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Wirtschaft

Startup Doo: App soll Ordnung schaffen

Endlich weg vom Papierkram: Eine neue Software kann wichtige Dokumente sicher im Netz speichern und verwalten - mit der App Doo einer Softwareschmiede aus Bonn wird das Smartphone zum Aktenschrank.

Porträt Frank Thelen, Gründer (Foto: doo)

Erfahrener Gründer: Frank Thelen

Frank Thelen lebt mit der Unordnung: Im Tohuwabohu, das auf seinem Schreibtisch herrscht, gingen immer wieder wichtige Dokumente und Unterlagen verloren. "Jetzt reicht's", dachte der Bonner Unternehmer und machte vor anderthalb Jahren aus der Not eine Tugend. Um sein persönliches Durcheinander endlich in den Griff zu kriegen, entwickelte er eine Geschäftsidee.

"Denn sowohl mein privater Schreibtisch, als auch mein Schreibtisch im Büro waren mit ganz viel Papier übersät", erzählt Thelen der DW. "Ich habe ganz viele Rechnungen übersehen, konnte Verträge nicht finden. Und aus diesem persönlichen Frust heraus haben wir das Unternehmen gegründet, um dieses Problem zu lösen."

Freemium Modell

Herausgekommen ist eine "intelligente" Computersoftware zur Verwaltung von Dokumenten aller Art: "Doo" haben Thelen und seine Mitstreiter ihre neue Firma und auch das Programm genannt. Doo erkennt Dokumente selbständig, ordnet und verschlagwortet sie. Das unterscheidet sie von anderen Cloud-Lösungen wie Dropbox.

Firmenlogo des Startups Doo (Foto: Doo)

Firmenlogo des Startups

Bislang war nur eine Betaversion zum Ausprobieren verfügbar. Seit Ende Oktober ist Doo bereits als App für Microsofts brandneues Betriebssystem Windows 8 erhältlich, Applikationen für iOS und Android-Systeme sollen folgen.

Wer mehr als 2000 Dokumente bzw. mehr als ein Gigabyte in die Cloud hoch laden will, muss bezahlen, je nach Datenmenge zwischen 5 und 25 Euro im Monat. Mit diesem sogenannten "Freemium"-Modell will sich das Unternehmen finanzieren.

International wie Facebook

Ziel ist es, Doo zum festen Begriff in der weltweiten Internet-Gemeinde aufzubauen. "Wir sind der festen Überzeugung, dass man Bereiche im Internet heutzutage nur noch international besetzen kann", sagt Thelen. Ein gutes Beispiel sei der Vergleich der sozialen Netzwerke Facebook und StudiVZ. StudiVZ als rein deutscher Anbieter sei heute de facto nicht mehr relevant.

"Wir wollen daher das Thema 'Dokumente' direkt international besetzen", so der Unternehmer, "in einer Nische, wo wir sagen: 'Das ist eine spezielle Anwendung'. Aber da muss man dann wirklich weltweit den Standard setzen." Ansonsten habe man nach den Spielregeln des Internets keine Überlebenschance.

Frank Thelen von der Doo GmbH auf einem Werbedisplay am Times Square in New York. (Foto: Doo)

New York, Times Square: Das Konterfei des Doo-Gründers Frank Thelen schwebt über allem...

Finanziell längst ausgesorgt

Frank Thelen kann als Unternehmensgründer auf seine langjährige Erfahrung bauen. Seit den Anfangstagen des Internets ist der Programmierer aus Bonn eine feste Größe in der Startup-Szene. Sein bisher erfolgreichstes Projekt war die Firma IP Labs. Der Anbieter von Fotosoftware wurde 2008 für einen zweistelligen Millionenbetrag an den japanischen Konzern Fujifilm verkauft. Über seine Beteiligungsfirma E42 ist Thelen als Kapitalgeber und Berater verbunden mit Startups wie dem elektronischen Taxibestell-Dienst MyTaxi, dem App-Hersteller 6Wunderkinder oder dem Werbeportal KaufDa.

Bei Doo programmiert Frank Thelen wieder selbst. Sein Traum: Doo soll eines Tages in der gleichen Liga wie Facebook spielen. Aber während es Facebook in erster Linie um Spaß und Freizeitvergnügen gehe, stehe bei Doo die Produktivität im Mittelpunkt.

"Es geht wirklich darum, dass ich immer weiß, wo meine Dokumente sind", so Thelen. "Ich habe jeden Vertrag, jede Versicherung, jedes Dokument der Bank vollautomatisch, mit allen Versionen wirklich einhundert Prozent sicher abgespeichert. Ich muss mir nie wieder Sorgen darum machen."

10 Millionen Dollar Wagniskapital

Um den Start der neuen Firma zu finanzieren, hat Frank Thelen Wagniskapital in Höhe von 10 Millionen US-Dollar einsammeln können. Renommierte Investoren wie Target Partners, eine große deutsche Venture Capital-Gesellschaft, Lars Hinrichs, Unternehmer und Gründer des Bussiness-Netzwerks Xing, und der Unternehmensberater Hermann Simon setzten große Hoffnungen auf ihn und seine 40 Mitarbeiter.

Auch im Ausland werden die Leistungen des 37-Jährigen anerkannt. So gehörte er im Juni dieses Jahres zu 150 handverlesenen Firmengründern aus aller Welt, die von der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq nach New York eingeladen wurden, um dort ihre Projekte zu präsentieren.

Times Square und Kanzleramt

Wie die Rahmenbedingungen für Internet-Unternehmen am IT-Standort Deutschland verbessert werden könnten, hat Thelen erst kürzlich bei einer Diskussionsrunde mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin erörtert.

Doch bei aller Freude über die große Wertschätzung, die ihm bei solchen Terminen entgegengebracht wird, verliert der Firmengründer nicht sein eigentliches Ziel aus den Augen. "Frau Merkel zu treffen und am Times Square in New York präsent zu sein - das ist alles ganz nett, meine Mutter freut sich auch sehr darüber. Aber für mich ist es wichtiger, hier in Bonn die Nächte durch mit den Jungens zu programmieren, zu designen und ein tolles Ding zu bauen." Gelingt dies, kann die Revolution im Aktenschrank beginnen.

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