders effiziente Produkte auf den Markt kommen und die Energiefresser verdrängen.

In den letzten Jahren hat die EU-Ökodesign-Richtlinie in der EU bereits einiges bewirkt. So wurden Kühlschränke, Spül- und Waschmaschinen, Fernseher, Computer, Pumpen, Motoren und Lampen wesentlich energiesparender. Einige Produkte wie moderne LED-Lampen und Pumpen brauchen im Vergleich zu denen von vor zehn Jahren inzwischen nur noch ein Zehntel der Energie und haben sich auch auf dem Markt durchgesetzt. 

Bildergalerie 10 things you'll find in every German household (Colourbox)

Die Geräte werden sparsamer und besser, Umwelt und Geldbeutel werden geschont: Umwelt und Verbraucher profitieren.

Nach einer Studie im Auftrag der EU ist sie für Klimaschutz, Verbraucher und Industrie ein wichtiges Instrument. Die Wissenschaftler rechneten aus, dass durch die eingeleiteten Maßnahmen im Jahr 2020 in der gesamten EU rund neun Prozent weniger Energie im Vergleich zu 2010 verbrauchen wird. Sieben Prozent weniger Treibhausgase gelangen in die Atmosphäre. Allein im Strombereich ist die Einsparung immens: Die Stromproduktion von rund 200 großen Kohlekraftwerken mit je 800 MW würden so eingespart.

Zugleich gibt es nach den Prognosen auch erhebliche Vorteile für Verbraucher und Industrie: Im Jahr 2020 werden demnach Europas Bürger durch die Effizienzsteigerungen um rund 111 Milliarden Euro entlastet. Jeder Haushalt spart so im Durchschnitt fast 500 Euro im Jahr ein.

Reicht Richtlinie für Einsparziele?

Trotz Erfolg bei der Verbesserung von Geräten durch die Ökodesign-Richtlinie bleibt in vielen EU-Ländern aber noch erheblicher Handlungsbedarf, um die gesetzte Energieeinsparung von 20 Prozent bis 2020 zu erreichen. Auch Deutschland hängt bei der Energieeffizienz noch sehr stark hinterher.

Nach Angaben der Bundesregierung konnte Deutschland seinen Energieverbrauch bis 2015 im Vergleich zu 2008 nur um 7,6 Prozent senken. Für das gesetzte Ziel von 20 Prozent bis 2020 sind also noch erhebliche Anstrengungen erforderlich. Umweltverbände mahnen zur Eile und kritisieren in diesem Zusammenhang auch die EU-Kommission, weil sie zu nachgiebig gegenüber der Bundesregierung sei.

Nach Ansicht des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Deutschen Umwelthilfe (DUH) müsste die EU wegen mangelhafter Umsetzung der europäischen Energieeffiziensvorgaben ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland einleiten. Doch hier habe "die EU-Kommission als Hüterin der Verträge versagt", sagt Sascha Müller-Kraenner von der DUH. 

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema