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Kultur

Statue sucht Stifter

Weil immer mehr Menschen in Deutschland aus der Kirche austreten, fehlt Geld im Budget. Deshalb gründen jetzt viele Bürger Stiftungen um Kirchenkunst oder Sozialprojekte zu erhalten. Die Kirchen stellen sich darauf ein.

Schinkeldenkmal vor der Kirche in Friedrichwerder (Foto: AP)

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, hat die Einnahmen aus der Kirchensteuer fest im Blick und warnte vor kurzem: "Wir müssen uns auf harte Zeiten einstellen“. Zwar verfügen beide großen Kirchen nach wie vor über hohe Vermögen, und Immobilienbesitz. Doch das Geld, mit dem innerkirchliche Angelegenheiten und die kulturelle und soziale Arbeit finanziert werden, wird zunehmend knapper. Die Kirchen haben allerdings Glück, denn immer mehr engagierte Gläubige machen aus der Not eine Tugend und stiften Teile ihres Vermögens, um wichtige Projekte zu fördern oder überhaupt zu ermöglichen.

Stiftungszentren bieten Rundum-Service

Es gebe Menschen, die mit ihrem Vermögen zum Beispiel gern die Kapelle in ihrer Nähe unterstützen wollen, sagt Thomas Reuther vom Deutschen Caritasverband in Freiburg. Diese Menschen gründen dann eine Stiftung und ihr Name werde später über die Kapelle geschrieben. Wer stifte, habe eine Perspektive für sein Geld nach dem Tod, sagt Reuther. Er kann die Projekte schon gar nicht mehr zählen, an denen er mitgearbeitet hat. Denn je knapper die Kassen der Gemeinden werden, umso stärker werben Kirchengemeinden auch für privates Engagement.

Besucher legt Geld in den Klingelbeutel (Foto: dpa)

Geld für die Kirche

Menschen mit Vermögen gründen dann eine Stiftung oder beteiligen sich an einer, wenn die kirchliche und gesellschaftliche Anerkennung hoch ist, die Beratung durch die Kirche gut, die Begleitung professionell und der eigene Aufwand gering. Die Bistümer haben deshalb Stiftungszentren gegründet, um adäquate Ansprechpartner bieten zu können, die beraten und betreuen. In ganz Deutschland gibt es daher mittlerweile erfolgreich arbeitende Stiftungsprojekte. Eins davon versucht zum Beispiel in Köln die Jahrhunderte alten romanischen Kirchenfenster zu erhalten. "Kürzlich wurde ein ganz großes Fensterprojekt abgeschlossen, weil es Christen gibt, die gesagt haben: Mir ist die Kirchenkunst, mir ist das Kirchenfenster in den romanischen Kirchen in Köln so wichtig, da möchte ich mein Vermögen anlegen," sagt Alfred Hovestädt, Vorsitzender des bundesweiten Arbeitskreises der katholischen Kirchenstiftungen in Deutschland.

Stiftungen als Ersatz für fehlende Kirchensteuern?

Obwohl das Erzbistum Köln eines der reichsten der Welt ist, sorgt man sich auch hier über die Entwicklung der Kirchensteuer. Wegen der Rezession seien die Einnahmen 2009 um vier Prozent gesunken, heißt es im Rechenschaftsbericht. Für 2010 rechnen die Kirchenoberen sogar mit einem Rückgang um 16 Prozent. Wenn es dann finanziell eng werde, können Stiftungen eine wichtige Ergänzung sein, sagt Wolfgang Bender vom Generalvikariat des Erzbistums Köln. Stiftungen könnten und sollten die Kirchensteuer seiner Meinung nach aber nicht komplett ersetzen. So lange wie möglich sollte die Kirche bei der regulären Kirchensteuereinnahme bleiben, "um eine gewisse Verfasstheit von Kirche sicherstellen zu können. Wenn man jetzt anfängt, andere Elemente in dieses Geschehen mit einzubringen, hat das immer den Effekt, dass aus dieser Ersatzfunktion eine reguläre Funktion wird und damit geht im Grunde genommen der kreative Teil der Stiftungen verloren."

Gleichzeitig fordert Barbara Krug von der Gerricus-Stiftung in Düsseldorf von der Kirche mehr Transparenz. Das erhöhe die eigene Glaubwürdigkeit, dadurch könne man noch mehr Bürger für den Stiftungsgedanken begeistern. Bislang würden kirchliche Finanzen nicht in vollem Umfang offengelegt, kritisiert Krug. Und wer dann als Stifter plötzlich einen Spiegel-Artikel vor die Nase bekomme, in dem von Kassen in Köln Erzbistum die Rede sei, die nicht transparent seien, frage man sich als Stifter zu Recht: "Warum sammelst du fürs reichste Erzbistum, bist du nicht eher ein Lückenbüßer, damit die weiterarbeiten können wie gewohnt?" Stifter haben nämlich ihren eigenen Kopf und engagieren sich nur dann, wenn sie ihre Ideen verwirklichen können und sich ideell wiederfinden. Bei Stiftungen wirkt der Wille des Stifters, nicht das Wollen des Empfängers.

Autor: Peter Kolakowski

Redaktion: Marlis Schaum